Den Originalartikel findet ihr hier auf der Homepage von Ingo Cordes.

Einleitung

Vor zweieinhalb Jahren hat Leica die Q (Typ 116) vorgestellt, die mit ihrem fest verbauten 28mm Objektiv mit traditionellem Blendenring und Schärfentiefeskala sehr an die M-Serie erinnert. Das Konzept einer Kompaktkamera mit Vollformatsensor scheint für Leica aufgegangen zu sein und die Kamera hat viele Freunde gefunden – auch außerhalb der üblichen Leica Gemeinde.

Kurz darauf im Winter 2015 kam mit der Leica SL (Typ 601) die erste spiegellose Systemkamera für professionelle Fotografen aus Wetzlar, die sich insbesondere durch den EyeRes© genannten hervorragenden elektronischen Sucher auszeichnet, der bis heute unerreicht ist. Für mich war die SL – nach vielen Versuchen mit anderen Herstellern – die erste spiegellose Kamera, die meinen Anforderungen gerecht wurde und seit zwei Jahren nutze ich sie für meine Hochzeits- und Eventreportagen.

Bereits ein Jahr zuvor in 2014 zeigte Leica mit der T (Typ 701) eine von Smartphones inspirierte Kamera, die nach einem kleinen Upgrade und Umbenennung in Leica TL seit Juli 2017 durch die TL2 beerbt wurde.

Jedes dieser drei Modelle hat Besonderheiten, die von den Einen geliebt und von den Anderen bemängelt werden. Bei der sehr populären Q gibt es Stimmen, die sich ein Bajonett wünschen, um Objektive adaptieren zu können, die SL wird in Kombination mit den SL-Zooms oft als „zu groß, zu schwer“ kritisiert (was völliger Quatsch ist, wenn man sich vergleichbare DSLR-Boliden anderer Hersteller anschaut) und bei der TL2 spaltet der fehlende Sucher und das Bedienkonzept per Touchdisplay die Gemeinde.

Einigkeit herrscht bei der für Leica typischen Bildqualität und der allgemeinen Qualitätsanmutung der verschiedenen Modelle.

Jetzt kommt mit der Leica CL ein weiterer Spieler ins Feld und die Frage ist nun natürlich, wie sich die Kamera innerhalb des Portfolios positioniert, was sie besonders macht und welche Eigenschaften sie mit den übrigen Modellen gemein hat. Wieviel Q steckt in der CL, ist sie vielleicht eine Mini-SL, Nachfolger der Leica X oder einfach die Schwester der TL2?

Leica TL2 (Links), Leica SL (Hinten), Leica Q (Rechts) und Leica CL (Vorn)

Die Leica CL mit TL2 (Links) und Q (Rechts)

 

Leica CL mit Apo-Macro-Elmarit-TL 1:2,8/60mm ASPH.

Die Gerüchte über eine neue APS-C Kamera mit TL-Bajonett und dem Codenamen ‚Clooney‘ schwirren seit dem Frühjahr durch das Internet.

Ich hatte im Herbst die Gelegenheit, die Leica CL(-ooney) während des Betatest ausgiebig auszuprobieren und Leica Feedback zu geben. Dieser Artikel ist höchst subjektiv und beschreibt meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen während des Testzeitraums. Dabei betone ich die Aspekte, die mir aufgrund meiner Art der Fotografie bei einer Kamera wichtig sind und streife oder überspringe Details, die für mich keine Rolle spielen.

Ich mache keine Labortests, sondern habe die Kamera in der Praxis als Hochzeits- und Eventfotograf genutzt. Um ein runderes Bild zu bekommen und auch mal in Ruhe etwas probieren zu können, hat mich die Leica CL zusätzlich bei einigen privaten Projekten und im Alltag begleitet. Wichtig ist für mich immer die Frage: Bekomme ich die Bilder, die ich mir vorstelle und wie gut hilft mir die Kamera dabei?

Bei meiner folgenden Beschreibung vergleiche ich die CL öfter mit der SL, Q oder TL2, weil ich davon ausgehe, dass einige Leser ein entsprechendes Modell besitzen und die Information hilft, die CL besser einzuordnen. Eine Leica M habe ich übrigens (noch?) nicht im Portfolio. Deswegen kann ich sie für Vergleiche nicht heranziehen.

Gleich vorweg: Die Leica CL bietet trotz ihrer kompakten Abmessungen ‚sehr viel Kamera’ und hat während meines Tests alle Aufgaben mühelos gemeistert. Ich habe die Testkamera nur sehr ungern zurück nach Wetzlar geschickt und werde mir bei Erscheinen sicher ein Exemplar zulegen.

Für mich ist es ein großer Vorteil, alle vorhandenen Leica Objektive an der SL, TL2 und CL nutzen zu können und nicht redundant Objektive anderer Hersteller vorhalten zu müssen. Praktischerweise kann ich bei der CL auch meine Sigma BP-51 Ersatzakkus für die Q verwenden.

Daten

Die Leica CL ist eine APS-C Systemkamera mit 24 MP und besitzt meines Wissens den gleichen 23,6 x 15,7 mm großen Sensor wie die TL2. Die Auflösung beträgt 6.000 x 4.000 Pixel.

Gemäß Datenblatt sind die Abmessungen 131 x 78 x 45mm. Ohne den elektronischen Sucher und das Bajonett zu berücksichtigen, messe ich 31 mm Tiefe und das Gehäuse der CL ist damit knapp dünner als die Q, wobei die CL ungefähr so hoch ist wie die TL2 (ohne Berücksichtigung des Sucherbuckels).

Leica CL mit TL2 (Links), Q (Mitte) und als Trio (Rechts)

 

Die CL wiegt 403 Gramm mit Akku und liegt damit im Vergleich zur TL2 (399g mit Akku aber ohne Visoflex) ungefähr gleichauf.

Keine Überraschung ist, dass die CL wahlweise DNGs oder JPGs (oder beides gemeinsam) aufnimmt. Die Kamera hat einen SD-Kartenslot und unterstützt SD- /SDHC- /SDXC Karten und den UHSII-Standard.

Die Leica CL hat ein integriertes WiFi, verzichtet aber auf alle Arten von Anschlüssen wie USB-, HDMI- oder Mikrofonanschluss.

Mit dem L-Bajonett stehen derzeit sieben TL-Objektive, die SL-Objektivpalette und per Adapter alle M-Objektive zur Verfügung. Der Novoflex SL/EOS Adapter für das Canon Bajonett wird nicht unterstützt. Zum Nikon Adapter kann ich leider nichts sagen, vermute aber, dass er an der CL auch eine Fehlermeldung erzeugt. Um Fremdobjektive zu nutzen, benötigt man einen einfachen Adapter ohne Übertragung von Objektivinformationen. Damit entfallen dann allerdings auch der Autofokus und die Möglichkeit, die Blende über die Kamera einzustellen.

Gehäuse und Design

Überblick

Beim ersten Blick auf die Kamera fallen einige Designanleihen aus dem aktuellen Leica-Portfolio auf. Die Rückseite mit lediglich drei Tasten links neben dem Display und dem Steuerkreuz auf der rechten Seite erinnert sehr an die M10, die Form des Gehäuses entspricht ziemlich genau der Q.

Das Display ist im Vergleich zur Q etwas nach rechts gerutscht, um Platz für den elektronischen Sucher zu schaffen. Deswegen ist auf der rechten Seite auch kein Platz mehr für eine Daumenmulde wie bei der Q.

Neu sind neben einem kleinen Top-Display die beiden Einstellräder auf der Oberseite, die zusätzlich in der Mitte Einstelltasten haben. Die Konfiguration beschreibe ich weiter unten.

Die Oberfläche der CL ist feiner strukturiert als bei der Q. Die Kamera fühlt sich wertig an und liegt griffig in der Hand. Der bei der TL2 angedeutete Griff ist in meinen Augen aber ergonomischer. Den optionalen Handgriff der Q habe ich übrigens an der CL verwenden können, wenngleich er auch nicht 100% passt und man dann keinen Gurt montieren kann. Ich bin mir sicher, dass Leica dieses Zubehör auch für die CL anbieten wird.

Insgesamt spürt und sieht man auch ohne den roten Punkt, dass man eine Leica in der Hand hält, die den minimalistischen Prinzipien aus Wetzlar treu bleibt.

Rückseite

Der elektronische Sucher ist runder als bei der Q und ragt etwas aus dem Gehäuse heraus.

Links neben dem 3″ Touch-Display sind eine Taste für die Bildwiedergabe, eine frei belegbare Funktionstaste und die Menütaste. Auf der rechten Seite befindet sich die Vierwege-Taste mit einer ‚Set’-Taste in der Mitte.

Links unten ist der Lautsprecher und rechts unten eine Status-LED.

Pfiffig: Um die Dioptrien einzustellen wird das Einstellrad herausgezogen. Wird es anschließend wieder eingeschoben, kann sich der Wert nicht mehr versehentlich verstellen.

Versenkbares Dioptrien Einstellrad

Oberseite

Auf der Oberseite befindet sich zwischen den Einstellrädern ein kleines Display, auf dem der Aufnahmemodus und je nach Aufnahmemodus die eingestellte Blende, Zeit und/oder Belichtungskorrektur angezeigt werden. Somit kann man die wesentlichen Parameter einstellen, ohne auf das hintere Display schauen zu müssen.

Die beiden Einstellräder dienen – je nach Aufnahmemodus – zur Einstellung der Blende, Zeit oder Belichtungskorrektur und sind nicht konfigurierbar.

  • M-Modus: links Belichtungszeit, rechts Blende
  • A-Modus: links Belichtungskorrektur, rechts Blende
  • S-Modus: links Belichtungszeit, rechts Belichtungskorrektur
  • P-Modus: links Belichtungskorrektur, rechts Programm-Shift
  • Video- und Szene-Modus: Beide Räder Belichtungskorrektur

Mit der linken Einstellradtaste wird die Wahl des Aufnahmemodus (P-S-A-M-Video-Szene) aktiviert und anschließend über das Einstellrad ausgewählt.

Ein Druck auf die rechte Einstellradtaste aktiviert eine zuvor konfigurierte Funktion (bei mir im A-Modus ist es die ISO), die dann über das Einstellrad eingestellt wird. Mit einem langen Druck auf die Taste kann man aus einer vom Benutzer konfigurierbaren Auswahl von Funktionen auswählen. Im M-Modus mit aktivierter Auto-ISO nutze ich das Rad zum Beispiel für die Belichtungskorrektur. Damit fungiert das rechte Einstellrad als zweite FN-Taste.

Der Hauptschalter ist nicht beschriftet und hat wie bei der TL2 die Stellung ‚Ein’ und ‚Aus’, wobei im ‚Aus’-Modus ein kleiner roter Punkt sichtbar ist. Bei der Q wählt man mit dem Hauptschalter auch ‚Einzelaufnahmen‘ oder ‚Serienaufnahmen‘ aus. Gelegentlich stelle ich die Q beim Einschalten versehentlich auf ‚C‘ wenn ich die Kamera mit einer Hand bediene. Bei der CL kann das nicht passieren, ‚S‘ oder ‚C‘ wird im Menü eingestellt. Der silberfarbene Auslöser hat einen angenehmen Druckpunkt.

Vor dem Blitzschuh sind zwei Mikrofone verbaut.

Unterseite

Auf der Unterseite befindet sich das ¼ Zoll-Stativgewinde und ein kombiniertes Akku- und SD-Kartenfach, das von der Q übernommen wurde.

Vorderseite

Neben dem Leica-Logo befindet sich die Selbstauslöser-LED und ein per Menü abschaltbares Autofokus-Hilfslicht.

Leica SL, Q, CL und TL2

 

Leica SL und CL im Größenvergleich

Fernsehturm Berlin

Elektronischer Sucher

Die technischen Daten zum Sucher liegen mir derzeit leider nicht vor. Der elektronische Sucher gefällt mir aber extrem gut, scheint brillanter als bei der Q und läuft sehr flüssig. Mein Favorit bleibt allerdings der EyeRes-Sucher der SL.

Touchscreen

Der Touchscreen spricht sehr gut an und unterstützt die gängigen Gesten. Die Menüsteuerung erfolgt aber ausschließlich über die Vierwegetaste. Clever: Ein horizontaler Swipe wechselt – wie bei der TL2 – zwischen Foto- und Videomodus, ein vertikaler Swipe zwischen Aufnahme- und Wiedergabemodus.

Menüs

Wie bei der M10 aktiviert ein Druck auf die Menütaste zunächst das frei konfigurierbare Favoritenmenü mit maximal 15 Menüpunkten, verteilt auf zwei Seiten. Anschließend gelangt man in das vollständige Kameramenü. Die Reihenfolge der Favoriten lässt sich leider nicht ändern. Hier wünsche ich mir eine Wahlmöglichkeit, am liebsten per Drag & Drop über den Touchscreen.

Wiedergabe

Die Bildanzeige erfolgt entweder durch einen Druck auf die ‚Play’-Taste oder einen Wisch nach oben oder unten direkt auf dem Touchdisplay. Wie vom Smartphone gewohnt kann man dann durch die Bilder scrollen und mit Gestensteuerung vergrößern. Alternativ passiert dies mit dem rechten Einstellrad und der Vierwegetaste.

Schlossgarten Schwetzingen

Manueller Fokus

Als Fokussierhilfen stehen eine 3- und 6-fach Lupe sowie Focus Peaking zur Verfügung. Beim Fokus Peaking sind die Farben Rot, Grün, Blau und Weiß wählbar. Bei TL- und SL-Objektiven kann die Lupenfunktion automatisch hinzugeschaltet werden, wenn man am Fokusring dreht. Für andere Objektive steht hierfür das rechte Einstellrad bereit.

Autofokus

Die Leica CL bietet die auch von der TL2 bekannten (und mit der Q vergleichbaren) Autofokusmodi.

  • Mehrfeld
  • Spot
  • Feld
  • Verfolgung
  • Gesichtserkennung
  • Touch AF
  • Touch AF + Auslösen

Der Autofokus ist flott und wegen der Kontrastmessung auch sehr präzise. Ich fotografiere meistens im Modus ‚Spot’, um den Fokuspunkt bei Offenblende möglichst genau wählen zu können. Beim Einschalten der CL ist der letzte gewählte AF-Punkt gespeichert und sitzt nicht wie bei der Q in der Mitte.

Die Gesichtserkennung funktioniert extrem gut. Bei Fotos von Gruppen wird das ‚primäre‘ Gesicht vorab mit einem gelben Rahmen markiert. So kann man vor der Aufnahme entscheiden, ob die Kamera das gewünschte Gesicht ausgewählt hat. Leider ist es nicht möglich, auf ein anderes Gesicht zu wechseln. Die Kamera fokussiert übrigens auf das Auge, das der Kamera am nächsten ist. Dieses Feature habe ich bei Einzelportraits und offener Blende häufig genutzt.

Bei Partyfotos in dunklen Locations hatte ich mit dem Summicron TL 1:2/23mm keine Fokusprobleme und auch auf tanzende Gäste konnte ich mühelos fokussieren. Das hat meistens genauso gut funktioniert wie mit der Q.

Performance

Die Einschaltzeit ist extrem kurz und die Kamera ist nach dem Einschalten unmittelbar einsatzbereit. Das Menü und die Bildwiedergabe sind ebenfalls sehr flüssig und alle Einstellungen lassen sich sehr rasch durchführen.

Das Auslösegeräusch ist ähnlich dem der TL2, wobei es wegen des anderen Gehäuses etwas präsenter zu sein scheint. Die Leica Q ist im Gegensatz dazu deutlich leiser. Für geräuschloses Fotografieren bietet die CL einen elektronischen Verschluss, den ich gerne nutze, wenn die Aufnahmebedingungen passen.

Im Serienbildmodus ist Platz für 27 DNGs im Puffer und es dauert ca. 40 Sekunden, bis die Daten auf die SD-Karte geschrieben sind (SanDisk Extreme Pro 95MB/s SDXC 1 und Lexar Professional 150 MBs SDXC II). Das ist in meinen Augen ein brauchbarer Praxiswert. Sobald wieder teilweise Platz im Puffer ist, kann man weiter fotografieren.

Wilhelma Stuttgart

Akkulaufzeit

Pro Akkuladung habe ich ca. 450 – 500 Bilder gemacht. Um die Akkulaufzeit zu erhöhen, ist es sinnvoll, den Modus ‚EVF-Erweitert‘ zu nutzen. Dann bleiben Display und EVF dunkel und der EVF schaltet sich automatisch ein, wenn die Kamera ans Auge geführt wird.

Bildstabilisator

Die Leica CL und die TL-Objektive haben keinen Bildstabilisator. Gerade bei längeren Brennweiten sollte man also die Belichtungszeit im Blick haben, um auf verwackelungsfreie Verschlusszeiten zu kommen. Nutzt man stabilisierte SL-Objektive, kann der Bildstabilisator der Zooms im Menü der CL aktiviert werden.

ISO

Die CL bietet ISO 100 – 50.000 und als Hochzeitsfotograf arbeite ich öfter in dunklen Kirchen oder Partylocations. Trotzdem komme ich in der Regel mit ISO 3.200 (selten ISO 6.400) aus und die CL liefert hier einwandfreie Qualität. Problematischer kann es werden, wenn man zum Beispiel das Vario-Elmar-TL 1:3,5-5,6/18-56mm ASPH ansetzt und bei wenig Licht am langen Ende mit Blende 5,6 fotografieren muss. Dann sind schnell ISO-Werte von 12.500 und höher notwendig und die Bildqualität fällt naturgemäß ab.

Im Auto-ISO Modus kann der maximale ISO-Wert und die längste gewünschte Belichtungszeit eingestellt werden. Hier sind Werte von 0,5 – 1/500 Sekunde, 1/f, 1/2f oder 1/4f wählbar wobei „f“ für die Brennweite ohne Berücksichtigung des Cropfaktors steht. Beim Summicron-TL 1:2/23 mm wird bei 1/f beispielsweise 1/25stel eingestellt. Meiner Meinung nach sollte der Cropfaktor berücksichtigt werden und damit 1/40stel gewählt werden.

Belichtungszeiten

Mit dem mechanischen Verschluss sind Zeiten von 30 Sekunden bis 1/8.000 wählbar.
Ab einer Sekunde Belichtungszeit wird automatisch und nicht abwählbar ein Dunkelbild (Darkframe) erstellt.
Der elektronische Verschluss arbeitet im Bereich von 1 bis 1/25.000stel Sekunde. Der elektronische Verschluss kann wahlweise immer ein- oder ausgeschaltet sein oder bei Verschlusszeiten kürzer als 1/8.000 automatisch zugeschaltet werden.
Neu ist die Möglichkeit, bei Belichtungsreihen neben der Anzahl der Aufnahmen und EV Schritte auch eine Belichtungskorrektur einzustellen. Damit erspart man sich eine Menge überflüssiger Über- oder Unterbelichtungen für die anschließende HDR-Bearbeitung. Dieses Feature würde mir auch für die SL sehr gefallen.

30 Sekunden Belichtung

 

Wi-Fi und CL-App

Die CL-App habe ich auf einem iPhone und iPad genutzt. Sie läuft sehr stabil, die WLAN-Verbindung lässt sich wie gewohnt mit dem QR-Code oder auch manuell einrichten. Im Backup-Modus werden lediglich JPG-Dateien auf das Smartphone übertragen. Bei der Fernsteuerung durch die App werden auch RAWs angezeigt und lassen sich herunterladen.
Tipp: Im Autofokus Modus ‚Spot’ oder ‚Feld’ kann man den Fokuspunkt in der App verschieben, wenn man ihn länger drückt. Im Modus ‚Touch-AF’ genügt ein kurzer Druck auf die gewünschte Stelle im Bild.

GPS

Die Kamera hat kein GPS-Modul verbaut, was vermutlich den kompakten Abmessungen geschuldet ist. Ich habe die Funktion bisher an keiner Kamera benutzt und vermisse sie daher auch nicht.

Video

Video wird wie bei der TL2 über einen horizontalen Swipe auf dem Touchdisplay aktiviert. Eine explizite Videotaste gibt es nicht, die Videofunktion kann über das linke Einstellrad (P-S-A-M-Video-Szene) gewählt werden. Das finde ich recht clever gelöst, weil ich bei anderen Kameras schon mal versehentlich den Videomodus gestartet habe, weil ich an die Videotaste gekommen bin.

Die Videofunktion habe ich während des Testzeitraums nur kurz ausprobiert. Videos können wahlweise 4k/30fps, Full HD mit 30 oder 60 fps oder HD/30fps aufgenommen werden. Auch der ‚Video Look’ kann wie bei JPG-Fotos mit Standard, Lebendig, Natürlich, S/W Natürlich oder S/W hoher Kontrast vorgewählt werden.

In der Beta-Firmware wurde automatisch und nicht änderbar stets die Offenblende gewählt. Ich hoffe, dass dies noch geändert wird.

Für gelegentliche ‚Schnappschüsse’ reicht die Videofunktion locker aus. Für professionellere Ansprüche ist die CL – auch wegen der fehlenden Anschlüsse – sicher nicht gemacht.

Wilhelma Stuttgart

Blitzen

Neben ‚Auto’ und ‚An’ bietet die CL auch die ‚Langzeitsynchronisation’ beim Blitzen. Im normalen Blitzbetrieb ist die Verschlusszeit im A-Modus nicht länger als 1/30 und kann auch nicht anders konfiguriert werden. Kürzere Belichtungszeiten wählt die CL nur, wenn solche Zeiten auf Grund der ISO und Blende für die Belichtung notwendig sind. Bei der Langzeitsynchronisation wählt die Kamera die Zeit, die auch ohne Blitz belichtet würde und der Blitz hellt das Hauptmotiv auf.

Eine in der CL eingestellte Blitzbelichtungskorrektur wird an den SF64 übertragen. Beim SF40 funktioniert dies wegen der Bauart des Blitzes nicht. Umgekehrt werden die Einstellungen des SF40 und SF64 in der CL angezeigt.

Die Blitzsynchronisationszeit beträgt 1/180 sek. Die Belichtungen sind mit dem SF40 und SF64 sehr gut, wegen seiner kompakteren Größe passt der SF40 sicher besser zur CL.

Bei Partyfotos ergänze ich den Aufhellblitz gerne mit manuellen Remoteblitzen. Der Cactus V6, den ich an der SL nutze, funktioniert auch an der CL sehr gut.

Zoo Heidelberg

JPG

Der gewählte Filmlook wird auch für die Ansicht im EVF und Display verwendet. Es stehen fünf Looks zur Auswahl:

  • Standard
  • Lebendig
  • Natürlich
  • S/W Natürlich
  • S/W Hoher Kontrast

Neben Programmautomatik (P), Blendenpriorität (A), Zeitpriorität (S) und manuellem Modus (M) können auch einige Szenenprogramme als Voreinstellungen gewählt werden:

  • Vollautomatisch
  • Sport
  • Portrait
  • Landschaft
  • Nachtportrait
  • Schnee/Strand
  • Feuerwerk
  • Kerzenlicht
  • Sonnenuntergang
  • Digiskopie
  • Miniatureffekt
  • Panorama
  • HDR

Bildqualität

Ich fotografiere ausschließlich in RAW und habe bei einigen Hochzeitsreportagen die CL parallel zur SL genutzt. Dabei fällt auf, dass der grundsätzliche Bildlook sehr ähnlich ist – so kann ich mit den gleichen Einstellungen in Capture One arbeiten. Farben und insbesondere die Hauttöne passen für mich so, wie sie aus der Kamera kommen. Schatten lassen sich – wenn nötig – problemlos aufhellen und Lichter wiederherstellen. Insgesamt kann ich wie bei der SL oder Q auf Nachbearbeitung im Wesentlichen verzichten und mich auf den gewünschten Bildlook konzentrieren.

Für mich ist sehr wichtig, dass eine Reportagestrecke in sich harmonisch bleibt und die Bilder aus beiden Kameras passen gut zueinander.

Ich habe keine Vergleichsfotos zwischen der SL, TL2, Q und CL und kann auch keine technischen Aussagen zum Sensor, Dynamikumfang usw. machen. Die Bewertung des Sensors aus technischer Sicht ist für mich nicht relevant. Ich überlasse sie gerne den bekannten Quellen im Internet und denke, dass zeitnah einige Reviews online sein werden.

Bei meinen üblichen Praxisanwendungen – bei denen ich mit mehreren Kameras parallel gearbeitet habe – gab es keine Auffälligkeiten. Die Unterschiede ergeben sich eher aus den verwendeten Objektiven, Bedienungskonzepten und Features der verschiedenen Kameras.

Sicherlich hat ein APS-C Sensor andere Eigenschaften als der Vollformatsensor der SL oder M10. Und sicherlich gibt es Situationen, in denen ein größerer Sensor seine Stärken (ISO, Freistellungspotenzial etc.) ausspielen kann. In meinen ‚Real-World‘-Praxistests konnte ich das aber oft vernachlässigen.

Fazit

Die Kamera funktioniert mit ihren ausgezeichneten Objektiven sehr gut als eigenständiges System. Sie wird in Zukunft meine bevorzugte kompakte Reise- und Urlaubskamera werden, wenn Gewicht eine Rolle spielt und ich auf einige Funktionen der SL verzichten kann. Wegen ihrer Abmessungen ist sie natürlich auch ideal für die unauffällige Reportagefotografie.

Die Leica CL hat für mich den gleichen Spaßfaktor wie die Q. Sie bietet mit den TL-Objektiven eine ausgezeichnete Erweiterung für andere Brennweiten, wenn man sich auf das APS-C Format einlässt, was mir leichtgefallen ist. Solange die CL keinen Back-Button-Fokus bietet, wird sie für mich eine Q aber nicht ersetzten können.

Die CL lässt sich aber auch sehr gut mit meinen übrigen Kameras und Objektiven kombinieren. Mit dem Vario-Elmarit-SL 90-280mm habe ich ein unschlagbar (relativ) handliches Telezoom mit Bildstabilisator und Autofokus bis 420mm. Oder ich decke mit dem TL 11-23mm und dem SL 24-90mm die wichtigen Brennweiten von 16-135mm ab. Wichtig ist für mich auch, dass die CL mit dem 60mm Makro eine Lücke im SL-System schließt.

Für professionelle Aufträge benötige ich oft spezielle Features, die der Leica SL vorbehalten sind. Neben der Robustheit der SL, auf die ich mich 100% verlasse, sind das zum Beispiel lange Belichtungszeiten, ein mechanischer Fernauslöser, ein zweiter SD-Kartenslot oder ‚Back-Button-Fokus‘. In anderen Situationen spielt das keine so große Rolle und hier greife ich gerne zur CL, weil sie in meinen Augen ein ausgezeichnetes Verhältnis von Kompaktheit und Bildqualität liefert.

Invisible Penguins

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