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redcam

Vergleich Jpg Q - Q2

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Mal eine Frage zu den Jpgs:

Ich habe mir eine gebrauchte Q-P gekauft und finde die Jpgs nicht so schlecht wie sie hier in der Vergangenheit diskutiert wurden...und im Gegensatz dazu wird bei jedem neuen Testbericht zur Q2 die Jpg Qualität extrem gelobt. 

Ist der unterschied tatsächlich so riesengroß, oder nur Werbung? Wer hat beide Kameras? 

Würde mich einfach mal interessieren...:-)

Viele Grüße!

Edited by redcam
Fehler

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Danke für diesen sehr ausführlichen Beitrag, der es erlaubt die Dinge im Zusammenhang zu sehen,

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vor einer Stunde schrieb jmschuh:

angeblich anderen Farben eines CCD-Sensors gegenüber eines CMOS-Sensors

Da werden etliche M9-Leicisti aber ganz närrisch werden :P

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Jens, das ist ein exzellenter Beitrag, der bei mir und wohl auch anderen einiges klar gemacht hat.

Aber dann gibt`s am Schluss noch sehr subjektive Faktoren, die den Farbeindruck - eben extrem subjektiv - bestimmen. Ein typisches Beispiel: Du kommst von einer Reise zurück und hast die Farben bestimmter Sujets (subjektiv) im Kopf. Da bist du dir sehr sicher, bearbeitest deine raw`s entsprechend und die Bilder sehen tatsächlich so aus, wie du glaubst, dass sie so aussehen müssen.

Und dann schaust du dir alles noch mal nach einigen Monaten oder einem Jahr an. Ich garantiere dir, du hast erhebliche Zweifel an dem, was du vorher vollbracht hast. Aber das, denke ich, ist auch "ganz normal menschlich". Hier schleicht sich nämlich der sehr persönliche = subjektive Prozess der Idealisierung ein. Dein Gefühl sagt dir jetzt: Es war alles anders und vor allem noch viel schöner!

MfG Dieter

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vor 29 Minuten schrieb Hans-Dieter Gülicher:

Jens, das ist ein exzellenter Beitrag, der bei mir und wohl auch anderen einiges klar gemacht hat.

Aber dann gibt`s am Schluss noch sehr subjektive Faktoren, die den Farbeindruck - eben extrem subjektiv - bestimmen. Ein typisches Beispiel: Du kommst von einer Reise zurück und hast die Farben bestimmter Sujets (subjektiv) im Kopf. Da bist du dir sehr sicher, bearbeitest deine raw`s entsprechend und die Bilder sehen tatsächlich so aus, wie du glaubst, dass sie so aussehen müssen.

Und dann schaust du dir alles noch mal nach einigen Monaten oder einem Jahr an. Ich garantiere dir, du hast erhebliche Zweifel an dem, was du vorher vollbracht hast. Aber das, denke ich, ist auch "ganz normal menschlich". Hier schleicht sich nämlich der sehr persönliche = subjektive Prozess der Idealisierung ein. Dein Gefühl sagt dir jetzt: Es war alles anders und vor allem noch viel schöner!

MfG Dieter

Ja, Dieter, so ist das. Damit müssen wir wohl leben.

Wie sehr wir uns (oder unser Gehirn sich) subjektiv mit Farben vertun, gerade in Abhängigkeit von der vorherrschenden Farbtemperatur bzw. des Umgebungslichts, sieht man hier:

https://www.echalk.co.uk/amusements/OpticalIllusions/colourPerception/colourPerception.html

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vor einer Stunde schrieb Apo-Elmarit:

Da werden etliche M9-Leicisti aber ganz närrisch werden :P

Damit muss ich nun, oder besser sie, leben. ;)

 

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Hallo Jens,

danke, sehr aufschlussreich.

Und das mit den Sehgewohnheiten stimmt durchaus.

Hab hier noch eine alte Pentax 645d, für mich macht die Kamera wunderbare Farben (jpg oder im Pentax Raw Konverter...der ja auch wieder Pentax eigen interpretiert...). Bin also noch nicht Adobe versaut, eher C1.

Mir ist das mit den Farben übrigens ganz krass beim Wechsel vom iPhone SE zum 8er aufgefallen - ich fand die vom 8er grausam, viel zu bunt...also alles sehr individuell.

Um wieder auf die Q zu kommen:

Gutes Gesamtpaket, ich hoffe ich habe noch viel Spaß damit🙂.

Schönen Abend noch!

 

 

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vor 9 Minuten schrieb redcam:

Gutes Gesamtpaket, ich hoffe ich habe noch viel Spaß damit🙂.

Da bin ich mir fast sicher. Es ist ein schönes Gesamtpaket.

Dir auch einen schönen Abend!

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vor 7 Stunden schrieb jmschuh:

Ja, schwieriges Thema..... 

 ...

In erster Linie muss es Dir gefallen, das ist das Wichtigste. Es ist nicht hilfreich darauf zu hören was andere meinen.

Mache Dein Ding, finde Deinen Style. Nur das ist wichtig.

Ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen und sehr hilfreichen Artikel !

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... ich möchte noch etwas ergänzen:

Das menschliche Farbempfinden hängt zunächst von den biologischen und physiologischen Faktoren (Rezeptoren im Auge) ab, die der Menschen von Geburt an mitbekommt (z.B. Farbblindheit , Farbfehlsichtigkeit o.ä.). Hinzu kommen dann später Veränderungen durch Schäden, die sich aus den Lebensumständen (z.B. Krankheiten, Beruf) ergeben haben.

Die Farbreitzüberflutung ist ein weiterer u.U. negativer Faktor. Dies betrift besonders den Farbkontrast. Das aggressive Rot wird plötzlich (nicht nur im Rotlichtviertel) als "normal" und angenehm, ausgewogene Farbgestaltung dagegen als uninteressant empfunden und so entsprechende Darstellungen schlicht übersehen.

Das aktuelle, persönliche Empfinden hat einen erheblichen Einfluss auf die Farbakzeptanz, d.h. kräftige Farben können aggressiv machen und flache Farben eine Depression verstärken.

Aber an erster Stelle steht das absolut subjektive Farbempfinden jedes Menschen. Der eine liebt`s eben härter, der andere etwas weicher. Und das kann sich auch noch öfters ändern. Farben sind physikalisch exakt zu definieren. Der Mensch - mich eingeschlossen - ist diesbezüglich schlicht das Weichei.

MfG Dieter

Edited by Hans-Dieter Gülicher

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@redcam ich hab seit kurzem ebenfalls eine Q, habe sie gerade mit im Urlaub und mir gefällt hier durchaus auch was an JPEGs über die LeicaApp auf meinem IPhone landet. Die ein oder andere kleine Bearbeitung in LR mobile geht auch ganz gut mit den JPEGs.

Allerdings hatte ich auch vorm Urlaub die ersten Test-Bilder mal in mein Lightroom geladen und wusste nicht so recht was ich davon halten sollte. Zusätzlich tauchte bei mir bei feinen Strukturen( Haare) ein komischer Bildfehler auf (siehe Bildfehler Thread).

Wenn wir wieder zu Hause sind, gilt es erstmal die neuen Urlaubsfotos zu sichten und zu schauen ob der Fehler hier ebenfalls auftaucht. 

Evtl. lag es auch an der LR Version 5.7. Die Version 6 habe ich mir erst gekauft und noch nicht installiert.

 

@jmschuh „Ja, schwieriges Thema..... „

schön geschrieben! 

 

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Ich bin einer von denen, die immer über die Rottöne in Leica-JPGs meckern. Ich komme bei Leicas, ob einer M, der Q oder der Q2, zu den für mich gefälligsten Resultaten, wenn ich DNGs in Lightroom importiere. Gerne probiere ich dabei auch die Profile aus, die dann nicht nur farblichen Einheitsbrei zeigen, sondern wirklich interessant sind und in der Dosierung auch leicht angepasst werden können. Mit den JPGs aus Leica-Kameras war ich noch nie zufrieden. Bei meinen Fujis ist es umgekehrt. Zwar nutze ich bei der GFX auch nur RAW, aber die Kameras des Fuji-X-Systems habe ich inzwischen auf ausschliesslich JPG umgestellt, Filmsimulation Standard Provia. Auch bei diesen JPGs, die ich ab Kamera sehr gelungen finde, verändere ich manchmal noch die Farben, auch eher wieder über solche Profileinstellungen in Lightroom. Und gelegentlich korrigiere ich den automatisch erfolgten Weissabgleich. Fuji JPG, Leica RAW, damit komme ich am besten klar.

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Ich komme mit den JPGs   ( Vivid ) bestens zurecht. Viel weniger Arbeit und handlichere Dateien. Die „sicherheitshalber“ mitgespeicherten DNG lösche ich in 95% der Fälle da zufrieden mit den JPGs.... Grüsslis Peter 

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Am 9.8.2019 um 13:25 schrieb jmschuh:

Ja, schwieriges Thema..... 

Dass die JPG-Qualität bei der Q² in Testberichten bisher gelobt wurde, ist mir ehrlich gesagt noch nicht aufgefallen, eher im Gegenteil.

Also ich hatte mal beide Kameras für ein paar Wochen zeitgleich und konnte keine großen Unterschiede ausmachen, sofern man bei der Q² das Standard-Farbprofil ausgewählt hatte. "Lebhaft" (Vivid) und "Natürlich" sahen natürlich schon anders aus. Ich habe aber ehrlich gesagt auch nie direkt verglichen, weil es mir egal ist. Nicht, weil ich nur RAWs mache und die JPGs gar nicht benutze (eher im Gegenteil), sondern weil ich nicht der Meinung bin, Kameras müssten alle gleiche Ergebnisse liefern oder sich an irgendeine spezielle Farbvorgabe halten.
Mir einzubilden ein Farbgedächtnis zu haben, habe ich auch schon vor langer Zeit abgelegt. Das funktioniert nicht.

Bei Farben gehen die Meinungen immer stark auseinander, vieles ist halt auch Geschmacksache. Hier wird auch viel über die Leica JPG-Farben gemeckert, was ich im Detail nicht unbedingt nachvollziehen kann. Ich bin größtenteils zufrieden, habe mir mich aber noch nicht viel mit den Profilen "Lebhaft" und "Natürlich" beschäftigt.

Manchmal hat man den Eindruck, dass (gerade hier im Forum) alles was nicht aussieht wie eine Adobe-RAW-Standard-Konvertierung (ACR) als "nicht richtig" oder "nicht akzeptabel" angesehen wird. Dabei ist die Adobe-Variante nur eine mögliche Interpretation der Daten von dem Sensor, die halt dem Geschmack irgendwelcher Adobe-Entwickler entsprungen ist.

Offensichtlich hat die jahrelange Nutzung von ACR bei vielen das Farbempfinden geprägt. Ich persönlich finde das, was ACR als Vorgabe macht allerdings nicht unbedingt attraktiv, denn am Ende des Tages sieht die ACR-Variante in großen Teilen genauso aus, wie ACR-Ergebnisse aus allen anderen Kameras und die einzelnen Kameras sind kaum noch unterscheidbar. Dann ist es irgendwann egal, ob man mit einer Canon, Nikon oder Leica fotografiert hat, alles sieht gleich aus, ACR-like eben, und die meisten sind zufrieden, weil es ja ihren jahrelang durch Adobe geprägten Erwartungen entspricht.

Zum Thema RAW....

Fakt ist jedenfalls, dass die Hersteller mittlerweile schon deutlich die RAW-Daten bearbeiten, bevor sie überhaupt auf die SD-Karte geschrieben werden, von Vorentrauschung bis hin zur Verzeichniskorrektur, allerdings nicht bei den Farben (siehe Exkurs...) 

----------- Exkurs RAW ----------- überlesbar, wenn einem das Hintergrundwissen nicht interessiert...

Kleiner Exkurs zu Thema RAW und Manipulation direkt im RAW: Panasonic ist damit mal vor ein paar Jahren deutlich auf die Nase gefallen und es gab einen Shit-Storm. Großes Gemecker im Netz, weil die angebotenen Optiken nur zum Teil optisch korrigiert waren und man diejenigen Korrekturen, die sowieso besser digital zu erreichen sind, dann der Software überlassen hat. Genau genommen ist das sogar sehr schlau, denn solange eine Optik nie für die analoge Fotografie verwendet wird, ist es vollkommen unnötig zu versuchen, sie komplett auszukorrigieren, die Ergebnisse sind nämlich digital nicht schlechter (meist sogar besser) und man erspart sich eine noch teurere, schwerere und aufwändigere optische Konstruktion. 

Man kann einen optischen Fehler nicht korrigieren, ohne dass er Einfluss auf die anderen optischen (Rest-)Fehler hat. Insofern ist jede "voll" (<- geht eh nicht) optisch korrigierte Optik ein Kompromiss. Man muss halt drauf achten, dass diesen Kompromiss niemand als solchen wahrnimmt, das macht die Optiken dann so teuer und schwer.

Daher ist es also höchst schlau wirklich nur die Fehler optisch zu korrigieren, die man digital nicht besser korrigieren kann. Den Shitstorm gab es vor allem deswegen, weil es in der gleichen Preisklasse halt auch Optiken von anderen Herstellern gab, die vermeintlich nicht verzeichneten, ohne teuerer zu sein oder eine aufwändigere optische Konstruktion zu besitzen.

Panasonic hat dann daraus gelernt und die Verzeichniskorrektur statt vom RAW-Konverter mit entsprechenden Korrekturparametern im RAW-File im Computer vornehmen zu lassen, gleich die Korrekturen im Kameraprozessor vorzunehmen, so dass niemand mehr eine Chance hatte, jemals das unkorrigierte Ergebnisse in RAW-Konvertern zu sehen, selbst nicht bei RAW-Konvertern, bei denen man die Übernahme der Korrekturparameter abschalten konnte. Und siehe da: Die Forenjünger waren zufrieden, denn jetzt lieferte auch Panasonic schon mit der nächsten Generation von Optiken von heute auf morgen plötzlich vermeintlich optisch verzeichnungsfrei auskorrigierte Optiken, ohne dass sich jemals die optische Rechnung oder Preis des Objektivs geändert hätte.

Dass es wohl kaum komplett optisch auskorrigierte Objektive gibt, die nur eine tonnen- oder kissenförmige Verzeichnung von weniger als 0,1% haben ohne großartig teurer oder anders gerechnet zu sein und so etwas nur ditigal zu erreichen ist, darüber hat niemand mehr nachgedacht.

Leica hat das übrigens bei der Q(2) versäumt und überlässt die Verzeichniskorrektur dem RAW-Konverter, warum auch immer. Dumm gelaufen, ist aufgefallen und gab entsprechende Aufregungen an diversen Stellen des Internets. In diesem Punkt muss Leica noch lernen. 

----------- Exkurs RAW Ende ----------- 

Kurzum: RAW-Daten werden immer reichlich "grundmanipuliert" und wer nichts weiß, muss glauben und offensichtlich macht allein der Glaube sehr zufrieden. Auch gut.

Und hier schließt sich beim Thema Glaube und RAW der Kreis wieder, wenn wir auf die Farben zurückkommen:

Dem Thema Farben und RAW liegt eine nicht ausrottbare "urban legend" zugrunde, man könnte RAW-Bilder sehen bzw. ein RAW-Bild hätte bestimmte Farben, die der Sensor bestimmt.

Daher auch der unglaubliche Unsinn der angeblich anderen Farben eines CCD-Sensors gegenüber eines CMOS-Sensors. Unabhängig davon, dass in vergleichenden Tests es niemand geschafft hat dies zu belegen, sieht man auch hier nur, wie ein bestimmter RAW-Konverter (rate mal welcher ;) ) die Farben bei unterschiedlichen Sensorgenerationen unterschiedlich interpretiert. 
Bei aller Manipulation, die heute vom Hersteller vorgenommen wird, ist eines aus rein praktisch physikalischen Überlegungen bei Bayer-Sensoren sicher und wird sich auch absehbar nicht ändern: RAW-Daten enthalten keine Farbe. Nie. Noch nie und auch zukünftig nicht. Punkt. Und was nicht da ist, kann auch kein Hersteller manipulieren. RAW-Daten sind reine Schwarzweiß-Daten! Immer! Die "Sensortöpfe" auf dem Sensor sammeln nur Photonen und Photonen enthalten keine Farbe.  Allein der Bayer-Farbfilter bestimmt, wieviele Photonen in welchem "Topf" landen und die werden dann in eine elektrische Spannung konvertiert. Auch hier gibt es nur für jeden Pixel einen Spannungswert und erstmal keine echte Farbinformation.

Was dann im RAW-Konverter passiert, ist pure Raterei, anders kann man es nicht ausdrücken, denn weil es keine Farbinformation gibt, muss aus der unterschiedlichen Menge an Photonen des einzelnen Pixel und der umliegenden Pixel die Farbe erraten werden. Diesen Prozess nennt man Demosaicing. Die einzelnen Hersteller von RAW-Konvertern haben dafür unterschiedliche Algorithmen und können das dann mehr oder minder gut. Der Prozess ist keineswegs standardisiert und daher sind die Ergebnisse mit unterschiedlichen RAW-Konvertern auch immer, teilweise deutlich, unterschiedlich. Früher mehr als heute....

Wie also die Farbe aus der Anzahl der Photonen, dem Bayerfilter, der pro Pixel immer nur ein Farbart durchlässt und den umgebenden Pixeln, die "andersfarbige Photonen" durchlassen (Photonen haben keine Farbe, Licht hat Teilchen- und Wellencharakter, aber das ist ein eigenes Thema), errechnet wird, unterliegt rein dem Gusto des Entwicklers! 
Hier gibt es keine Wahrheit, keine echte Farbe und an dieser Stelle ist alles schon "Geschmacksache" der Entwickler des RAW-Konverters. Und hier hat sich aufgrund der Marktmacht in weiten Teilen halt der Adobe RAW-Konverter (ACR, in Lightroom und Photoshop) historisch betrachtet durchgesetzt und selbst andere, eigentlich von Adobe unabhängige Entwickler, orientieren sich leider zunehmend im Groben an der Farbvorgabe, mit der Adobe seit Jahren seinen eigenen Standard gesetzt hat.

Eigentlich ist das alles ziemlich traurig und bedauerlich, hat aber letztendlich dazu geführt, dass die große breite Masse heute glaubt, Farben müssten so aussehen, wie sie aus dem RAW-Konverter kommen, den sie seit Jahren kennen.

Und wenn unterschiedliche Kameras doch beim gleichen RAW-Konverter unterschiedlich aussehen, dann hat das nie etwas mit dem Sensor oder einer "anderen" Bayermatrix zu tun, sondern allein an anderen Parametern, mit denen die Demosaicing-Algorithmen vom Entwickler gefüttert wurden. Wann, wie und warum die Entwickler irgendetwas machen, liegt ganz frei an ihrer Lust und Laune.

Daher ist die Aussage, das JPG-Bild soll bitte so aussehen, wie das RAW-Bild, ziemlicher Quatsch. Man könnte sich höchstens Wünschen, dass die Farben so aussehen, wie sie auch von einem bestimmten RAW-Konverter produziert werden.

Das alles betrifft nur die Farbe. Es gibt natürlich haufenweise auch noch andere Parameter, die ein Bild bestimmen (Nachschärfung, Kontrastanhebung oder Absenkung, Lichter und Schatten usw.), die natürlich auch von einem RAW-Konverter beeinflusst werden (und auch schon vom Hersteller bei den Sensordaten, bevor sie ins RAW geschrieben werden), aber das ist noch ein viel umfangreicheres Thema. In der Summe aller dieser Parameter kommt dann aber ein Haufen an möglichen und unmöglichen Optionen heraus, aber nie "Wahrheit" oder ein "echtes Bild" mit "richtigen Farben".

Der RAW-Konverter in den Leica-Kameras macht also andere Farben als irgendein weit verbreiteter RAW-Konverter, denn wir fast alle auf unseren Computern benutzen und ob dieser sonderlich gut oder schlecht ist, sei erstmal dahingestellt. Zunächst ist er erstmal anders. Wenn man aber erstmal auf ACR seit Jahren geprägt ist, fällt es einem schwer diese Ergebnisse unbefangen entgegenzunehmen.

Fujifilm geht hier einen ganzen anderen Weg. Die JPG-Ergebnisse bei Fujifilm haben nichts, aber auch rein gar nichts mit den Ergebnissen einer Adobe-Standardkonvertierung zu tun, sondern orientieren sich (mit 3D-LUT) an traditionellem Filmmaterial, dem schon historisch niemand mit Verstand nachgesagt hätte, es würde das aufgenommene Bild absolut farbrichtig wiedergeben.

Das sieht sehr gut aus und Fujifilm wird an allen Ecken und Enden gelobt und die RAW-Konverter in der Kamera sind auch in anderen Bereichen so gut, dass viele Fotografen bei Fujifilm (auch Berufsfotografen) mittlerweile ganz auf RAW verzichten, was durchaus gut geht, wenn man sauber belichtungstechnisch arbeitet.

Nicht selten hört man auch bei Fujifilm: Trotz allen Probierens im ACR bekomme ich Ergebnisse, die Fujifilm im JPG in der Kamera produziert nicht nachgestellt oder genauso gut hin, ich werde jetzt vornehmlich nur noch mit JPGs arbeiten und die RAWs nur noch für total versägte JPGs mitfotografieren. So arbeite ich übrigens auch mit Fujifilm, oder habe es bisher getan. Das klappt ganz gut und ich bin zufrieden.

Zurück zu Leica: Ja, der RAW-Konverter in der Q ist nicht unbedingt der gefälligste in Sachen "so ähnlich wie ACR-RAW", aber auch nicht so schlecht, wie er immer dargestellt wird. Und meistens, also nicht nur bei der Q, denke ich mir, wenn ich die hier gezeigten Bilder sehe: Ach hättest Du doch einfach mal das JPG aus deiner Leica genommen, statt deine mangelnde Erfahrung im Umgang mit dem RAW-Konverter zu zeigen.

Eric Kim sagt beispielweise, er benutze bei der Q nur die Vivid-Einstellung, Sättigung und Nachschärfung voll aufgezogen und wäre sehr zufrieden mit dem Ergebnissen direkt aus der Q und würde das auch allen anderen empfehlen. Wenn man Eric Kim-Style haben will, mag das passen. Ist halt Geschmacksache, ich mag es nicht.

Ich selbst bin mit den JPGs der Q nicht unzufrieden und finde, sie haben noch erstaunliches Nachbearbeitungspotential, das ich bei anderen Kameras nur mit einem RAW habe. Andere Hersteller machen ziemlich gefällig aufbereitete JPGs, die man gleich hochladen oder ausdrucken kann (Olympus z.B.), die dann aber kaum noch Nachbearbeitungspotential haben. Will man hier mehr eingreifen, muss man dann den RAW-Weg gehen.

Ach ja, und die Rottöne. Ja, kann sein. Vielleicht bin ich einfach zu Farbenblind, ich sehe schon in Natur kaum die Rottöne, die manche mit ihren Bildern hier zu zeigen versuchen (da sehe ich die Rottöne allerdings). Es gibt so viele Baustellen und Schrauben...

Wie auch immer: Entscheide für Dich selbst. Schau Dir die JPGs selbst an. Sei zufrieden oder hasse sie und mache alles mit RAW, weil es Deiner farblichen Vor-Prägung mehr entspricht.

In erster Linie muss es Dir gefallen, das ist das Wichtigste. Es ist nicht hilfreich darauf zu hören was andere meinen.

Mache Dein Ding, finde Deinen Style. Nur das ist wichtig.

Ein wirklich ausgezeichneter Artikel !!!!!!!!

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Am 9.8.2019 um 17:38 schrieb redcam:

Hallo Jens,

danke, sehr aufschlussreich.

Und das mit den Sehgewohnheiten stimmt durchaus.

Hab hier noch eine alte Pentax 645d, für mich macht die Kamera wunderbare Farben

 

 

Tauschte meine 645d mit 55 2,8 und 80-160 gegen die q und habe es nicht bereut. Nur die Umstellung auf 28mm fiel schwer. Die q ist oft mit dabei, die 645d so gut wie nie. War für MF auch zu ungeduldig und Stativ ist mir zu lästig.

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Vorab: Ich nutze als Bildschirm ausschließlich mein großes MacBook Pro. Von jemandem aus dem LUF, der sich damit bestens auskennt habe ich mitgenommen, dass diese Displays werkseitig bestens kalibriert sind und Farben recht realitätsgetreu wiedergeben.

Ich finde Bilder toll, wenn sie von den Farben her möglichst realitätsnah werden und bei strahlendem Wetter auch genauso leuchten.

Ich bin 99% jpeg-Knipser. Ich hatte lange Jahre etliche Kameras aus Leicas X-Serie. Mit den Farben war ich recht zufrieden, da sie auf dem Bildschirm die Realität  einigermaßen gut wiedergaben (z. B. Bild in den Garten und anschließender umgehender Vergleich des Bilds auf dem Monitor mit der Realität).

Dann kaufte ich mir die wirklich tolle Q. Ergebnis: Auch für nicht fotointeressierte Familienmitglieder deutlich andere, von der Realität abweichende Bildergebnisse auf demselben Ausgabemedium. Für mich "schlechtere" Farben und eine nicht objektiv beschreibbare "fette" Bildanmutung. Die Farben sind für mich nicht gefällig. Obwohl die Kamera ein Traum ist, habe ich sie aus genau diesem Grund schnell wieder abgegeben.

Nun habe ich eine Fuji X100V und bin vom jpeg-output absolut begeistert. Im direkten Vergleich des Bildschirmoutputs mit dem Originalmotiv finde ich nur minimale Abweichungen. Und die Bilder "leuchten" wie ich das bei jpegs von Leica bisher und insbesondere von der Q nicht kannte. Ich bin regelrecht und anhaltend begeistert.

Und da ist es mir auch recht egal, ob da irgendwelche Photonen ausgezählt werden, Sensoren keine Farben kennen, die Farberinnerung einen Streich spielt oder was auch immer. Die Bilder aus der Fuji passen einfach und sehen sehr natürlich im oben genannten direkten Vergleich aus. 

Leider hat die Fuji auf der mechanischen Seite einige Schwachpunkte, die mich wohl wieder zur Q wechseln lassen würden, sobald die Farben der jpegs in die Nähe des Fuji-Outputs kommen. Leider habe ich da nicht viel Hoffnung.

Mein Traum wäre eine Q2 mit einem Fuji ähnlichen Output.

Träume gehen nicht immer in Erfüllung.

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Das kann ich nachvollziehen. Ich habe auf meinem Rechner Bilder aus der M8, M9, M240, M10, Q1 und Q2, die ich selber gemacht habe. Bei keiner der genannten Kameras überzeugen mich die JPGs auch nur annähernd. Die Leica X-Serie kenne ich nicht. Es würde mich echt erstaunen, wenn Leica da die Farben hinbekommen hätte. Ich würde sagen, falls ja, dann hat Leica selber beim Sensor und bei der JPG-Engine wohl kaum selber mitbestimmt, wie das aussehen soll. Eine Q2 mit einem Fuji-ähnlichen JPG-Output kann ich mir nicht vorstellen. Da müsste sich Leica ja wirklich mal selber um Farbprofile kümmern und dies nicht Leuten mit offensichtlicher Farbsehschwäche überlassen. Schon nur dass man keine Möglichkeit hat, die Schatten direkt im JPG aufzuhellen oder die Stärke der Rauschreduzierung einzustellen, zeigt doch, dass man sich in Wetzlar nicht darum kümmert, was die Kameras an JPGs machen kann. Ich bin mit der Farbdarstellung der Leicas sehr zufrieden, aber NUR mit DNG. Es ist völlig unkompliziert, die DNGs aus der Q2 in Lightroom zu öffnen und man bekommt auf Anhieb gute Farben, ausser dass der automatische Weissabgleich oft zu kalt ist. Aber eben: Über Farben kann man sich unendlich streiten.

Ah, nur mit der M240 bleibt es meines Erachtens einfach schwierig. Der Sensor liefert offenbar nur schwer interpretierbare Farbinfos. Ich habe tausende Bilder aus dieser Kamera und hatte jahrelang Mühe mit den Farben, auch vom DNG ausgehend.

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vor einer Stunde schrieb don daniel:

Ich bin mit der Farbdarstellung der Leicas sehr zufrieden, aber NUR mit DNG.

Genau genommen bist Du dann mit der Farbdarstellung Deines DNG-Konverters zufrieden. 

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vor 9 Stunden schrieb jmschuh:

Genau genommen bist Du dann mit der Farbdarstellung Deines DNG-Konverters zufrieden. 

Das ist wohl richtig! Und die hat sich in den letzten Jahren sogar verbessert. Die JPGs aus den Leica M- und Q-Modellen hingegen sind gleich schlecht geblieben, nicht nur was die Farben, insbesondere Rot, betrifft, sondern auch darin, wie undosierbar die Rauschunterdrückung die Derails zuschmiert und wie die Schatten absaufen.Aber ich habe grad JPG-Beispiele aus der X-Vario bekommen und sehe, dass Leica es eigentlich kann. Gerade bei der Q2, deren DNGs über 80MB gross sind, wäre es mir willkommen, oft nur direkt JPGs zu machen. Die Verzeichnungskorrektur kriegt LR zudem nicht so gut hin wie das Kamera-JPG. Hier werden immer wieder Vorschläge zur Verbesserung der Firmware gesammelt. Leica geht auf vieles ein, ignoriert aber konsequent den Wunsch nach einer Verbesserung der Farbprofile und einer Konfigurierbarkeit der JPG-Ausgabe. Mit meinen beiden Fujis mache ich übrigens nur JPG. Die genügen meinen Ansprüchen. 

Edited by don daniel

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