Leica TL2

Einführung

Etwas mehr als drei Jahre nach der Einführung der Leica T im April 2014 und nur acht Monate nach der Ankündigung der Leica TL im November 2016 kommt jetzt die Leica TL2. Auf den ersten Blick sieht die Kamera aus wie ihre Vorgänger, es gibt aber eine ganze Reihe von Verbesserungen – sowohl das Gehäuse als auch unter der Haube.

Leica TL2 (silber)

Es ist eine gute Neuigkeit, dass Leica sich so klar zu dem APS-C System und dem Konzept der Smartphone-artigen Bedienung bekennt.

Ich habe die Leica T immer gemocht, das erste Modell habe ich 2013 getestet. Eine so radikale Abkehr vom konventionellen Kamera-Design brachte natürlich Probleme mit sich: Die erste Leica T war nicht perfekt, machte aber fantastische Bilder und Spaß in der Bedienung. Leica hat auf die Kunden gehört, die Leica TL2 ist der Versuch, das Konzept zu verbessern.

Meine Zusammenarbeit mit Leica besteht nicht darin, Kamera-Reviews zu schreibe, sondern sie zu testen. Dies ist für die richtige Einordnung dieses Artikels wichtig: Es ist kein kritischer Testbericht. Falls ich Probleme mit der Kamera have, geht die Information zunächst an Leica. Dies vorausgeschickt: Dieser Artikel gibt meine Ansicht wieder, niemand hat mir vorgeschrieben, was ich schreiben soll.

Was neu ist …

Das Gehäuse

Auf den ersten Blick sieht die Leica TL2 aus wie ihre Vorgänger, tatsächlich hat sich alles geändert. Ein wenig.

Das Gehäuse wird nach wie vor aus einem einzigen Aluminiumblock gefräst und wahrscheinlich ebenso lange von Hand poliert wie die Original-T. Im Leica-Werk in Porto konnte ich mich überzeugen, dass nicht nur die Leica T diese Behandlung genießt.

Die Kanten wurden etwas abgeschrägt, so dass sich die Kamera etwas angenehmer halten lässt – und die Kanten nicht so schnell verkratzen. Die schwarze Testkamera, die ich über die letzten Monate benutzt habe, ist durch die Hölle gegangen – sieht aber noch so gut aus wie am ersten Tag.

Den kleinen Ausklappblitz gibt es nicht mehr. Für mich ist das ein Vorteil: Ich habe ihn nie genutzt, mich störte aber, wenn er versehentlich ausklappte. Vermutlich sehen das einige als Nachteil, da sich jetzt generell kein Blitz mehr nutzen lässt, sobald der elektronische Sucher verwendet wird,

Die Bedienelemente sind alle am gleichen Platz geblieben, die Haptik wurde aber verbessert: Die beiden Wählräder rasten deutlicher ein und der Hauptschalter wurde überarbeitet. Der Video-Button hat keine rote Markierung mehr und kann als Funktions-Button genutzt werden – mehr dazu später.

Schließlich wurden auch die Anschlüsse überarbeitet:

  • Der Micro HDMI (Typ D) Port unterstützt jetzt den 1.4b Standard.
  • Der USB C Anschluss ermöglicht jetzt superschnelle USB 3 Verbindungen und lädt die Kamera.

So lässt sich auch der interne Speicher von 32GB sinnvoll nutzen.

Der Sensor

Die ursprüngliche Leica T hatte zwar schon einen sehr guten Sensor, mit gutem ISO Bereich und Dynamikumfang, allerdings sind ISO 12.500 und 16 MP einfach nicht mehr zeitgemäß.

Der neue 24MP Sensor bietet Empfindlichkeiten bis ISO 50.000, allerdings ohne Phasendetektions-Pixel. Wie üblich gibt Leica nicht preis, von welchem Hersteller der Sensor stammt.

Prozessor und interner Speicher

Die Leica TL2 nutzt einen neuen Maestro II Sensor, der die Gesamtgeschwindigkeit der Kamera steigert. Die Startzeit ist spürbar schneller als mit Leica T und TL, genauso wie die Zeit zwischen zwei Auslösungen. Der Autofokus reagiert wesentlich schneller, laut Leica braucht die Kamera zum Fokussieren nur 165 ms nach CIPA Standard, was 3x schneller wäre als beim Vorgängermodell. Die Serienbildgeschwindigkeit beträgt jetzt 7 B/s mit mechanischem Verschluss, mit dem neuen elektronischen Verschluss sind es sogar 20 B/s. Auch die Video-Performance wurde auf 4k-Video bei 30 B/s.

Der interne Speicher von 32 GB der ersten Leica T Kamera war grundsätzlich eine gute Idee, aber zu langsam im Vergleich zu aktuellen SD Karten. Die TL2 hat auch 32 GB – diesmal aber in schnell. Vielleicht kennst du auch die Schrecksekunde, wenn du auf einer Fototour feststellst, dass du die SD-Karte zu Hause im Lesegerät vergessen hast. Mit der Leica TL2 kannst du ohne Probleme fotografieren und die Bilder später über den schnellen USB C Port übertragen. Sehr nützlich, speziell, wenn man ein neues MacBook Pro mit diesen Ports besitzt.

Der elektronische Verschluss

Bei Verschlusszeiten jenseits einer 1/4.000 sek bis zu einer 1/40.000 sek wird automatisch der elektronische Verschluss aktiviert. Ich weiß nicht, wie schnell der Sensor ausgelesen wird, daher kann ich nicht beurteilen, ob ein Rolling Shutter Effekt auftritt. Ich würde es begrüßen, wenn der elektronische Verschluss auch für längere Belichtungszeiten verfügbar wäre – so wie es bei der Leica SL durch ein Firmware-Update nachgereicht wurde.

Aber auch so ist dies schon eine große Verbesserung, da sich auch bei viel Licht voll aufgeblendet fotografieren lässt.

Bedienung und Menüs

Die Logik des Bedien-Menüs bleibt unverändert, sie findet sich auch in anderen Leica Kameras wieder: Der erste Druck auf den Menu-Button führt einen in das konfigurierbare Favoriten-Menü – wie bei der Original-T. Ich mag diese Funktion, da sich dieses Menü einfach und intuitiv bearbeiten lässt.

Geändert hat sich dagegen das „Einstellungen“-Menü, aus dem sich Punkte für das Favoriten-Menü auswählen lassen. Es wurde jetzt in folgende logische Bereiche aufgeteilt:

  • Foto
  • Belichtung
  • Fokus
  • Video
  • Verbindungen
  • EVF / Display
  • Wiedergabe
  • Allgemein
  • Blitz

Es ist enorm schwierig, alle Funktionen einer Kamera logisch zu strukturieren, diese Aufteilung scheint mir ein guter Kompromiss zu sein, in dem die meisten Optionen dort angeboten werden, wo man sie erwartet.

Der Video-Button lässt sich jetzt mit diesen Funktionen belegen:

  • Video
  • Umschaltung EVF / Display
  • Wiedergabe

Ich nutze Video eher selten, daher kommt mir vor allem die Umschaltung zwischen Sucher und Display entgegen: Wenn der elektronische Sucher angeschlossen ist, schaltet der Button zwischen LCD und EVF. Wer den normalen Augensensor bevorzugt, kann eine andere Funktion auf den Button konfigurieren. Einziger Schönheitsfehler: Die Kamera merkt sich nicht die Wahl zwischen LCD und EV, wenn sie ausgeschaltet wird oder in den Schlafmodus geht.

Bildqualität

Die Bildqualität der Leica TL war schon eine ihrer herausstechenden Eigenschaften, bis ISO 3.200 ließen sich die Ergebnisse gut verwenden, in Notfällen oder für Schwarzweiß auch höhere Empfindlichkeiten.

Der neue Sensor hat das deutlich verbessert. Ich hatte meist ISO 6.400 als Limit für AutoISO eingestellt, aber auch ISO 12.500 lieferte noch brauchbare Bilder. Höhere Empfindlichkeiten habe ich nicht benötigt. Detaillierte ISO-Vergleiche überlasse ich anderen Tester, aber mein Gefühl sagt mir, dass die Verbesserung fast zwei ISO-Stufen beträgt.

Genaue Tests zum Dynamikumfang habe ich auch nicht durchgeführt, er scheint aber exzellent zu sein: Sowohl Schatten auch auch Lichter lassen sich in der RAW-Entwicklung wiederherstellen. wobei die JPEGs direkt aus der Kamera schon sehr gut sind. Wie bei allen Leica Kameras halte ich es für besser, RAW-Dateien zu fotografieren als sich auf die JPEGs zu verlassen.

Ich habe Adobe Lightroom genutzt und die DNG Dateien zu entwickeln. Genutzt wurde das eingebettete Profil, was darauf hinweist, dass das LR-Profil noch nicht fertig ist. Trotzdem ist die Farbwiedergabe sehr gut, kräftig ohne übertrieben zu wirken, die Hauttöne sind hervorragend. Mit den DNG Daten lässt sich sehr gut arbeiten, sie lassen sich sehr anpassen ohne an ihre Grenzen zu stoßen.

Verwendung anderer Objektive

Die Leica TL Objektive sind fantastisch, ich mag speziell das Dreigespann an Zoom-Objektiven mit schnellem AF und hervorragender Bildqualität. Durch die verbesserten High ISO Fähigkeiten werden sie noch einmal attraktiver. Der AF der Festbrennweiten Summilux 35mm 1:1,4 und Summieren 23mm 1:2 empfinde ich als zu langsam (aber immer noch schneller als mit der Leica T). Dies kann aber auch daran liegen, dass ich einen Prototyp mit nicht finaler Firmware getestet habe, so dass sich dies mit der endgültigen Kamera deutlich besser sein kann.

„Ich habe die Kamera mit M Objektiven benutzt, die von der Kamera erkannt werden, sofern sie kodiert sind und man den Leica TL-M Adapter nutzt. In diesem Fall werden die Daten korrigiert und die EXIF Daten ausgefüllt.

Leica R Objektive habe ich auch mit exzellenten Ergebnissen genutzt. Die Objektiverkennung hat in diesem Fall nicht funktioniert, da ich nicht den direkten Leica TL-R Adapter hatte, sondern die Kombination aus Leica TL-M und M-R Adapter.“

Schlussendlich habe ich auch die beiden Leica SL Zooms getestet, mit denen der Autofokus extrem schnell ist, vergleichbar mit der Verwendung an der Leica SL selber. Speziell mit de Telezoom 90-280 mm kann man gut arbeiten, auch wenn die Ergonomie etwas seltsam ist: Die Bildqualität ist wunderbar und der Bildstabilisator hilft enorm.

Fotografieren mit der Leica TL2 …

Die meisten von uns sind Kameras mit vielen Knöpfen und Drehrädern gewöhnt, mit unendlichen Konfigurationsoptionen in tief verschachtelten Menüs. Leica hat sich dagegen rigoros an sein Leitmotiv „Das Wesentliche“ gehalten: Die Leica TL2 hat wie ihre Vorgänger nur zwei Wählräder und zwei Buttons, alle anderen Einstellungen werden über den Touchscreen bedient.

Vor dem Test der Leica TL2 habe ich länger mit der Olympus OM-D E-M1 II fotografiert, ein enormer Gegensatz und ein Kulturschock bei der Umstellung. Überraschenderweise fühlt sich der EVF der Leica TL2 deutlich größer an und zeichnet weniger hart als das Pendant in der Olympus-Kamera, der Bildeindruck ist dadurch wesentlich realitätsnäher. Weniger überraschend: Die Bildqualität der Leica TL2 ist in jeder Hinsicht deutlich besser als die der Olympus: High ISO, Kontrastumfang und Farbwiedergabe.

Meine praktischen Erfahrungen mit der Leica TL2 möchte ich in zwei Abschnitten beschreiben, mit elektronischem Sucher und via Display.

… via Display …

Mit Display fotografiert es sich sehr gut: Die Kombination aus dem großen 3,7“ Display mit dem Touchscreen funktioniert logisch und konsistent. Das Favoriten-Menü und die konfigurierbaren Einstellräder ermöglichen eine einfache Bedienung – wie ein gedoptes Smartphone: Die Bedienungsgesten lassen sich instinktiv erlernen, den Fokuspunkt zu bewegen oder Einstellungen zu ändern funktioniert schnell. Wenn diese Art der Bedienung einem liegt, kann ich mir keine bessere Kamera vorstellen. Die Startzeit ist viel schneller als die der Leica TL und die Schwarzphase ist stark reduziert, aber noch vorhanden. Man kann die Kamera gut mit einer Hand nutzen, Touch-Fokus und -Auslösung funktionieren gut

… und über den elektronischen Sucher

Ich arbeite am liebsten mit EVF – und hier gibt es eine ganze Reihe von Verbesserungen in der Performance. Der Wechsel zwischen Display und Sucher per Funktionsbutton ist ebenfalls eine große Erleichterung. Trotzdem schaltet die Kamera die Ausgabe immer zuerst auf das Display, wenn sie angeschaltet oder aus dem Schlafmodus aufwacht. Erst dann lässt sich sich über den Funktionsbutton oder den Augensensor auf den EVF umstellen. Das ist umständlich, lässt sich aber umgehen, in dem man die Kamera so konfiguriert, dass sie möglichst spät in den Schlafmodus geht. So bleibt sie im EVF-Modus, bis man erneut den Umschalt-Button drückt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Leica TL2 in dieser Hinsicht wie die Leica M10 arbeiten würde, wo sich dies dauerhaft einstellen lässt – auch wenn die Kamera ausgeschaltet wird.

Wir haben kürzlich einige Wochen in China während der Regenzeit verbracht, so ich in Hangzhou mit der Leica TL2 fotografiert habe, meist mit dem 55–135mm Zoom. Es war oft dunkel, daher sind viele Bilder bei ISO 6.400 entstanden, die allermeisten bei mehr als ISO 1.000. Das Scharfstellen war präzise und schnell – auch unter diesen schlechten Lichtbedingungen. Viele wurden mit nur einer Hand ausgelöst, da die andere Hand den Regenschirm hielt.

Das ist mir jetzt zur zweiten Natur geworden, eine komplett andere Art als mit einer konventionellen Kamera zu arbeiten. Das einfache Interface, der leise Verschluss und die hervorragenden Objektive machen die Arbeit mit der Leica TL2 zu einem Vergnügen.

Zusammenfassung

Die erste Leica T war ein mutige und revolutionäre Weiterentwicklung im Kamera-Design – der Versuch eine Kamera für die iPhone Generation anzubieten. Zu Anfang wirkte das Projekt zu ambitioniert: Nur zwei passende Objektive verfügbar und die Entwicklung eines eigenen Kamera-Bajonetts. Drei Jahre später gibt es eine Vielzahl von hervorragenden Optiken für das L-Bajonett: Zooms und Festbrennweiten, für APS-C und die Vollformatkamera Leica SL. Leica hat so eine Plattform geschaffen, von der es sich in Zukunft arbeiten lässt – meine Traumkamera wäre eine Mini-SL mit APS-C-Sensor und dem Bedienkonzept der Leica Q.

Wie auch immer – mit der Leica TL2 hält Leica am Designkonzept der Leica T fest. Sie haben auf das Feedback ihrer Kunden gehört und bieten ein angemessenes Update zu einem vernünftigen Preis an. Die Kamera macht Spaß und spannend zu nutzen, sie macht tolle Bilder und fühlt sich toll an.

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3 Comments

  1. […] » Leica TL2 Diskussion im Forum » Leica TL2 Review von Jonathan Slack […]

  2. What is the price of the bare body TL2

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