Die Leica SL

Einführung

Von 1968 bis 1976 wurden die Leicaflex SL und SL2 von Leica in Wetzlar produziert – sie gehören zu den besten Kameras, die in der Geschichte der Fotografie hergestellt wurden. Leica machte damals mit jeder produzierten Kamera Verlust, obwohl die Modelle doppelt so teuer waren wie eine Nikon F2 Photomic.

1976 wurde die Produktion eingestellt. Als nächste R-Mount Kamera folgte die Leica R3, die auf der Minolta XE–1 / XE–7 basierte. Sie wurde zuerst in Wetzlar und später in Portugal gefertigt. Leica hatte damals bereits 20 Jahre am Autofokus gearbeitet, der Projektname lautete Correfot. Der erste Prototyp basierte auf einer Leicaflex SL2, später wurde dieser in der Leica R3 und R4 getestet. Leica sah jedoch keine Zukunft für diese Technologie und verkaufte sie an Minolta – die 1985 mit der Minolta Maxxum 7000 auf den Markt kam: Die weltweit erste Kamera mit Autofokus.

August diesen Jahres postete Andreas Kaufmann ein Foto von Lenny Kravitz auf Facebook, wie er mit einer Leicaflex SL fotografiert. Ich fand die Idee schräg und kaufte mir deshalb eine gebrauchte Leica SL2. Sie ist wundervoll gefertigt und angenehm in der Bedienung, 41 Jahre alt und arbeitet trotzdem noch perfekt.

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Sfakian Sunrise - Leica SL mit Leica Vario Elmar T 55-135
Sfakian Sunrise – Leica SL mit Leica Vario Elmar T 55-135

Man kann die Leica SL auch als eine Leica S Light sehen, die neue Kamera bedient sich nach 7 Jahren Entwicklungsarbeit an der Leica S Reihe. Leica wird auch einen Adapter anbieten, mit dem sich Leica S Objektive adaptieren lassen – inklusive Autofokus.

Wie andere Fotografen auch, bin ich ein Fan von Foto-Foren und Social Media Plattformen. Besonders freut mich, wenn ich Gerüchte über neue Kameras lese, über die ich die Wahrheit bereits kenne; teilweise fällt es mir nicht leicht, verschwiegen zu bleiben.

In diesem Fall war es besonders schwer, da die Gerüchteseiten über eine Leica M mit Vollformat Sensor und Autofokus spekulierten. Vermischt man Spekulationen über eine Leica Q mit Wechseloptik, ein paar Vermutungen und heraus kommt der Untergang der Leica T und die Wiedergeburt der Leica CL. Das einzige, worüber nicht spekuliert wurde, ist es jetzt geworden: Die Leica SL.

In den letzten Jahren waren Sony, Olympus und Panasonic die technologischen Vorreiter im Kameramarkt – Canon und Nikon konzentrierten sich auf die Produktpflege ihrer DSLRs.

Die gängige Meinung war, dass Leica hier nicht mithalten kann und auf Nischenkameras, wie die Leica M setzen sollte – im Bereich der Messsucherkameras gibt es keine direkte Konkurrenz. Die Leica Q brach mit dieser Auffassung und übertraf die, den direkten Konkurrent, in jeder Hinsicht – eine atemberaubende Kamera.

Die Leica SL steht zu der Sony A7-Reihe ähnlich, wie die Leica Q zur Sony RX1. Sie ist ganz klar der Versuch, eine Kamera vorzustellen, die auf jeder Ebene besser ist und trotzdem den Fokus auf das Wesentliche hält – ohne unnötiges Beiwerk.

Auch das Projekt „Leica R10“ sollte kurz erwähnt werden. Das letzte Kamera-Projekt mit R-Bajonett wurde 2009 von Leica aufgeben, da man sich nicht in der Lage sah, mit Canon und Nikon technologisch und preislich mitzuhalten. Damals versprach Leica, dass es eine „adäquate Leica R Lösung“ geben würde, ein genauer Zeitpunkt wurde aber nie genannt. Vielleicht ist die Leica SL genau diese digitale Leica R10.

Zitrone - Leica SL mit Macro Elmarit R 60mm
Zitrone – Leica SL mit Macro Elmarit R 60mm

Die Kamera

Als Sony die A7 vorstellte, entsprach dies dem allgemeinem Wunsch nach einer spiegellosen Systemkamera mit Vollformat Sensor. Sony hat mit der A7-Serie eine Reihe von sehr guten Kameras produziert, die mit jeder neuen Version besser wurden. Sony setzte auf die Weiterverwendung des E-Mounts, das ursprünglich für die NEX-Serie (mit APS-C Sensor) eingeführt wurde. Allerdings ist der E-Mount für Vollformat recht eng, woraus technische Probleme entstehen – speziell, wenn man Leica M Objektive adaptieren möchte.

Als Leica das Bajonett für die Leica T (ebenfalls eine Kamera mit APS-C Sensor) entwickelte, wurde darauf geachtet, dass es sich auch für Vollformat-Sensoren nutzen lässt. Das T-Bajonett ist sogar geringfügig größer als das R-Mount – und deutlich größer als das Sony E-System:

  • Sony E Mount: 46mm
  • Leica R mount: 49mm
  • Leica T mount: 50mm

Obwohl sich Leica über Jahrzehnte auf kompakte und hervorragende manuell Vollformat-Objektive spezialisiert hat, ist es nicht möglich, solch hochwertigen Objektive mit eingebautem AF-Motor in dieser kompakten Größe zu produzieren – besonders bei Zoom- und Tele-Objektiven wird dies schwer. Und wenn man keine kompakten Objektive herstellen kann, ist es auch nicht sinnvoll, ein möglichst kleines Gehäuse zu produzieren.

Bei der Leica SL handelt es sich also um keine kleine Kamera und so war sie sicher auch nicht gedacht, der Vergleich mit der Leicaflex SL2 ist aber interessant.

Leica SL Leica SL2
Breite 145mm 146mm
Tiefe 36mm 39mm
Höhe 103mm 94mm
Gewicht 900g mit Akku 818g mit Akku
Kate und Scarlett - Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90
Kate und Scarlett – Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90

Die Leica SL lässt ein Stück Geschichte wieder aufleben, aber in erster Linie ist sie eine digitale Kamera auf Stand der Technik: Sie ist die erste Kamera mit EVF, die wirklich für die Anforderungen von professionellen Fotografen konzipiert wurde. Das Design erinnert zwar an die Leicaflex, trotzdem ist sie eine moderne Kamera, die sich sich an Merkmalen der Leica S, T und Q bedient. Wie es die Eigenart guten Designs ist: Überrascht auf den ersten Blick, wird aber schnell wie selbstverständlich genutzt.

Dieser Artikel basiert auf zwei Testreihen mit verschiedenen Leica SL Vorserienmodellen. Vom 23. Juni bis 13. Juli 2015 konnte ich die Kamera mit dem 24–90mm Zoom testen, von Ende August bis Anfang Oktober durfte ich einen verbesserten Prototypen unter die Lupe nehmen, jedoch ohne SL Objektiv. In dieser Zeit habe ich Leica M, R und T Objektive an die Kamera adaptiert.

Berücksichtigt also bitte, dass die Bilder mit einer frühen Firmware-Version der Kamera entstanden sind und dass an der Serienversion noch zahlreiche Veränderungen vorgenommen wurden.

Aber im Voraus kann ich sagen: Der Leica SL Prototyp war bemerkenswert zuverlässig – es gab keine Abstürze oder schwerwiegende Fehler.

Fischer - Leica SL mit Leica APO Summicron M 75mm
Fischer – Leica SL mit Leica APO Summicron M 75mm

Gehäuse und Bedienung

Gehäuse und Bedienung sprechen für den Gedanken an eine Leica S Light. Es war interessant, zwischen den beiden Testphasen die Leica S (Typ 007) zu testen: Das Design-Konzept ist sehr ähnlich, aber natürlich gibt es Unterschiede. Zum Beispiel verfügt die Leica SL über ein Touch-Screen für die Bildvorschau und das Setzen des Fokuspunkts, aber nicht für die Navigation im Kamera-Menü.

Das Gehäuse fühlt sich an, als wäre es aus einem einzigen Block Metall gefertigt – tatsächlich scheint es aber aus zwei Stücken zu bestehen. Ohne Frage ist sie die am besten gefertigte Kamera, die ich je benutzt habe – die Leica S ist sehr solide, aber die SL ist noch überzeugender.

Die Kamera ist absolut wetterfest – ich habe fast 1000 Bilder während eines vier Stunden Events in strömenden Regen mit dem 24–90mm gemacht.

Es ist schon amüsant, dass die Kamera ganz ohne Beschriftung auf Deckkappe und Rückseite auskommt – mit Ausnahme des Ein / Aus-Schalter.

Die fehlende Beschriftung ist zwar sinnvoll, da sich jeder Button frei konfigurieren lässt. Seltsam nur, dass der Benutzer ausgerechnet beim An- und Ausschalten der Kamera Hilfe benötigt.

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Clematis - Leica SL mit Leica Macro Elmarit R f2.8 60mm
Clematis – Leica SL mit Leica Macro Elmarit R f2.8 60mm

Die Rückseite

Auf der Rückseite befindet sich ein großer, hochauflösender LCD Monitor mit vier Knöpfen ohne Markierung – je zwei links und rechts vom Display.

Eine kurze Berührung der verschiedenen Tasten zeigt deren Funktion an:

  • Oben links: Menü
  • Unten links: Vergrößern
  • Oben rechts: Bildwiedergabe
  • Unten rechts: Info

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Wenn man durch den elektronischen Sucher schaut, wird der Button oben links standardmäßig deaktiviert, um zu verhindern, dass man aus Versehen mit der Nase Einstellungen vornimmt. Wer gerne mit der Nase seine Kamera steuern möchte, kann den Button jederzeit wieder aktivieren ;).

Wenn man den oberen linken Knopf drückt, gelangt man zu einer weiteren Menüebene mit folgenden Funktionen:

  • Oben links: Menü
  • Unten links: Bildmenü
  • Oben rechts: Favorisierte Einstellungen – kann man selber programmieren
  • Unten rechts: Setup Menü

Jeder Button kann mit einem langen Druck neu konfiguriert werden. Es gibt folgende Optionen:

  • Auslösemodus
  • Fokus Modus
  • AF Modus
  • AF Feldgröße
  • Belichtungsmessung
  • Belichtungskorrektur
  • Belichtungsreihen
  • Serienbild Modus
  • Tastensperre
  • Fokus Limit (Makro)
  • ISO
  • Weißabgleich
  • Graukarte
  • Format
  • Objektivprofil

Neben dem Sucher befindet sich ein weiterer Button, um den EVF zu steuern, er wechselt zwischen drei Einstellungen:

  • nur EVF
  • nur LCD
  • Beides – hier wird der EVF aktiviert, wenn man die Kamera ans Auge hält.

Oben rechts auf der Kamerarückseite befindet sich ein Joystick, mit dem man durch das Menü scrollen kann – mit einem Druck bestätigt man die Auswahl. In der Bildvorschau kann man mit einem Druck auf den Stick sofort auf 100% zoomen und mit den Richtungstasten die Auswahl verändern. Außerdem können so Zoom und Fokus-Punkt ausgerichtet werden.

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Wie bei der Leica M bietet das Auswahlrad auch Halt für den Daumen und dient im A- und M-Modus dazu, die Blende einzustellen. Mit einem leichten Druck auf das Rad können die unterschiedlichen Modi eingestellt werden:

  • Belichtungspriorität
  • Verschlusspriorität
  • Manueller Modus
  • Programm-Modus
Gespräch mit Onkel Saul - Leica SL mit Leica Apo Summicron M f2 50mm
Gespräch mit Onkel Saul – Leica SL mit Leica Apo Summicron M f2 50mm

Kamera-Oberseite

Das LCD auf der Deckkappe zeigt alle notwendigen Informationen an und ist sogar bei starker Sonneneinstrahlung gut lesbar. Zudem gibt es zwei Knöpfe: Einen für Live View und einen für Video, der konfigurierbar sein sollte, es aber zurzeit noch nicht ist. Mit dem Einstellrad kann man die Verschlusszeiten einstellen oder im Wiedergabe-Modus ins Vorschaubild zoomen.

Am Sucher kann man die Dioptrien einstellen – das Rad rastet gut ein und verfügt über ein Zifferblatt, so dass man aus Versehen vorgenommene Einstellungen wieder korrigieren kann.

Der Auslöser ist perfekt eingestellt: Mit einem halben Druck wird die gemessene Belichtung gespeichert, voll gedrückt wird das Bild aufgenommen. Der Verschluss ist hervorragend – leise und subtil. Es könnte der beste Verschluss sein, den ich je benutzt habe. Durch das schwere Gehäuse sind auch Aufnahmen mit geringen Verschlusszeiten aus der Hand möglich.

Auf der linken Seite des Gehäuses befindet sich eine leichte Ausbuchtung, hier befinden sich vermutlich GPS Sensor und WiFi Empfänger. Das GPS funktioniert ausgesprochen gut, aber die verschiedenen Steuerungs-Apps waren während meines Tests noch nicht verfügbar.

Kamera-Vorderseite

Die einzige Steuerung auf der Vorderseite der Leica SL ist die Funktionstaste. In der Standardeinstellung befindet sich hier die Schärfentiefe-Vorschau für die Verwendung von AF Objektiven. Der Knopf kann aber auch mit einem langen Druck neu konfiguriert werden.

Die Anschlüsse

Auf der linken Seite der Kamera ist eine Gummi-Abdeckung, hier befinden sich die Anschüsse für den externen Blitz, Mikrofon/Kopfhörer, HDMI und USB 3.0.

Auf der rechten Seite befindet sich die Klappe für die SD-Karten, der Druck- und Schiebemechanismus ist ebenfalls gut gegen Umwelteinflüsse abgedichtet. Es gibt zwei SD-Karten Slots, mit denen sich die aufgenommenen Daten spiegeln lassen oder den Speicher verdoppeln, eine wichtige Funktion, die von vielen Profis angefragt wurde.

Marmara Beach im Morgenlicht - Leica SL mit Leica Tri-Elmar M f4 16-18-21 bei 18mm
Marmara Beach im Morgenlicht – Leica SL mit Leica Tri-Elmar M f4 16-18-21 bei 18mm

Die Bodenplatte

Die Bodenplatte ist mit einer dicken Schicht gummiert. Zudem verfügt sie über eine Stativhalterung, die in der optischen Achse des Objektivs liegt. Wie bei der Leica T ist der Akku Teil der Bodenplatte und wird mittels eines Hebels ausgeworfen. Je nachdem, wie man die Kamera benutzt, ist die Akkulaufzeit exzellent – ich habe es geschafft, mehr als 700 Aufnahmen mit einer einzigen Akkuladung zu machen.

Flucht von Daskiologiannis - Leica SL mit Leica Vario Elmar R f4 35-70
Flucht von Daskiologiannis – Leica SL mit Leica Vario Elmar R f4 35-70

Die Grundlagen

Autofokus

Die Leica Q gab einen Hinweis darauf, was kommen würde. Sie hat einen Quantensprung nach vorne gemacht, so dass der AF jetzt extrem schnell ist – sie kann es mit den besten spiegellosen Kameras aufnehmen. Die Leica SL verfügt über einen Einzelaufnahmen-Modus, Continuous Fokus (schnell und langsam), einen Serienbild-Modus und über eine Fokuspunktauswahl – hier kommt der Joystick wirklich zur Geltung.

Ich bin der Meinung, dass der Tracking-Fokus bei spiegellosen Systemkameras noch nicht auf dem Level der DSLR Systeme ist, leider macht die SL hier keine Ausnahme. Anderseits ist der Fokuspunktauswahl-Modus richtig schnell. In Kombination mit dem Joystick und mehreren Fokuspunkten bekomme ich ausgezeichnete und vorhersehbare Ergebnisse.

Alles in allem ist das AF System leicht zu konfigurieren, gut zu verstehen und arbeitet sehr zuverlässig. Der einzige Nachteil ist, dass der Tracking-Fokus noch nicht so gut arbeitet wie bei den DSLRs.

Curlicue - Leica SL mit Leica APO Summicron M f2 50
Curlicue – Leica SL mit Leica APO Summicron M f2 50

Manueller Fokus

Es ist ein wahres Vergnügen, mit dem manuellen Fokus zu arbeiten. Dank der guten Qualität des EVF und mit ein bisschen Praxis ist es ein Leichtes, ohne zusätzliche Hilfen perfekt zu fokussieren.

Allerdings hat Leica auf seine Kunden gehört und hat für die SL Fokus Peaking und und eine verstellbare Bildschirmlupe integriert.

Besonders viel Gedanken hat sich Leica wohl um den Fokus mit Bildschirmlupe gemacht:

  • Mit dem ersten Druck wird das Bild dreifach vergrößert,
  • Beim zweiten Druck zehnfach und
  • Beim dritten Druck, wird das Bild auf die Normaleinstellung zurückgestellt.

In den Standardeinstellungen ist die Bildschirmlupe auf den Button links unten gesetzt – diesen erreicht man beim Fokussieren durch den EVF ganz einfach mit dem Daumen der linken Hand.

Außerdem kann man das Vergrößerungsfenster einfach und schnell mit dem Joystick verschieben.

Die Bildvorschau arbeitet nach dem gleichen Prinzip – zusätzlich kann man auch mit dem Touchscreen in das Bild zoomen.

Der elektronische Sucher

Der elektronische Sucher der Leica Q mit 3,86MP ist schon begeistert aufgenommen worden. Aber auch hier hat Leica nachgelegt und in die Leica SL einen EVF mit 4,4 MP eingebaut. Was ihn noch beeindruckender macht, ist die enorme 0,8-fache Vergrößerung. Zum Vergleich, der EVF der Sony A7RII hat 2,36 MP und eine 0,78-fache Vergrößerung.

Bei meinem Prototyp war das Bild des EVF etwas zu kontrastreich, das sollte aber mit dem Serienmodell behoben worden sein.

Mohn und Violett - Leica SL mit Leica Vario Elmar R f4 80-200
Mohn und Violett – Leica SL mit Leica Vario Elmar R f4 80-200

Verschluss und Reaktionsfähigkeit

Mit der Q schien Leica plötzlich alle Probleme mit Geschwindigkeit oder Reaktionsschnelligkeit, gelöst zu haben. Es gibt keine Störungen des Viewfinders mehr und die Kamera schreibt Daten viel schneller auf die SD-Karte.

Diese Vorzüge besitzt auch die Leica SL, hier scheint die Startzeit aber noch ein Ticken schneller zu sein.

Durch die Kombination aus schnellem AF, exzellentem EVF, dem großen Buffer und der schnellen Datenverarbeitung steht die Kamera professionellen DSLRs von Canon oder Nikon in nichts nach.

Interessanterweise verfügt die Leica SL über keinen elektronischen Verschluss, wie z.B. die Q oder die Sony A7-Reihe. Trotzdem ist der Verschluss der Kamera sehr leise – und ich denke nicht, dass mit dem Gewicht der Kamera die Erschütterung des Auslösers ein Problem sein dürfte.

Der Basis ISO-Wert der SL liegt bei ISO 50 und die schnellste Verschlusszeit bei 1/8000. Im Vergleich mit der Leica M (ISO 200 / 1/4000 sek) gewinnt man drei Blenden in extrem hellem Umgebungslicht. Gegenüber der Leica Q gewinnt man eine Blende.

Jäger - Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90
Jäger – Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90

Bildqualität

Wenn man eine 40MP Bilddateien braucht, ist die Leica SL nicht die richtige Kamera. Ich denke, dass 24MP heutzutage den „Sweet Spot“ für moderne Digitalkameras darstellt. Die Hersteller bieten zwar immer mehr Megapixel, mit 24MP lässt sich aber in jeder beliebigen Größe drucken, sofern man später den normalen Betrachtungsabstand einhält.

Der Sensor in der Leica SL ist der Gleiche wie in der Leica Q und verfügt daher über die gleiche Bildqualität. Die Farben sind satt und der Sensor bietet maximale Details dank des fehlenden Tiefpassfilters – auch bei hohen ISO-Werten.

Die DNG Daten werden von der aktuellen Apple iOS Version komplett unterstützt. Adobe Lightroom muss noch mit einem Update nachziehen, dass die Kamera vollständig unterstützt.

Der Dynamikumfang ist hervorragend, aus den Schatten kann man endlose Details extrahieren, die Lichter sind nicht besonders anfällig für Clipping. Insgesamt eine tolle Leistung und Leica würdig.

DNG - Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1.4 28mm
DNG – Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1.4 28mm

Das 24–90 f2.8-f4 Vario Elmar

Mit der Leica SL werden drei Objektive vorgestellt:

  • Leica Vario-Elmarit SL 1:2.8–4 / 24–90 ASPH
  • Leica Apo-Vario-Elmarit SL 1:2.8–4 / 90–280mm
  • Leica Summilux SL 1:1.4 / 50mm ASPH

Die Kamera wird es im Kit mit dem 24–90mm geben, mit dem Objektiv hatte ich auch einige Tests machen können.

Die drei Objektive sind meiner Meinung nach ein sinnvoller Systemanfang, es deckt Brennweiten von 24 bis 280mm ab und bietet eine lichtstarke Festbrennweite.

Das wird mit Sicherheit nur der Anfang eines umfangreichen Systems sein – bis dahin kann man Leica M, R, T und S Objektive adaptieren. Eigentlich kann man jedes Objektiv adaptieren, für das es auch einen M Adapter gibt.

Außerdem wird es einen Adapter für Leica S Objektive geben, der auch den Autofokus nutzen kann.

Das Vario-Elmarit 24–90mm ist ein großes Objektiv, wie man es von einem lichtstarken und qualitativ hochwertigen Zoom erwartet – es ist etwas größer als das Vario Elmarit 24–90mm für die Leica R.

Was die Qualität betrifft, ist das Objektive wahrscheinlich mit das Beste, das Leica je produziert hat – der einzige Kompromiss ist die variable Offenblende von F2,8–4. Meiner Erfahrung nach macht es bei jeder Blende oder Brennweite fantastische Bilder.

Cams Kinder - Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90
Cams Kinder – Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90

Weitere Features

GPS

GPS ist ein hilfreiches Feature, wenn es denn zuverlässig funktioniert. Die GPS-Funktion der Leica SL ist sowohl präzise als auch schnell. Sogar wenn man die Kamera anschaltet und sofort ein Foto macht, scheint es in den meisten Fällen gut zu funktionieren. Mehr dazu schreibe ich in meinem Feldtest.

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WiFi

Leider war die App für iOS noch nicht betriebsbereit.

Video

Ich verstehe, dass die Video-Funktion für viele wichtig ist. Doch bin ich kein Experte auf diesem Gebiet und überlasse die Beurteilung anderen Testern.

Von Agios Pavlos nach Agia Roumelli - Leica SL mit Leica Tri Elmar M f4 16-18-21 at 18mm
Von Agios Pavlos nach Agia Roumelli – Leica SL mit Leica Tri Elmar M f4 16-18-21 at 18mm

Die Leica SL mit Leica T Objektiven

Die SL verfügt über einen Crop-Modus, mit dem sich Leica T Objektive mit ihrem kleineren Bildkreis nutzen lassen, dann werden lediglich 10,3MP des Sensors benutzt. Zwar nicht soviel wie bei der Leica T, aber sie decken ebenfalls den APS-C Bereich ab – die Pixel der Leica SL sind größer als die der T.

Es gibt viele Situationen, in denen das ausreicht und es können drei qualitativ hochwertige und kompakte Zoom-Objektive und eine lichtstarke Festbrennweite genutzt werden:

  • Leica Super-Vario-Elmar-T 11–23mm f/3,5–4,5 ASPH (17–35mm KB äquivalent)
  • Leica VARIO-ELMAR-T 18–56mm f3,5–5,6 ASPH (28–85mm KB äquivalent)
  • Leica APO-Vario-Elmar-T 55–135mm f/3,5–4,5 ASPH (80–200mm KB äquivalent)
  • Leica T Summicron-T 23mm f2 ASPH (35mm KB äquivalent)

Außerdem funktioniert der Autofokus der Objektive viel schneller als an der Leica T – fast in einer Liga mit der Leica Q. Das ist auch ein gutes Zeichen für die Nachfolger der Leica T, die das Potential der Objektive noch nutzen können.

Leica SL mit Leica S Objektiven

Leider hatte ich keine Möglichkeit, den Adapter zu testen, da er zu dem Zeitpunkt noch nicht getestet werden konnte – außerdem besitze ich keine S Objektive. Aber ich denke, dass sie sich sehr gut an der Leica SL machen werden.

Mich würde besonders interessieren, wie sich das Leica Apo-Makro-Summarit-S 120mm f2.5 an der SL schlagen wird. Ich kann mir kein besseres Objektiv für Makro Aufnahmen vorstellen.

In der Aradena Schlucht - Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1,4 35mm (FLE)
In der Aradena Schlucht – Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1,4 35mm (FLE)

Leica SL mit Leica R Objektiven

Es wird bald einen Leica T zu R Adapter geben. Da mir Leica keinen Adapter zur Verfügung gestellt hat, hab ich einfach den Leica T zu M und den Leica M zu R Adapter kombiniert, was sehr gut funktioniert hat.

Außerdem habe ich den Knopf unten rechts am Display so konfiguriert, dass ich zwischen Objektiv-Profilen wechseln konnte. Trotz Adapter-Kombination wird der Leica M zu R Adapter erkannt: Es wird eine Auswahl von R-Objektiven zur Verfügung gestellt, aus der sich die richtige Optik auswählen lässt. Außerdem wird das zuletzt genutzte R Objektiv gespeichert und automatisch nach Einschalten aktiviert.

Natürlich hat das eine Menge Vorteile gegenüber der Adaption von R Objektiven an anderen Kameras.

  • Die Objektivdaten werden automatisch in den EXIF Daten erfasst
  • Die Einstellungen für die maximale Belichtungszeit können durch die bekannte Brennweite viel schneller vorgenommen werden.

In der zweiten Testphase habe ich nur Leica M, T und R Objektive benutzt. Insbesondere das Leica Makro-Vario-Elmar R 35–70mm f4,0, das 80–200 f4 und das Leica Makro-Elmarit R 60mm f2,8. Die drei Objektive waren einfach zu benutzen und haben exzellente Ergebnisse geliefert.

Mit dem großen und hellen EVF der Leica SL ist es einfach, manuell zu fokussieren. Die besten Ergebnisse erzielt man, wenn man mit Offenblende fokussiert und dann abblendet, doch auch bei Blende 8 lag ich mit dem Fokus häufig richtig.

Als das Leica R10-Projekt eingestellt wurde, versprach Leica, dass es eine adäquate Lösung für R Objektive geben würde. Die Leica SL ist diese Lösung – ob dies nun beabsichtig war oder nicht. Unterm Strich gibt es keine bessere Alternative für R Optiken als die neue Leica SL.

BGG (Blau, Grün und Gelb) - Leica SL mit Leica Vario Elmar R F4 35-70mm
BGG (Blau, Grün und Gelb) – Leica SL mit Leica Vario Elmar R F4 35-70mm

Leica SL mit Leica M Optiken

Für viele Fotografen ist das Adaptieren von Leica M Objektiven an spiegellosen Kameras essentiell.

Zurzeit ist die Sony A7-Serie der einzige Konkurrent für die Leica SL. Bei den Sony Kameras handelt es sich zweifelsohne um hervorragende Kameras, die auch mit Leica M Objektiven mit längerer Brennweite gut funktionieren – besonders auf nahe und mittlere Distanz. Problematisch wird es bei längeren Aufnamheabständen, wenn das hintere Linsen-Element näher an den Sensor kommt oder bei kurzen Brennweiten, bei denen der Einfallswinkel des Lichts auf den Sensor noch flacher ist.

Dadurch entsteht die bekannte Unschärfe in den Ecken des Bildes, die bei größerer Blendenöffnung und kürzeren Brennweiten immer extremer wird. Mit den Sony A7 Kameras ist sogar noch mit dem Summilux 50mm ASPH bei Blende 8, eine deutliche Unschärfe in den Ecken zu erkennen.

Dies ist keine Kritik an Sony – warum sollte der japanische Hersteller seine Produkte auf Messsucher-Optiken optimieren?

Am meisten gespannt war ich darauf, ob die SL auch mit Leica M Objektiven harmonisieren würde. Um das herauszufinden, hab ich mein Stativ eingepackt und bin mit der Leica M240, der Leica SL, einer Sony A7II und ein paar M Optiken an die Küste von Suffolk gefahren. Ich habe alle Kameras mit den unterschiedlichen Objektiven getestet und Testaufnahmen mit Blendenöffnungen von F2.8 bis F8 gemacht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Ecken und Ränder bei Aufnahmen mit der Leica M etwas besser als bei der Leica SL waren. Die Aufnahmen der SL waren hingegen weitaus besser als die der Sony A7II.

Ich werde einen weiteren Artikel mit einem Vergleich zwischen Sony A7II und Leica SL verfassen, Sean Reid hat hingegen schon einen detaillierten Vergleich zwischen der Leica M und der Leica SL mit M Objektiven veröffentlicht – zudem mehrere Tests mit Leica R Optiken. Den Artikel findet ihr hier: www.reidreviews.com.

Abendbrotzeit - Leica SL with Leica Summilux M Asph f1.4 28mm
Abendbrotzeit – Leica SL with Leica Summilux M Asph f1.4 28mm

Der Leica T zu M Adapter liest den 6-Bit Code der M Objektive automatisch – diese Informationen werden ebenfalls in die EXIF Daten geschrieben. Falls das Objektiv nicht codiert sein sollte, kann man es einfach im Profil-Menü auswählen.

Wie auch bei der Leica M werden bei der Leica SL die unterschiedlichen Objektivfehler auf Grundlage der Profile automatisch korrigiert. Dies funktionierte mit dem Prototyp bereits sehr gut – ich konnte keine Farbfehler oder Vignettierung entdecken.

Ich habe mehr Bilder mit meinen Leica M Objektiven gemacht als mit dem 24–90mm, meinen Leica R und T Optiken zusammen. Meine Favoriten waren

  • Das Leica Tri-Elmar M f4 16–18–21,
  • Das Summilux 28mm f1.4,
  • Summilux 50mm f1.4 ASPH,
  • Das APO-Summicron 75mm und
  • Das Makro Elmar 90mm mit dem Leica Makro Adapter M.Die Ergebnisse sind ausgezeichnet und mit denen der Leica M240 vergleichbar.

Während die Leica SL mit dem 24–90mm sehr klobig scheint – ähnlich einer Nikon D700 – macht sie mit den kleineren M Objektiven einen leichten aber sehr soliden Eindruck – man kann sie locker und sicher in einer Hand tragen.

Aber auch mit den größeren M Optiken macht die Kamera eine gute Figur, besonders mit dem Summilux 28mm f1.4 und wahrscheinlich auch mit dem 50mm Noctilux – leider hab ich meins verkauft.

Strand - Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1.4 35mm (FLE)
Strand – Leica SL mit Leica Summilux M Asph f1.4 35mm (FLE)

Die Leica SL im Praxistest

Regen und Rosa Trecker in Suffolk

Jedes Jahr findet in Suffolk ein Rennen historischer Traktoren speziell für Damen statt. Die Wohltätigkeitsveranstaltung für die Brustkrebsforschung läuft bereits seit 12 Jahren, nächstes Jahr werden wahrscheinlich 500.000 £ Spenden erreicht. Dieses Jahr nahmen ca. 160 Traktoren teil, einige über 60 Jahre alt, alle in pink dekoriert.

Seit vier Jahren bin ich der offizielle Fotograf der Veranstaltung. Eine interessante Herausforderung: Von allen Fahrerinnen (und ihren Traktoren) müssen gute Bilder an vier verschiedenen Orten gemacht werden. An jedem dieser Punkte fährt das Feld 25 Minuten lang vorbei – oft sehr schnell und dicht aufeinander. Jedes AF System neigt dazu, auf die Front des Treckers scharf zustellen statt auf den Fahrer. Hinzu kommt das typisch englische Wetter, es erfordert meist Arbeit mit offener Blende.

Natürlich darf keine Teilnehmerin ausgelassen werden, daher hat man für jede Aufnahme nur wenige Sekunden, um scharfzustellen und auszulösen. Noch anspruchsvoller wird es, da man auch die Blickkontakt zur Fahrerin braucht, das heißt einhändig fotografieren: Mit links winken, mit rechts auslösen.

Dieses Jahr regnete es an den ersten zwei Locations – kein leichter Landregen, sondern es schüttete wie aus Kübeln. Ich hatte keinen Assistenten, daher auch keinen Regenschirm und keine Möglichkeit mich unterzustellen. Also wurde die Leica SL und das 24–90mm Zoom nass – und zwar richtig nass.

Aber sie arbeitete ohne Probleme und nach 700 Aufnahmen war der Akku noch zu einem Viertel voll. Ich war auch richtig nass, hatte aber das erste mal seit Jahren keine einzige Aufnahme verpasst.

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Annie Chapman und Libby Searle auf dem „Pink Ladies tractor Run“ - Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90
Annie Chapman und Libby Searle auf dem „Pink Ladies tractor Run“ – Leica SL mit Leica Vario Elmarit f2.8-f4 24-90

Spät abends auf einer Hochzeitsfeier

Im Juli waren wir zu einer Hochzeitsparty eingeladen, kurz bevor ich das ersten Leica SL Vorserienmodelle abgeben musste. Der offiziell gebuchte Hochzeitsfotograf war schon früh gegangen, also habe ich übernommen und Bilder von der Party und den Gästen gemacht. Es war spät abends und das Meiste spielte sich draußen ab – Lichtquellen waren lediglich einige Kerzen und das Feuerwerk, es war also wirklich dunkel.

Ich hatte das 24–90 mm Zoom nicht dabei, dafür habe ich das 50mm und 75mm Apo-Summicron genutzt. Die Aufnahmen sind meist mit Offenblende entstanden bei ISO-Werten zwischen 1.600 und 6.400

Manuell zu fokussieren hat gut funktioniert, auch in diesen schwierigen Lichtverhältnissen. Meist habe ich Fokus Peaking genutzt, die Ergebnisse waren gut: Braut und Bräutigam waren sehr zufrieden!

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob der AF im Nachverfolgung-Modus gut genug für Sportfotografie ist, aber mit dem 24–90mm Zoom und einigen Leica-M Objektiven ist es eine hervorragende und professionelle Kamera für Hochzeitsfotografie.

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Liebe und Sterne - Leica SL mit Leica APO Summicron M Asph f2 50mm
Liebe und Sterne – Leica SL mit Leica APO Summicron M Asph f2 50mm
Party Time - Leica SL mit Leica APO Summicron M Asph f2 50mm
Party Time – Leica SL mit Leica APO Summicron M Asph f2 50mm

Staub und Hitze auf Kreta

Meine Frau und ich fahren jedes Jahr im Spätsommer nach Südwest-Kreta, um unsere Akkus aufzuladen und etwas Sonne zu tanken. An unserem Urlaubsort reicht das Gebirge bis an die See, die meisten Dörfer haben keine Straßen, daher bleibt nur das Boot oder der Weg zu Fuß, um sich dort zu bewegen.

Wir wandern und fotografieren viel. Dieses Jahr war es extrem heiß (knapp 40°C) und es ist dort immer äußerst staubig. Ich habe die Kamera ständig in der Hand (sie aus dem Rucksack zu kramen, dauert oft zu lange), daher bekam die Leica SL immer wieder Salzwasser, Schweiß und eine reichliche Ladung Staub ab. Wie immer wird die Lackierung einiger Linsen in Wetzlar erneuert werden müssen.

Einmal mehr bewies sich die Leica SL als widerstandsfähiger und treuer Begleiter. Mein iPhone hat mehrfach die Arbeit eingestellt (mit der Meldung, es müsse sich erstmal abkühlen) – die Leica SL dagegen tat klaglos ihren Dienst. Es mussten nur einmal die Buttons auf der Rückseite ausgespült werden, da sie durch das Salzwasser etwas schwergängig wurden.

Die Leica SL nach drei Wochen auf Kreta (Ließ sich leicht wieder reinigen)
Die Leica SL nach drei Wochen auf Kreta (Ließ sich leicht wieder reinigen)
Kameras bei Sonnenuntergang (mit Emma) - Leica SL mit Leica Tri Elmar M f4 16-18-21 bei 18mm
Kameras bei Sonnenuntergang (mit Emma) – Leica SL mit Leica Tri Elmar M f4 16-18-21 bei 18mm

Fazit

Ich glaube, dass diese Kameras viele überraschen wird. Besonders diejenigen, die mit einer Art Leica Q mit Wechselobjektiven gerechnet haben. In Wahrheit hat sich Leica entschieden, keinen direkten Konkurrenten zur Sony A7 zu bauen, sondern ihre erste ernstzunehmende spiegellose Systemkamera. Die Leica SL hat viele Eigenschaften, die sonst den professionellen Top-Kameras vorbehalten sind (2 SD-Karten Slots, gründlich wettergeschützt usw.). Sie sieht aus und fühlt sich an wie eine Kamera, die wirklich in die Mangel genommen werden kann – und ich habe mich zwei Monate angestrengt, sie wirklich in die Mangel zu nehmen.

Es kursieren einige unscharfe Bilder im Internet, die angeblich die Leica SL darstellen, sie werden ihr aber in keiner Weise gerecht. Das Leica Design-Team hat meiner Meinung nach einen hervorragenden Job gemacht: Sie ist unglaublich gut durchdacht, mit allen Eigenschaften, die ein ernsthafter Fotograf braucht, aber konzentriert auf das Wesentliche.

Eine Kamera mit einem Objektiv ist noch kein System – und es wäre naiv zu glauben, dass Profi-Fotografen ihre Canon/Nikon/Sony Ausrüstung abgeben, um auf die Leica SL umzusteigen. Wenn man aber in der Lage ist, manuell zu fokussieren, ist die SL schon ein echtes System, mit einer Riesenauswahl an M und R Objektiven, für die Vignettierung und Farbverschiebung korrigiert werden. Noch besser ist die Situation für Leica S Besitzer, die Bildqualität mit S-Optiken sollte für Vollformat-Kameras unschlagbar sein. Wie gut der AF von S-Objektiven an der Leica SL funktioniert, bleibt abzuwarten, die Leica S (Typ 007) zeigt aber, dass schneller AF mit diesen Optiken möglich ist.

Auf meiner Wunschliste stand auch eine Bildstabilisierung in der Kamera. Aber nachdem ich mit Leica M und R Objektiven fotografiert habe, glaube ich, dass Größe und Design der Kamera und die weiche Auslösung dafür sorgen, dass sich auch bei längeren Belichtungszeiten einfach fotografieren lässt.

Waschmusik - Leica SL mit Leica 90mm Makro Elmar f4 und Macro Adapter M
Waschmusik – Leica SL mit Leica 90mm Makro Elmar f4 und Macro Adapter M

Es werden immer noch tausende von Leica R Objektiven aktiv eingesetzt – man muss nur die Gebrauchtpreise für einige dieser Optiken verfolgen, um zu sehen, wie begehrt sie sind. Zur Zeit werden sie meist an Canon, Sony und Nikon Kameras adaptiert. Die Leica SL bietet eine bessere Option an, um Leica R Optiken zu nutzen. Ich kann mir vorstellen, dass viele Profis und ambitionierte Amateure eine Leica SL kaufen, um das ganze Potential ihrer Objektive auszuschöpfen. Danach ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch echte Leica SL Objektive zu kaufen. Einmal getestet ist die Qualität von Kamera und Objektive einigermaßen suchtbildend.

Ich persönlich liebe die Arbeit mit der Leica SL. Das außergewöhnliche Design fand ich schnell sehr angenehm und die Arbeit mit der Kamera ist ein reines Vergnügen: Immer bereit, reaktionsschnell, alle notwendigen Funktionen ohne unnötigen Schnickschnack. Tolle Bildqualität und wunderbares Zusammenspiel mit alten Leica Objektiven.

Ich weiß nicht, ob die Leica SL ein Erfolg wird. Leica macht mit ihr einen mutigen Schritt und sendet ein Signal an die Fotoindustrie, sich einen deutlichen Marktanteil zu sichern. Was ich hingegen sicher weiß: Ich werde mir eine kaufen, sobald sie in den Handel kommen.

Hunds-Rose - Leica SL mit Leica Macro Elmarit R f2.8 60mm
Hunds-Rose – Leica SL mit Leica Macro Elmarit R f2.8 60mm

Dank an

  • An Bill Rosaeur, Stefan Daniel und James Lager für historische und technische Informationen
  • An Steffen Skopp für seine Geduld mit so vielen Fragen
  • An Emma Slack, dass sie so viele Gespräche über Fototechnik erträgt

Dank auch an Sean Reid von Reid Reviews für so viele interessante Diskussionen in den letzten Monaten. Sean wird eine Reihe von ausführlichen Artikeln über die Leica SL veröffentlichen, mit Tests sowohl im Studio als auch in der freien Wildbahn. Ihr findet seine Artikel unter www.reidreviews.com.

Über diesen Beitrag

Dieser Beitrat ist nicht als kritischer Test gedacht. Meine Loyalität als Beta-Tester gilt zunächst Leica. Andererseits bin ich hoffentlich ein ehrlicher Berichterstatter: Ich schreibe nichts, wovon ich nicht wirklich überzeugt bin und lasse nichts aus, was ich für wichtig halte. Natürlich mache ich auch ausführliche Tests, die aber Leica und mir vorbehalten bleiben. Ich habe mich jedenfalls intensiv mit der Kamera auseinandergesetzt (in diesem Fall ca. 4.000 Aufnahmen). Ich teste sie unter möglichst viel unterschiedlichen Aufnahmesituationen, was sich hoffentlich auch in den Aufnahmen zu diesem Artikel widerspiegelt.

Was ich auch erwähnen möchte: Ich werde für diesen Artikel von niemandem bezahlt. Abgesehen von Fehlerkorrekturen nimmt niemand Einfluss auf irgendetwas, was ich schreibe – alles mein Werk und niemand anderes dafür verantwortlich!

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8 Comments

  1. […] Leica SL Objektive Leica SL Review von Jono Neues Leica SL Forum Leica SL […]

  2. […] Außenwelt. Der GPS Empfänger schreibt die aktuelle Position der Kamera in die EXIF Daten. Laut Jonos Testbericht funktioniert das schnell und […]

  3. […] Leica SL Infos Leica SL Review von Jono Neues Leica SL Forum Leica SL […]

  4. What I like most about this report: the photographs – they are truly beautiful and rather excellent!
    I have used Leica for 45 years, now I have been using a Japanese product for some eight years. For the recent years Leica SL is exactly what I have been waiting for (except for its price … ). This is for the first time I feel tempted to change back to Leica again.
    Felix

  5. Das Leica sein AF Correfot an Minolta verkauft haben soll, duerfte wohl nicht so ganz stimmen. Minolta hat sich mit Honeywell gerichtlich ueber diese Erfindung gestritten!
    Die erste AF digitale DSLR war eine CONTAX, die aber erst nicht am Markt gezeigt wurde. Mit der Contax N digital kam dann diese erst 1982 auf den Markt.

    Also, mal schoen langsam mit den Leica-Pferden!

  6. Meine 350 € Sony HX400V schreibt die GPS Infos auch In die EXIF Daten. So what?

  7. […] Betatester Jono Slack hat sich die neue Leica intensiv angeschaut – Leica SL – Erster Te… […]

  8. Toller Artikel,
    (Leica ist da immer etwas kryptisch, was die eigentlichen Leistungen und Gesamt-Übersichten angeht)
    hatte mir Anfang der 90er eine R3 und ein Summicron-R 90mm gebraucht gekauft. Es war eine Lust damit auch in Helligkeitsbereichen (zu meiner Schande: zu Knipsen) damit Bilder (aus der Hand) zu machen, wo andere ihren Blitz ‚herausgekrümelt‘ haben (leider später wieder verkauft – Zeit/Kosten/andere Prioritäten).
    Diese neue SL weckt wieder das Fieber in mir.
    Kosten: ist halt Qualität – wer keine Hitze verträgt, gehört nicht in die Küche (GPS – € 350 bla bla). Und € 7.000 für den Body sind kein Pappenstiel, aber ein gutes Gesamtkonzept für bestehenden Objektivbestand. Störend finde ich allerdings die fehlende Tunderbold-Variante, USB 3.0 hat auch seine Mängel zu USB 3.1 (fehlende exakte Spezifikationen).
    Gruß Wolfi

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