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Phantom "Leica Umino"


Summi Cron

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Prado News 10

 

Leica Umino – fast eine Legende

 

Der kleine Leica Umino genannte Projektor, der vor dem Kriege nur in den und für die USA hergestellt wurde und dementsprechend auch nur in den dortigen Leitz-Katalogen Erwähnung fand, ist mehr Legende als tatsächlich existierender Projektor, so könnte man glauben. Selbst im „Albert Schnelle“ findet sich nur eine jämmerliche Katalogabbildung, und wird er ganz selten einmal irgendwo angeboten, dann zumeist in einem beklagenswerten Zustand, unvollständig und oft vom Anbieter nicht einmal als Diaprojektor erkannt.

Im Jahr 2001 musste ein Direktor im Projektorenmuseum in Monte Video seinen Hut nehmen, nachdem er sich für viel Geld einen gefälschten Leica Umino hatte andrehen lassen. Und der langjährige Leiter des Museums für Lichtbildwerfer (Müze Projektöri) in Ankara Ülgen Ücülkür wurde depressiv und nahm sich durch einen Sprung in den Bosporus das Leben, nachdem er bei einer Versteigerung eines neuwertigen Umino bei Sotheby´s in Zürich in letzter Sekunde von einem reichen Griechen überboten wurde.

 

Doch Giovanni Belotelli, der kleine und stets redselige Veronese, Betriebsrat im Pradoseum und Fahrer Hagenbachs, behauptet seit Jahren, sein Onkel in Rom wisse von einem Umino, der nur darauf warte, im Pradoseum der Welt gezeigt zu werden. Genaueres wolle sein Onkel aber nur Hagenbach persönlich sagen.

Hagenbach hatte dies immer als Spinnerei abgetan, sich sogar über Belotelli offen lustig gemacht.

Nachdem sich jedoch neulich nachts ein Steinkauz durchs offene Fenster in die Herrentoiletten des Pradoseums verirrt hatte, (genaueres über diesen Vorfall ist nicht bekannt), war Hagenbach wie ausgewechselt. Schon am nächsten Tag verlegte er Termine, kaufte sich einen kanariengelben Herrenanzug aus Seide und war plötzlich und ohne jede Ankündigung verschwunden. Auf dem Spiegel in den Herrentoiletten fand sich aus Rasierseife der Schriftzug „UMINO - Rom“.

Burbach, der ihm schon am Morgen darauf überstürzt und besorgt nachfuhr, fand ihn dank des auffälligen Anzugs im Stadtzentrum der Tiberstadt. Burbach beschloss, sich nicht zu zeigen und folgte ihm volle zwei Stunden durch die Straßen und Gassen der Stadt, bis Hagenbach schließlich vor dem Pantheon stand, ein wenig verweilte und es schließlich betrat. Ganz vorsichtig war Burbach in gebührendem Abstand auch ins Pantheon geschlüpft und beobachtete seinen Chef aus dem schattigen Randbereich mit tief ins Gesicht gezogener Schirmmütze.

Hagenbach setzte sich auf eine der schlichten Steinbänke, ganz wie ein Tourist, der sich von der Hektik der quirligen Stadt Ruhe und Labsal verschaffen will. Eine ganze Stunde passierte gar nichts, Touristengruppen mit und ohne Führer betraten und verließen die weite Halle und erklärten den alten Tempel sämtlicher Gottheiten in japanischer, englischer, arabischer Sprache. Dann, Burbach hätte es fast nicht bemerkt, blieb ein kleiner alter Mann bei Hagenbach stehen, murmelte leise, als rede er mit sich selbst und setzte sich dann neben ihn auf die Bank. Die beiden murmelten leise weiter, ohne sich dabei anzusehen, nur einmal hob Hagenbach scheinbar erschrocken die Hand. Der alte Mann stand auf, steckte Hagenbach ein Papier zu und verließ das hohe Rund wieder, ohne sich noch einmal umzusehen.

Hagenbach wartete nur wenige Minuten, dann erhob er sich und lief schnellen Schrittes hinaus, direkt in Richtung Hauptbahnhof. Burbach hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten, und war außer Atem, als er gerade noch nach der Fahrkartenlösung in denselben Zug Richtung Norden springen konnte. Den Zettel, den Hagenbach offenbar von dem alten Herrn zugesteckt bekommen hatte, hatte Hagenbach beim Einsteigen einfach zerknüllt auf den Bahnsteig geworfen. Burbach nahm ihn an sich und entfaltete ihn verschwitzt, nachdem er sich einen Fensterplatz in einem leeren Abteil verschafft hatte. Mit zittriger Schrift stand darauf nur: „Guido Marcese, New Jersey“ und eine lange Telefonnummer.

 

Später mehr

Ihr Jobst Gerrits

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...und eines Nachts, als Johannes Mario S. wieder einmal einsam in der kleinen Bar saß, die er so liebte, öffnete sich, als er soeben sein Champagnerglas erhoben hatte, eine Gasse zwischen den eng umschlungenen Paaren auf der Tanzfläche, und sogleich fiel sein Auge auf Rosamunde P., die, allein an der Bar, gerade an ihrem Glas nippen wollte. Ihre Blicke trafen sich und konnten sich nicht voneinander lösen, und so kam es, wie es kommen musste: Reflexhaft griff er zu seiner IIIa, die ihn überall hin begleitete, inständig hoffend, die Filmempfindlichkeit möge ausreichen... (Forts. folgt)

 

Nun waren die beiden Titanen der Trivialliteratur bereits seit einigen Jahren verheiratet, die glückliche Ehe war mit Sumo, einem begabten Sohn gecrönt. Doch hatte Summi, so wurde er von seinen Eltern zärtlich genannt, ihr gewaltiges Talent geerbt? Würde auch er die lesende Menschheit mit Romanen beglücken, die das Leben schrieb, mit seiner Worte Kraft der Leser Herz rühren und erfreuen? Noch hatte er den letzten Beweis seiner künstlerischen Potenz nicht antreten können, wenngleich er bereits seit frühester Kindheit die Menschen in seiner Umgebung mit Bildern und kleinen Texten beschenkte und, zumindest beim Lomographieren, hoffnungsfrohe Ansätze bewies.

Auch hatte er immer wieder begehrliche Blicke auf die IIIa seines Vaters geworfen, die ihm Inbegriff sublimierter Fototechnik war und nachhaltiges Interesse an anderen ruhmvollen Produkten der berühmten Kameraschmiede zu wecken verstanden hatte... (Forts. folgt)

 

Der Durchbruch erfolgte, endlich!, nach einer Absinth-getränkten Nacht in Arles, an deren Geschehnisse er, Summi, sich nur bruchstückhaft erinnern konnte. E i n Wort hatte sich allerdings tief in sein Gedächtnis eingebrannt, das in ihm detektivische Interesse und fulminante sprachliche Kraft gleichermaßen wecken sollte: UMINO... (Forts. s. o.)

Edited by kologeros
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Hallo,

 

ich merke schon, manche können mit dem Namen "Leica Umino" gar nichts anfangen. Dabei st er doch sogar im Wiki. Unten ein Bild.

Aber ich weiß auch nicht, was da genau vor sich geht. Ich bin ja auch nur der Hausmeister im Pradoseum. Da kriegt man viel mit, aber nicht alles. Ich merke nur, dass hier in den letzten Tagen alle ziemlich aufgeregt sind, und irgendwie geheimniskrämerisch. Wahrscheinlich so ähnlich wie in Solms vor der M9-Enthüllung.

 

:) Summi Cron

 

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Edited by Summi Cron
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[quote=Summi Cron;1049279

 

"ich merke schon, manche können mit dem Namen "Leica Umino" gar nichts anfangen. Dabei st er doch sogar im Wiki."

 

 

Hallo Summi Cron,

 

bitte entschuldige! Ich hatte aufgrund des Stils Deinen Text für eine (sehr gelungene!) Satire gehalten und habe entsprechend zu antworten versucht. Das ging dann wohl völlig daneben. :o

 

Tut mir Leid!

 

MfG. Gerd

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Hallo Gerd,

 

da muss Dir nichts leid tun. Du liegst auch nur halb daneben. Also: Den Leica Umino gibt es wirklich und es kursieren Gerüchte, man könnte ihn womöglich in Übersee für das Pradoseum ergattern.

Und zur Schriftstellerei: Ich selbst habe mal einen kleinen Roman geschrieben, dem zwar viel gute Kritik und Rezensionen beschieden war, aber kein ökonomischer Erfolg.

 

Anselm Hagenbach jedoch ist Autor mehrerer großer Romane, ich erinnere nur an "Aug´ in Aug´ mit tausend Prados"; "Der Mann, der auf den Parvo trat" oder auch "1000 Dias rückwärts". Sie alle waren jedoch nur deshalb Bestseller, weil Hagenbach sämtliche Exemplare selbst kaufte, was ihn wirtschaftlich ruinierte. Immerhin wurden die Buchbestände sinnvoll eingesetzt, als man Keller und Wohnungen am Mittelrhein in den mittleren 90er Jahren gegen Hochwasser schützen musste.

Seitdem ist Hagenbach finanziell völlig auf die Unterstützung durch die Stiftung zum Erhalt der Verbundbildwerfer angewiesen.

Ach, und der Museumslieferwagen ist übrigens kein Unimog, sondern nur ein alter Bulli.

 

Gruß

Summi Cron

 

 

[quote name=Summi Cron;1049279

 

"ich merke schon' date=' manche können mit dem Namen "Leica Umino" gar nichts anfangen. Dabei st er doch sogar im Wiki."

 

 

Hallo Summi Cron,

 

bitte entschuldige! Ich hatte aufgrund des Stils Deinen Text für eine (sehr gelungene!) Satire gehalten und habe entsprechend zu antworten versucht. Das ging dann wohl völlig daneben. :o

 

Tut mir Leid!

 

MfG. Gerd[/quote]

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"Anselm Hagenbach jedoch ist Autor mehrerer großer Romane, ich erinnere nur an "Aug´ in Aug´ mit tausend Prados"; "Der Mann, der auf den Parvo trat" oder auch "1000 Dias rückwärts". Sie alle waren jedoch nur deshalb Bestseller, weil Hagenbach sämtliche Exemplare selbst kaufte, was ihn wirtschaftlich ruinierte."

 

 

Hallo Summi Cron,

 

 

welch Werlust! Wunderbare Weg weisende Werke wurden willkürlich wernichtet!: eek:

 

Dass seine Werke allerdings bei den Rheinhochwassern in den 90ern der von Dir beschriebenen profanen Maßnahme dienten, ist mir neu. Bisher war ich der Meinung, man hätte die ausgedienten Programme der politischen Parteien auf diese Weise schließlich doch noch einer sinnvollen Verwendung zugeführt.

 

MfG. Gerd

 

P.S. War es nicht auch Anselm Hagenbach, der seinerzeit den Slogan "I, II, III im Sauseschritt..." prägte und damit den Absatz der Schraubleicas so unerhört ankurbelte, weil nun auch dem gemeinen homo photographicus plötzlich klar wurde, dass Mobilität und Photographie einander keineswegs ausschließen müssen?

Möglicherweise weißt Du Näheres dazu? Vielleicht könntest Du ihn auch fragen, wenn er ohnehin im Hause ist - wenngleich es für ihn wohlmöglich schmerzlich sein wird, wenn man an diese Dinge rührt...

Edited by kologeros
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MfG. Gerd

 

P.S. War es nicht auch Anselm Hagenbach, der seinerzeit den Slogan "I, II, III im Sauseschritt..." prägte und damit den Absatz der Schraubleicas so unerhört ankurbelte, weil nun auch dem gemeinen homo photographicus plötzlich klar wurde, dass Mobilität und Photographie einander keineswegs ausschließen müssen?

Möglicherweise weißt Du Näheres dazu? Vielleicht könntest Du ihn auch fragen, wenn er ohnehin im Hause ist - wenngleich es für ihn wohlmöglich schmerzlich sein wird, wenn man an diese Dinge rührt...

 

Hallo Gerd,

 

nein, das war sein gleichnamiger Onkel, Bernward Hagenbach. Anselm Hagenbach ist so etwa knapp 50 (Er ist der Typ Mensch, dessen Alter sich schlecht schätzen lässt, er hat etwas Zeitloses an sich).

Hagenbach ist auch eher ein introvertierter Mensch, für Werbeaktionen eignet er sich gar nicht. Zurzeit blüht er etwas auf und verlässt beinahe täglich die Herrentoiletten für mehrere Stunden (von seiner Blitzreise nach Rom ganz abgesehen). Er geht dann in das Museumsarchiv im Keller und man hört durch die dicken Türen, dass er mit lauter und klarer Stimme Projektorbedienungsanleitungen in allen Sprachen rezitiert. Da sich niemand nachzusehen traut, wissen wir aber nicht, ob er sie abliest oder tatsächlich auswendig kennt. Giovanni Balotelli (sein Fahrer) behauptet aber, er habe sie alle im Kopf.

 

Gruß

Summi Cron

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... "das war sein gleichnamiger Onkel, Bernward Hagenbach."

 

 

Gruß

Summi Cron

 

 

 

Hallo Summi Cron,

 

 

sehr aufschlussreich, was Du zu Anselm H. und seiner Familie zu berichten weißt.

 

Angeregt durch Deine ungemein interessanten Ausführungen habe ich ein wenig recherchiert und bin dabei auf einige Zusammenhänge gestoßen, die - möglicherweise auch für Dich neu - das forscherische Potenzial der Familie Hagenbach verdeutlichen und unter diesem Aspekt Anselm gewissermaßen als Kulminationsfigur des Lichtbildwurfes erscheinen lassen - eine Tatsache, die mir, wenngleich stark interessiert - bisher völlig entgangen war.

Kurz gesagt, stieß ich bei meinen Nachforschungen auf Anselms Ur-Urgroßvater Friedemann Hagenbach, von dem berichtet wird, er habe anlässlich eines Lichtbildabends, in dessen Rahmen vermittels einer Laterna Magica Bilder gezeigt werden sollten, die sein enger Freund J. W. G. von seiner italienischen Reise mitgebracht hatte, seiner Entäuschung über die zu dunkle Projektion mit dem ärgerlichen Ausruf "Mehr Licht!" Luft gemacht und damit den Grundstein für die Entwicklung des Prado gelegt. (Dieser Ausruf wurde ürigens später bei anderer Gelegenheit von seinem Freund J. W. G. übernommen...)

 

In der Hoffnung, Erhellendes beigetragen zu haben, grüße ich herzlich.

 

Gerd

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Hallo Gerd,

 

danke für Deinen in der Tat erhellenden Beitrag, so erhellend, dass nicht einmal Vignettierung oder Randunschärfen zu entdecken sind.

 

Ich hatte Gelegenheit, Dr. Hagenbach, als er gerade etwas ermattet aus dem Museumskeller auf die Herrentoiletten zurückkehrte, von Deinem Bericht zu erzählen. Er sah mich daraufhin kurz an und es zeigte sich eine Regung in seinem Gesicht. Die Mehrheit der Beobachter ist der Ansicht, dass es ein Lächeln gewesen sei, das Hagenbach über das Gesicht huschte. Voraussichtlich wird Dir zum Dank eine Jahreskarte für das Pradoseum zugesandt.

 

Viele Grüße

Summi Cron

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Hallo Gerd,

 

danke für Deinen in der Tat erhellenden Beitrag, so erhellend, dass nicht einmal Vignettierung oder Randunschärfen zu entdecken sind.

 

Ich hatte Gelegenheit, Dr. Hagenbach, als er gerade etwas ermattet aus dem Museumskeller auf die Herrentoiletten zurückkehrte, von Deinem Bericht zu erzählen. Er sah mich daraufhin kurz an und es zeigte sich eine Regung in seinem Gesicht. Die Mehrheit der Beobachter ist der Ansicht, dass es ein Lächeln gewesen sei, das Hagenbach über das Gesicht huschte. Voraussichtlich wird Dir zum Dank eine Jahreskarte für das Pradoseum zugesandt.

 

Viele Grüße

Summi Cron

 

 

 

Hallo Summi Cron,

 

 

zuviel der Ehre! Ich werde mehrmals wöchentlich davon Gebrauch machen.

 

Vielleicht - hoffentlich ist meine Frage nicht zu vermessen! - bietet sich bei einer dieser Gelegenheiten die Möglichkeit, einer Rezitations-Session Anselm Hagenbachs zu lauschen oder sogar einen Blick in des Meisters Wohnklo zu werfen. (Die Bilder haben meine Neugier gesteigert!)

 

In froher Erwartung grüßt

 

Gerd

 

 

P.S. Eine Frage noch zu (ich hoffe, es ist kein Sakrileg, den Meister beim Vornamen zu nennen!) Anselms Rezitationen:

 

Einfach Prosa oder bearbeitet, z. B. in Stabreim oder Alexandriner gefasst? Eine kurze Tonprobe wäre hier sehr erhellend!

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