Jump to content

Warum Leica?


elmars
 Share

Recommended Posts

Advertisement (gone after registration)

Ich bin ein Leica Fanboy – auch wenn ich das Wort nicht mag, weil es eine unkritische Beziehung suggeriert. Aber Begeisterung und Nähe sind schon da. Trotzdem ärgere ich mich manchmal über Leica, wie zum Beispiel neulich darüber, dass ein gutes Dreivierteljahr nach Erscheinen der M11 einige Bugs immer noch nicht abgestellt sind. Mir fiel dann aber auch ein, warum Leica - anders etwa als mein Auto oder mein Computer - etwas Besonderes für mich ist. Natürlich sind es die Kameras und Objektive, die mir sehr zusagen, es ist aber auch die Geschichte, die mich mit Leica verbindet. Diese Geschichte möchte ich kurz erzählen.

Eine M-Kamera kam für mich früher nie in Betracht. Ich dachte: Die kann ja gar nichts im Vergleich zu den japanischen Autofokus-Boliden. Das war noch zu Filmzeiten. Mich hat aber schon damals immer gestört, dass Spiegelreflexkameras groß und schwer waren. Als ich dann einmal bei einem Fotohändler eine M6 in die Hand nahm und merkte, wie schön kompakt die Kamera ist und wie gut ich mit dem manuellen Scharfstellen durch den Messsucher klarkam, arbeitete der Gedanke an eine solche Kamera in mir. Letztlich brauchte ich drei Jahre bis zum Kauf einer M6 TTL. Ich habe es nie bereut und nie mehr eine andere Art Kamera vermisst.

Während der drei Jahre der Überlegung hatte ich einen ersten sehr netten Kontakt zu Leica. Damals gab es noch die Leica-Erlebnistage, bei denen man sich eine Kamera einen ganzen Tag ausleihen konnte. Ich hatte mich angemeldet, aber leider wurde mein Sohn krank und ich konnte erst spät nach Solms fahren, nachdem ich beim Kinderarzt war. Aber Suela Martin, die heute noch bei der Leica Akademie arbeitet, hatte auf mich gewartet und ich durfte die Kamera später zurückgeben, als eigentlich vorgesehen, damit ich sie in Ruhe auszuprobieren konnte. Solche Freundlichkeit verbindet und das ausführliche Probieren hat viel zu meiner Entscheidung für eine M beigetragen. 

Ich war dann recht früh im Leica-Forum dabei. Über die Jahre hinweg gab es mehrere legendäre Forumstreffen im Hessenpark, die sehr von Leica unterstützt wurden. Oliver Richter von der Leica Akademie hat immer reichlich Equipment zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt und der inzwischen leider verstorbene Produktmanager Günther Osterloh, der auch ein sehr bekanntes Buch über die M-Leica geschrieben hat, hat regelmäßig Workshops angeboten. Durch Stefan Daniel erhielten wir Einblicke in Hintergründe und Produktentwicklungen; außerdem konnten wir unsere Fragen loswerden. So hat sich für manchen von uns eine persönliche Beziehung zu den Mitarbeitern von Leica entwickelt. Stefan Daniel ist heute sicher einer der wichtigsten Personen bei Leica und immer noch offen für Fragen und Anregungen aus dem Nutzerkreis. Derartiges ist in keiner Weise selbstverständlich.

Olaf Wolf gehört auch zu den besonderen Leica Leuten. Kaum jemand ist so hilfsbereit wie er. Bei der Produktvorstellung bei einem Fotohändler habe ich ihm mal von dem Problem mit einem Objektiv erzählt. Er bot an, die Linse mit nach Solms zu nehmen und hat sich dort um alles gekümmert. Nach kurzer Zeit hatte ich das Objektiv repariert zurück.

Schließlich etwas, was es anderswo kaum jemals geben dürfte. Anfangs hatte ich zwei Leica M6 TTL, eine für Schwarzweiss und eine für Farbe, und war gegenüber der Digitalfotografie sehr skeptisch. Das erzählte ich, als ich bei einem der Forumstreffen mit dem Sohn des Hermes Vorstandsvorsitzenden, der damals bei Leica arbeitete, ins Gespräch kam. Um meine Skepsis abzubauen, bot er mir spontan an, mir seine Leica M8 zu leihen. Mein Einwand, ich würde ein paar Tage später für drei Wochen in den Urlaub fahren und könne die Kamera deswegen erst nach vier Wochen zurückgeben, war kein Problem. So habe ich die M8 den ganzen Urlaub lang probieren können, meine Digitalskepsis überwunden und die Fotos, die ich mitgebracht habe, sind heute noch mit die besten, die ich je gemacht habe. 

Meine Geschichte mit Leica ging natürlich weiter, aber ich möchte nicht langweilen. Habt Ihr auch eine Geschichte, die Euch mit Leica verbindet? Bitte schreibt sie hier auf.

Welcome, dear visitor! As registered member you'd see an image here…

Simply register for free here – We are always happy to welcome new members!

Zum Schluss ein aktuelles Foto meines Sohnes (Noctilux @ 0,95). Das deshalb, weil ich kurz nach seiner Geburt angefangen habe, über eine Leica nachzudenken. Vor 25 Jahren.

Link to post
Share on other sites

Ja Elmar, einen großen Teil Deines Leica Weges gingen wir gemeinsam. Auch ich war lange Zeit mit meinen M und R Kameras dabei, bei den Treffen im Hessenpark, bei den Treffen in Köln, Bonn usw. War eine schöne Zeit, vor allem mit Unterstützung von Leica. Nun sind wir nur noch wenige die sich (un) regelmäßig treffen, eigentlich nur noch vier, aber das halten wir bei. 

Ich habe einige Kurse in der Akademie absolviert, hervorzuheben die Labor Kurse bei Frau Wolf und Frau Naumann die gnadenlos Fehler erkannten und mich solange wieder an den V 35 schickten bis sie zufrieden waren, Danke dafür! 

Mein Kurs mit Prof. Mack in Frankreich bei dem er uns das Fotografieren vom Menschen lehrte bleibt mir ewig in Erinnerung und bei jedem Portrait das ich mache erinnere ich mich an sein Worte: Lassen Sie den Menschen ihre Würde. Auch bei diesem Kurs wurde hart gerichtet. Noch heute hängen drei meiner besten Bilder aus diesem Kurs bei mir an der Wand und erinnern an eine schöne Zeit. 

Nicht zu vergessen die Freundschaften die während meiner Leica Zeit entstanden sind.

Gruß an Deinen Sohn den ich immer noch so in Erinnerung habe wie ich ich vor etlichen Jahren auf der Vernissage Deiner Ausstellung fotografierte, mit der Spielekonsole in der Hand. 

Wir sehen und bei Herrn Groebli in Monschau. 

Rolf

Link to post
Share on other sites

@elmars, da ke für Deine Geschichte! Auch ich  in ein, inzwischen Leica "Fellow". Boy war am Anfang... Ich began mit einer R3. Eigentlich R4, aber Leica hatte mir 3 nacheinander geliefert, die Eektro-mechanik war woll zu komplex... Dann bot man mir eine R3 an, mit der ich zunächst glücklich war. Mein Fotohändler hatte mich überzeugt auf Made in Germany umzusteigen. In den 70er Jahren entwickelte ich auch Farbe. Er meinte, dass die meisten Objektive von Leitz die Farben einheitlicher darstellen. Während des Studiums, als HIWI, habe ich mir mit dem verdienen Geld von 21 bis 180m einiges geleistet. 1983 bin ich nach Paris übergesiedelt. Noch während des Umzugs wurde ALLES gestohlen... Ein großer Teil meines Gehalts floß in die Miete. An Leica war nucht zu denken. 2 Jahre später schenkte mir mein Vater die M6. Er konnte meine Traurigkeit nicht mehr ertragen... Ab dann gab es lange Zeit nur noch M und M Objektive. Erst spät habe ich mich zum Sprung in die Digital Welt entschieden. Heute besitze ich auch eine SL2. Leica France hat mich zum Kauf überzeugt. Auch wenn sie grundsätzlich vielseitiger ist als die M, bevorzugte ich doch immer noch den Messsucher, meistens zur Zeit M11. Meine liebste M bleibt die M6 und die M10-D. Mit der M7 und der M240 bin ich nie warm geworden. 

Als Saarländer in ich besonders stolz auf die Leica III "Montée en Sarre". 

Ja, der Kontakt mit den Leica Mitarbeitern war und ist immer sehr angenehm und freundschaftlich geblieben trotz aller Veränderungen. 

Vielleicht ist die M11 meine letzte. Ich bin 1954 geboren, wie die M und der Kidak Tri-X, ein gutes Jahr. 

 

 

 

Link to post
Share on other sites

Für die letze M ist es noch zu früh, Siggi! Aber ich kenne solche Gedanken. In diesem Jahr bin ich 60 geworden und habe mich gefragt, wieviel Kameras es wohl noch werden. Aber ich denke, wegen ihres Gewichts und ihrer Simplizität ist die M gerade die richtige Kamera fürs Älterwerden, solange die Augen mitmachen. Nachdem ich in dieser Beziehung im letzten Jahr eine kleine Krise hatte, bin ich wieder optimistischer.

Die SL2 habe ich vor ein paar Wochen noch ausprobiert. Tolle Kamera, aber viel zu groß und schwer für mich. Ohne M würde es schwer für mich. 

Link to post
Share on other sites

@elmars, da ke für Deine Geschichte! Auch ich  in ein, inzwischen Leica "Fellow". Boy war am Anfang... Ich began mit einer R3. Eigentlich R4, aber Leica hatte mir 3 nacheinander geliefert, die Eektro-mechanik war woll zu komplex... Dann bot man mir eine R3 an, mit der ich zunächst glücklich war. Mein Fotohändler hatte mich überzeugt auf Made in Germany umzusteigen. In den 70er Jahren entwickelte ich auch Farbe. Er meinte, dass die meisten Objektive von Leitz die Farben einheitlicher darstellen. Während des Studiums, als HIWI, habe ich mir mit dem verdienen Geld von 21 bis 180m einiges geleistet. 1983 bin ich nach Paris übergesiedelt. Noch während des Umzugs wurde ALLES gestohlen... Ein großer Teil meines Gehalts floß in die Miete. An Leica war nucht zu denken. 2 Jahre später schenkte mir mein Vater die M6. Er konnte meine Traurigkeit nicht mehr ertragen... Ab dann gab es lange Zeit nur noch M und M Objektive. Erst spät habe ich mich zum Sprung in die Digital Welt entschieden. Heute besitze ich auch eine SL2. Leica France hat mich zum Kauf überzeugt. Auch wenn sie grundsätzlich vielseitiger ist als die M, bevorzugte ich doch immer noch den Messsucher, meistens zur Zeit M11. Meine liebste M bleibt die M6 und die M10-D. Mit der M7 und der M240 bin ich nie warm geworden. 

Als Saarländer in ich besonders stolz auf die Leica III "Montée en Sarre". 

Ja, der Kontakt mit den Leica Mitarbeitern war und ist immer sehr angenehm und freundschaftlich geblieben trotz aller Veränderungen. 

Vielleicht ist die M11 meine letzte. Ich bin 1954 geboren, wie die M und der Kidak Tri-X, ein gutes Jahr. 

 

 

 

Link to post
Share on other sites

Warum Leica? Leicht suggestiv, aber eine interessante Frage … und mit lediglich zwei Worten ein Musterbeispiel für die Konzentration auf das Wesentliche. Mit ein paar Worten mehr habe ich gestern für mich einige unsortierte Antworten aufgeschrieben und stelle diese gerne in leicht veränderter Form hier ein.

Meine Leica-Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren mit der OM-1 aus dem OM-System von Olympus. Freunde meines Vaters meinten gelegentlich, dass dies ja „die japanische Leica“ sei. Leica – der Marke begegnete man in den damaligen Kreisen mit einem gewissen Respekt, weil sie für Präzision und Zuverlässigkeit stand. Aber es war auch klar: Die mit den Leicas, das waren die Fotografen, die Begriffe wie „Deutsche Kameraindustrie“ oder „Made in Germany“ auffällig hochhielten und etwas von oben herab auf die „schlechten Kopien der Japaner” schauten. Da stand ich nun mit meiner japanischen Leica. Mein Physik-Lehrer hatte eine echte Leica. Von denen, die ich sonst noch so kannte, hatten die einen noch eine Zeiss Ikon, Exa oder Paxette, die anderen schon eine Canon A-1 oder AE-1. Und die nochmal anderen hatten eine Kodak-Instamatic- oder eine Pocket-Kamera. Ungefähr so war es.

Jahre später hatte ich dann in einer Fotozeitschrift eine Anzeige für die Leica M6 gesehen. Und diese Anzeige muss irgendwie gut gemacht gewesen sein, denn ich wollte unbedingt so eine Kamera haben. Ob es das Reduzierte dieser Kamera war, das Fehlen von Knöpfen, Automatiken und anderem Schnickschnack, das Versprechen von echter und ehrlicher Fotografie ... oder einfach nur die coole Sonnenblende des Summicrons, ich weiß es nicht mehr. Einige Semesterferienjobs später hatte ich das Teil. 

Eine faszinierende Kamera bis heute. Es fehlt nichts und es gibt nichts Überflüssiges. Mit der etwas später dazu gekommenen M4-P bin ich dann zwar so etwas wie ein Kamera-Polygamist geworden, das beantwortet aber vielleicht die eingangs gestellte Frage „Warum Leica?“ – bei mir zutreffender: „Warum Leica-M?“ – ganz gut: Es gibt auch bei sehr komplizierteren Kameras nur wenige Parameter, die letztlich das Bild bestimmen: Film, Bildwinkel, Blende, Zeit, Ausschnitt, Entfernung … viel mehr ist es nicht. Kameras wie die M6 stellen eine ganz direkte, puristische 1:1-Beziehung zu diesen wenigen Parametern her – keine Ablenkung, keine Automatik, kein Firlefanz. Die M10 und die M11 konnten ein wenig von dieser Idee in die digitale Zeit retten.

Es ist wie beim Kochen. Teure Küchengeräte, jede Menge Zutaten und möglichst viele Gewürze machen ein Gericht nicht besser. Was aber mit wenigen, ausgesuchten Zutaten selbst und sorgfältig zubereitet wurde, schmeckt meistens richtig gut – auch wenn die liebevolle Zubereitung manchmal etwas länger dauert. So wie ich gerne koche oder mein Brot selbst backe, so fotografiere ich gerne mit einer Leica M auf Film.

Die M6 ist eine nahezu perfekte Kamera. Bei den meisten Digitalkameras bin ich da etwas weniger enthusiastisch. Wenn wir in der Küche bleiben wollen: Digitalkameras sind der Thermomix der Fotografie. Man kann damit unbestritten in Nullkommanix einfach gutes Zeugs herstellen, aber die Freude und das Sinnliche beim Machen fehlt mir an vielen Stellen, auch bei Leica. Und leider fehlt auch das Nachhaltige, egal wie oft wir uns das Gegenteil einreden wollen. Meine M6 ist 30 Jahre alt, andere M-Kameras werden demnächst 70. Das wird kein SL-System schaffen und keine digitale M, keine Q und eine CL sowieso nicht. Erinnert sei an die weitgehende Nicht-mehr-Reparierbarkeit von M8 und M9. Das M-System als Ganzes kann bis heute nur deshalb mit Kontinuität punkten, weil viele Komponenten keine Elektronik enthalten und das Bajonett und die Entfernungsmesserkupplung die Verwendung uralter Objektive zulassen … und – ganz knappe Sache – Leica das System in der Not nicht abgekündigt hat. Für alles andere gilt meines Erachtens etwa das Gleiche wie beim Kauf von Laptops: Nach zehn oder mit etwas Glück vielleicht nach fünfzehn Jahren ist bei Digitalkameras Schluss und das teuer erworbene Gerät ist ein Exot oder besserer Elektroschrott. 

Heute würde ich fragen: Warum Leica … und wann lieber nicht? Wie fotografiere ich? Was fotografiere ich? Bin ich Profi oder Amateur? Wie sehr muss ich mich für den Kaufpreis krumm machen? Besteht die Gefahr, dass Leica das System meiner Wahl nicht fortführt oder sehe ich andere Risiken? Plane ich den Kauf einer Analogkamera, einer Digitalkamera oder eines Objektivs? Was sind die Alternativen bei Mitbewerbern? Kaufe ich neu oder gebraucht? Wie sehr und wie lange werde ich das gekaufte Teil voraussichtlich nutzen? Wie lautet die Antwort, wenn ich die letzte Frage ehrlich beantworte? 

Die M6 würde ich allerdings jederzeit wieder kaufen.

 

Link to post
Share on other sites

Advertisement (gone after registration)

Leica ist ein Mythos: Innovation, Qualität, schönes Styling und ein ausgefeiltes Zubehörangebot. Das gilt v.a. für analoge LTM- und M-Kameras. Damals hatten die Japaner zu Leitz, Zeiss (und Exakta) noch hochgeblickt. Ob sie das im Zeitalter der Digitalfotografie immer noch machen, sei dahingestellt.

Aber auch digitale M-Kameras haben ihren eigenen Reiz. Das Styling ist nur schwer zu überbieten. Mit Beibehaltung des Messsucher-Systems hat man eine Art Spagat zwischen den "analogen Zeiten" und den "digitalen Zeiten" gemacht. 

"Warum Leica?" Diese Frage lässt sich beliebig ausdehnen: 

https://www.roter-punkt-kamera.de/warum-sind-leica-kameras-so-teuer/

Natürlich fragt man sich, inwieweit die hohe Preisdifferenz zu anderen Herstellern gerechtfertigt ist. Dem "roten-punkt"-Artikel kann ich nicht viel abgewinnen.

Meines Erachtens hat sich Leica schlicht und einfach zu einem Luxusartikel-Hersteller entwickelt. Sich zu fragen, ob eine Hermes-Tasche ihren Preis wert ist, macht nicht viel Sinn. Entweder man - in diesem Fall Frau - hat eine oder nicht.

Link to post
Share on other sites

vor 2 Stunden schrieb XOONS:

Warum Leica? Leicht suggestiv, aber eine interessante Frage … und mit lediglich zwei Worten ein Musterbeispiel für die Konzentration auf das Wesentliche. Mit ein paar Worten mehr habe ich gestern für mich einige unsortierte Antworten aufgeschrieben und stelle diese gerne in leicht veränderter Form hier ein.

Meine Leica-Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren mit der OM-1 aus dem OM-System von Olympus. Freunde meines Vaters meinten gelegentlich, dass dies ja „die japanische Leica“ sei. Leica – der Marke begegnete man in den damaligen Kreisen mit einem gewissen Respekt, weil sie für Präzision und Zuverlässigkeit stand. Aber es war auch klar: Die mit den Leicas, das waren die Fotografen, die Begriffe wie „Deutsche Kameraindustrie“ oder „Made in Germany“ auffällig hochhielten und etwas von oben herab auf die „schlechten Kopien der Japaner” schauten. Da stand ich nun mit meiner japanischen Leica. Mein Physik-Lehrer hatte eine echte Leica. Von denen, die ich sonst noch so kannte, hatten die einen noch eine Zeiss Ikon, Exa oder Paxette, die anderen schon eine Canon A-1 oder AE-1. Und die nochmal anderen hatten eine Kodak-Instamatic- oder eine Pocket-Kamera. Ungefähr so war es.

Jahre später hatte ich dann in einer Fotozeitschrift eine Anzeige für die Leica M6 gesehen. Und diese Anzeige muss irgendwie gut gemacht gewesen sein, denn ich wollte unbedingt so eine Kamera haben. Ob es das Reduzierte dieser Kamera war, das Fehlen von Knöpfen, Automatiken und anderem Schnickschnack, das Versprechen von echter und ehrlicher Fotografie ... oder einfach nur die coole Sonnenblende des Summicrons, ich weiß es nicht mehr. Einige Semesterferienjobs später hatte ich das Teil. 

Eine faszinierende Kamera bis heute. Es fehlt nichts und es gibt nichts Überflüssiges. Mit der etwas später dazu gekommenen M4-P bin ich dann zwar so etwas wie ein Kamera-Polygamist geworden, das beantwortet aber vielleicht die eingangs gestellte Frage „Warum Leica?“ – bei mir zutreffender: „Warum Leica-M?“ – ganz gut: Es gibt auch bei sehr komplizierteren Kameras nur wenige Parameter, die letztlich das Bild bestimmen: Film, Bildwinkel, Blende, Zeit, Ausschnitt, Entfernung … viel mehr ist es nicht. Kameras wie die M6 stellen eine ganz direkte, puristische 1:1-Beziehung zu diesen wenigen Parametern her – keine Ablenkung, keine Automatik, kein Firlefanz. Die M10 und die M11 konnten ein wenig von dieser Idee in die digitale Zeit retten.

Es ist wie beim Kochen. Teure Küchengeräte, jede Menge Zutaten und möglichst viele Gewürze machen ein Gericht nicht besser. Was aber mit wenigen, ausgesuchten Zutaten selbst und sorgfältig zubereitet wurde, schmeckt meistens richtig gut – auch wenn die liebevolle Zubereitung manchmal etwas länger dauert. So wie ich gerne koche oder mein Brot selbst backe, so fotografiere ich gerne mit einer Leica M auf Film.

Die M6 ist eine nahezu perfekte Kamera. Bei den meisten Digitalkameras bin ich da etwas weniger enthusiastisch. Wenn wir in der Küche bleiben wollen: Digitalkameras sind der Thermomix der Fotografie. Man kann damit unbestritten in Nullkommanix einfach gutes Zeugs herstellen, aber die Freude und das Sinnliche beim Machen fehlt mir an vielen Stellen, auch bei Leica. Und leider fehlt auch das Nachhaltige, egal wie oft wir uns das Gegenteil einreden wollen. Meine M6 ist 30 Jahre alt, andere M-Kameras werden demnächst 70. Das wird kein SL-System schaffen und keine digitale M, keine Q und eine CL sowieso nicht. Erinnert sei an die weitgehende Nicht-mehr-Reparierbarkeit von M8 und M9. Das M-System als Ganzes kann bis heute nur deshalb mit Kontinuität punkten, weil viele Komponenten keine Elektronik enthalten und das Bajonett und die Entfernungsmesserkupplung die Verwendung uralter Objektive zulassen … und – ganz knappe Sache – Leica das System in der Not nicht abgekündigt hat. Für alles andere gilt meines Erachtens etwa das Gleiche wie beim Kauf von Laptops: Nach zehn oder mit etwas Glück vielleicht nach fünfzehn Jahren ist bei Digitalkameras Schluss und das teuer erworbene Gerät ist ein Exot oder besserer Elektroschrott. 

Heute würde ich fragen: Warum Leica … und wann lieber nicht? Wie fotografiere ich? Was fotografiere ich? Bin ich Profi oder Amateur? Wie sehr muss ich mich für den Kaufpreis krumm machen? Besteht die Gefahr, dass Leica das System meiner Wahl nicht fortführt oder sehe ich andere Risiken? Plane ich den Kauf einer Analogkamera, einer Digitalkamera oder eines Objektivs? Was sind die Alternativen bei Mitbewerbern? Kaufe ich neu oder gebraucht? Wie sehr und wie lange werde ich das gekaufte Teil voraussichtlich nutzen? Wie lautet die Antwort, wenn ich die letzte Frage ehrlich beantworte? 

Die M6 würde ich allerdings jederzeit wieder kaufen.

 

Das sind interessante Überlegungen. In der Tat hat das Digitale die Karten neu gemischt. Die M6 hatte alles, was man (ich) braucht; analog hätte ich mit ihr bis an mein Lebensende weitermachen können. 

Dass es digital anders ist, liegt einmal am Sensor, der jetzt nur durch eine neue Kamera, nicht aber durch Kauf eines neuen Films erneuert werden kann. Es liegt aber auch daran, dass der Film notwendig woanders verarbeitet werden musste. Jetzt greift Bildermachen und Bilderverarbeiten viel enger ineinander, was ich persönlich sehr interessant finde. Nicht, weil es bei mir schnell gehen muss, im Gegenteil, ich schaue mir meine Dateien oft erst Wochen nach Laden auf Rechner an. Mir geht es mehr um Einfachheit und Effektivität. Analog hat mir inzwischen zu viele Zwischenschritte.

Link to post
Share on other sites

vor 5 Minuten schrieb mazdaro:

Meines Erachtens hat sich Leica schlicht und einfach zu einem Luxusartikel-Hersteller entwickelt.

Das ist eine verbreitete Sicht, ich glaube aber nicht daran. Es ist zuerst ein Arbeitsgerät, das aber aus verschiedenen Gründen sehr teuer in der Herstellung ist. Solche hohen Preise kann man nicht erzielen, wenn man nicht auch einen gewissen Anspruch behauptet und gewisse Käuferkreise anspricht. Der Luxusaspekt ist mE eine Folge der Besonderheit der Kamera, aber nicht Ziel.

Link to post
Share on other sites

vor 44 Minuten schrieb elmars:

... Der Luxusaspekt ist mE eine Folge der Besonderheit der Kamera, aber nicht Ziel.

Das war sicher mal so, bis vor garnicht allzulanger Zeit. Heute scheint es mir eher das Ziel, die Besonderheit der Kamera und ihre Geschichte zu vermarkten um sie als Luxusartikel zu erhalten. Natürlich macht es nach wie vor Freude mit einer "M" zu photographieren - ich selbst betreibe das nun seit 1974 - vorausgesetzt man lässt sich auf das antiquierte Suchersystem ein. Aber gerade diese Besonderheiten in der Handhabung werden nicht nur kultiviert sondern fließen sicht- und spürbar in die Preisfindung ein. Wir wissen alle, dass die Preislisten nicht nur die moderaten Inflationsraten der vergangenen Jahre ziemlich weit hinter sich gelassen haben, sondern auch dass die Preise sich doch wohl nicht in erster Linie an den durchschnittlichen Einkommensverhältnissen deutscher Familienväter orientieren. Grundsätzlich ist da ja auch garnichts gegen einzuwenden, schließlich dürfte liegt die Motivation von LEICA normalerweise im Gewinnstreben liegen und nicht in der Mitgliedschaft beim Roten Kreuz. Aber man sollte den klaren Blick auf die Dinge nicht verlieren.

Edited by wpo
Link to post
Share on other sites

Es hat sich sicher etwas, eher ganz viel geändert unter Andreas Kaufmann. Ein teil der alten Firmenkultur ist weg, aber dafür besteht auch keine Insolvenzgefahr mehr. Aber: Die Preissteigerungen waren früher auch heftig, ohne Mehrwert zu bieten. Es wäre interessant, das mal nachzuvollziehen.

Link to post
Share on other sites

Bei einer Kamera in dieser Preisklasse würde ich mir eine Modul-Bauweise wünschen. Die hochwertige Mechanik sollte wie früher auch - das wird ja in obigem Artikel besonders hervorgehoben - viele Jahrzehnte zuverlässig ihren Dienst tun und das Display und diverse elektronische Bauteile, die vermutlich früher ihren Geist aufgeben, könnten als Modul ausgetauscht werden. Ob das Ganze technisch machbar ist, kann ich nicht beurteilen. Vom kaufmännischen Aspekt her könnte diese Lösung eher suboptimal sein...

Link to post
Share on other sites

vor 27 Minuten schrieb mazdaro:

Bei einer Kamera in dieser Preisklasse würde ich mir eine Modul-Bauweise wünschen. Die hochwertige Mechanik sollte wie früher auch - das wird ja in obigem Artikel besonders hervorgehoben - viele Jahrzehnte zuverlässig ihren Dienst tun und das Display und diverse elektronische Bauteile, die vermutlich früher ihren Geist aufgeben, könnten als Modul ausgetauscht werden. Ob das Ganze technisch machbar ist, kann ich nicht beurteilen. Vom kaufmännischen Aspekt her könnte diese Lösung eher suboptimal sein...

Ich sehe in der Modul-Bauweise mehrere Vorteile: Alleinstellungsmerkmal, Resourcenschonung, Erweiterung des Servicegeschäftes (Ein Modulaustausch könnte andere Servicearbeiten nach sich ziehen; Service könnte in einem schrumpfenden Markt ein Überlebensfaktor sein), Vergrößerung des Kundenkreises, da der Modultausch kostengünstiger sein könnte, ohne eine Margenänderung zur Folge zu haben. Zumal die Nachrüstbarkeit ehemals zu LTM-Zeiten Leica-typisch war.

Link to post
Share on other sites

Modulbauweise hört sich schön an, aber in genannter Form eher nicht wirtschaftlich.

Hochwertige Mechanik ist ein Relikt aus vergangenen analogen Zeiten. 

Bei den elektr. Bauteilen ändert sich alles rasant. Leica stellt das nicht im eigenen Haus her. Die Tauschmodule müssten in deutlich geringeren Mengen

angepasst und bestellt werden- Lagerware bei Elektronikteilen wird seit langer Zeit nicht mehr gemacht. Kleinere und spezielle Mengen werden dann noch teurer.

Wie viele Kunden wollen dann wirklich Modul ? 

Letztlich wird immer über die Preise der neuen Modelle geschimpft, aber die neue Kamera - das aktuelle digitale Wunder- will dann bei vielen nicht aus dem Kopf.

Wie man hier im Forum ja auch sieht. Ein Lego -huch- Leica Baukastensystem? Klingt interessant, ist es aber letztlich nicht.

Link to post
Share on other sites

vor 51 Minuten schrieb R6M6:

Zumal die Nachrüstbarkeit ehemals zu LTM-Zeiten Leica-typisch war.

Daran musste ich auch denken. Die Tradition würde von einer Modul-Bauweise gewiss nicht in Frage gestellt werden.

Wenn es Hersteller gibt, die sensor-bestückte Rückwände für analoge SLR-Kameras anbieten, sollte ein modularer Aufbau für eine extra dafür konstruierte Kamera wohl machbar sein.

Link to post
Share on other sites

vor 15 Minuten schrieb mazdaro:

Daran musste ich auch denken. Die Tradition würde von einer Modul-Bauweise gewiss nicht in Frage gestellt werden.

Wenn es Hersteller gibt, die sensor-bestückte Rückwände für analoge SLR-Kameras anbieten, sollte ein modularer Aufbau für eine extra dafür konstruierte Kamera wohl machbar sein.

Schau Dir mal an, wie eng eine M10 oder M11 innen gepackt ist. Ich glaube, da ist nichts mit Austausch von Modulen. 

Edited by elmars
Link to post
Share on other sites

Warum Leica? Interessante Frage, Elmar.

Meine Leica-Geschichte beginnt Anfang der 80er Jahre. Als Teenager habe ich die M3 meines Vaters entdeckt, die ich zwar spannend, aber irgendwie unpraktisch fand. Der Belichtungsmesser Leicameter MR war ob meiner mangelnden Erfahrung im Gegenlicht nicht zu gebrauchen und Fokussieren mit dem Messsucher klappte auch nicht so wirklich. Auch mein Vater kam nicht mehr so wirklich mit der M3 zurecht und er schielte auf eine Spiegelreflexkamera. Ich hatte seinerzeit die Canon A1 einmal in der Hand und hatte ihm zu dieser geraten, aber mein Vater wollte eine Leica und so gab er die M3 samt 50er Summicron und 135 Hektor für eine Leica R4 mit dem Makro-Elmarit 2,8/60 in Zahlung.

Er hat nicht sehr viel mit dieser Kamera fotografiert, aber um mich war es geschehen. Ich habe sie quasi in Besitz genommen und einige Jahre später kamen noch ein Vario-Elmar 75-200 und ein Elmarit 2,8/28 dazu. Mitte der 80er Jahre kaufte ich mir das Buch „Die Leica-Fotoschule“ in sowohl die aktuellen Leica-Kameras und Objektive vorgestellt, als auch Fotografie-Tipps gegeben wurden. Hier bin ich das erste Mal wieder mit dem M-System in Gestalt der M6 konfrontiert worden.  Nach einigem Sparen habe ich mir dann wenige Jahre später die M6 mit dem 35er Summicron gekauft. In der ersten Zeit bin ich mit der Kamera nicht so recht warm geworden. Mir fehlten die Automatik-Programme der R4.  Mit der Zeit ging es aber und es gesellte sich noch das 90er Summicron dazu.

Die folgenden Jahre fotografierte ich recht intensiv, eine Leica R6 komplettierte meine Ausrüstung und ich begann selbst zu entwickeln und zu vergrößern. Mitte der 2000er Jahre erlahmte mein Interesse an der Fotografie, zwar kamen nach und nach verschiedene digitale Panaleicas ins Haus, aber so richtiger Elan wollte sich nicht einstellen. Ich kann mich gut erinnern, daß ich 2009 einen Zeitungsartikel zur Vorstellung der M9 gelesen und gedacht habe, daß ich niemals 5,5k € für eine Kamera ausgeben würde. Im Laufe des Jahres 2011 erwachte wieder mein Interesse für die Fotografie und es sollte eine Digitalkamera Einzug halten. Ich sah mich bei den üblichen Verdächtigen um und plante zunächst die Anschaffung einer DSLR. Als mir dann allerdings einfiel, daß ich ja auch noch Objektive brauche, kamen mir meine beiden M-Objektive in den Sinn und ich begann mich doch für die M9 zu interessieren. Ich habe mich im LUF angemeldet, um mehr über die Kamera zu erfahren. Wenn es zu dieser Zeit schon spiegellose Kameras gegeben hätte, wäre die Entscheidung wohl nicht für die M9 gefallen. So kaufte ich die M9 im Sommer 2011. Die ersten Fotos machte ich an dem auf die Anschaffung folgenden Tag auf einer Hochzeit. Keine offiziellen Fotos, sondern nur für mich und zum Spaß. Als ich mir die Fotos dann am Rechner ansah, wusste ich, daß es die richtige Entscheidung war. Im Laufe der Jahre kamen verschiedene Objektive hinzu, auch eine Leica X2, eine IIIf und eine M2 hielten Einzug, denn mir begann auch die analoge Fotografie wieder Spaß zu  machen, in erster Linie aber mit der anschließenden Digitalisierung der Aufnahmen. 

Meine aktuelle Kamera ist die M10-R, ich habe allerdings keine der anderen Kameras verkauft und versuche sie regelmäßig zu nutzen. Allerdings ist die M10-R seit Ende Mai in Wetzlar zur Reparatur eines Fallschadens. Der CS hat mir, und das finde ich bemerkenswert, für die Dauer der Reparatur eine M10-R kostenlos zur Verfügung gestellt. Natürlich sind die Reparaturzeiten lang und ich wünschte, ich hätte stattdessen meine eigene Kamera wieder, aber mal so eben eine 8k teure Kamera zu verleihen finde ich gleichwohl sehr kundenfreundlich.

Als Fanboy würde ich mich nicht bezeichnen, eher als Aficionado. Ich versuche nicht, mir die Kameras schön oder perfekt zu reden und denke, ich weiß recht gut um die Schwächen. Meine Fotos sind auch nicht besser, weil sie mit Leica-Kameras fotografiert wurden. Der Prozess des Fotografierens macht mir mit einer Leica-M aber bei weitem am meisten Spaß, und ich nehme sie immer wieder gerne in die Hand, egal ob analog oder digital. Darum Leica!

Gruß Jörg

Link to post
Share on other sites

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.
Note: Your post will require moderator approval before it will be visible.

Guest
Reply to this topic...

×   Pasted as rich text.   Paste as plain text instead

  Only 75 emoji are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.

Loading...
 Share

×
×
  • Create New...