Wie kann man RAW Daten der Leica T bearbeiten und die Objektivkorrektur vermeiden? Diese Fragen beantwortet Jono Slack mit seinem Workflow, den er auf seiner Website veröffentlicht hat und den wir mit seiner freundlichen Erlaubnis hier übernehmen (Übersetzung Andreas Jürgensen):

RAW Workflow mit Leica T

Da die Leica T jetzt ausgeliefert wird, schien es mir sinnvoll, diesen kurzen Artikel über meinen RAW Workflow zu schreiben – der hoffentlich hilfreich ist. Im Voraus direkt die Bitte um Vergebung – ich bin kein großer Technikexperte, und dieser Artikel richtet sich an Nutzer mit einem ähnlichen Erfahrungslevel.

Es gibt zwei Probleme, für die dieser Artikel eine einigermaßen einfache Lösung anbietet:

Problem #1: Apple Aperture (und iPhoto) unterstützen bislang noch keine DNG Dateien aus der Leica T

2014-iridient_leicatDie Leica T wird mit einer kostenlosen Version von Adobe Lightroom ausgeliefert – was gut und schön ist, wenn man Adobe Lightroom mag. Allerdings gibt es auf dem Markt zwei große DAM (Digital Asset Management) Softwarepakete: Apple Aperture ist auch beliebt, unterstützt aber nicht die Version DNG Dateien (1.3), die Leica sowohl für die Leica T als auch die Leica X Vario einsetzt. Das wird sich wahrscheinlich in der Zukunft ändern – da es aber ein Jahr gedauert hat, bis die Monochrom unterstützt wurde und die X Vario immer noch nicht unterstützt wird, ist es sicher eine gute Idee, hier eine Lösung anzubieten.

Ich denke übrigens, dass dies Apples Fehler ist: Sie behaupten zwar, DNG zu unterstützen – dies gilt aber nur für den ursprünglichen Standard von vor 2012. Version 1.3 wird allgemein genutzt, wird aber von Apple nicht unterstützt – weder im Betriebssystem noch in Aperture oder iPhoto.

Problem #2: Objektivkorrekturen sind schon in JPG, Lightroom und Adobe Camera RAW angewendet

Das ist zunächst einmal eine gute Sache, so sind kleinere Objektive und bessere Bilder möglich. Eingeführt wurde dies von Hasselblad für ihr 28mm Objektiv, mittlerweile ist dieses Verfahren weit verbreitet.

Die Grundidee ist, dass in der Bildbearbeitung weder kissen- noch tonnenförmige Verzeichnung rausgerechnet werden müssen – dem Bildprozessor wird einfach mitgeteilt, welche Brennweite und Blende genutzt wurden und die Software kümmert sich um den Rest. Der Nachteil ist ein leichter Verlust an Auflösung in den Bereichen, in denen das Bild „gedehnt“ wird. Das ist zwar meist kein Problem, aber in einigen Situationen (z.B. Landschaft) ist es nicht unbedingt notwendig, die Verzeichnung zu korrigieren – es wäre aber wertvoll, die maximale Auflösung zu haben.

Weder Lightroom noch Adobe RAW lassen die Möglichkeit, diesen Schritt auszulassen. Und Aperture liest natürlich nur die JPEGs, wo die Korrekturen schon während der Aufnahme durchgeführt wurden.

Die Rettung: Iridient

Iridient gibt es schon seit 2004, die Software ist ein anerkannt guter RAW Konverter, der vor allem dafür bekannt ist, die beste Detailauflösung aus Bilddaten herauszuholen. Er ist vor allem bei Fuji-Fotografen beliebt, da er hervorragend mit dem XTRANS Sensor zusammenarbeiten.

Iridient ist einfach zu bedienen und sehr effizient – und hat die Option, die Objektivkorrekturanweisungen aus den DNG Daten entweder zu nutzen oder zu ignorieren.

Die aktuelle Iridient Version 2.4 hat zudem eine Reihe von gut durchdachten Optionen, um sowohl in Adobe Lightroom als auch Apple Aperture integriert zu werden.

Erstmal als Plugin

Man kann Iridient als externen Editor sowohl in Aperture als auch Lightroom auswählen. Dabei gilt es einen speziellen Kniff zu beachten: Wenn man ein Plugin nutzt oder einen externen Editor, wird Aperture eine TIFF Datei erzeugen, die das externe Programm dann nutzt. Wenn man dann zu Aperture oder Lightroom zurückkehrt, wird diese Datei zusätzlich zum Original angezeigt.

Der Kniff: Wenn man Iridient als externen Editor auswählt, wird Aperture wie üblich ein TIFF erzeugen.

Allerdings wird Iridient nach einer RAW Datei im gleichen Order suchen und wird dieses statt der TIFF Datei nutzen – so kann man RAW Datein in Iridient verwenden. Wenn man in Iridient fertig ist, gibt es eine Menü-Option, durch die Iridient das TIFF überschreibt, dass Aperture angelegt hat – mit allen vorgenommen Änderungen und ohne Objektivkorrektur (falls gewählt).

Es gibt jedoch eine Reihe von Einstellungen, die in Aperture und Iridient geändert werden müssen.

Iridient für die Zusammenarbeit mit Aperture einrichten

Einstellungen Iridient

2014-06-jono_iridient_1

Die wichtige Checkbox ist hier „Find and Load RAW for TIFF, JPEG, PNG, PSD file open events“. Das heißt, dass Iridient die durch die Leica T erzeugte DNG Datei öffnet, anstatt das durch Aperture generierte TIFF.

Einstellungen Aperture

2014-06-jono_iridient_2

Hier muss Iridient Developer als „Externes Bearbeitungsprogramm für Fotos“ eingerichtet werden: Einfach auf den Button klicken und Iridient aus dem Programme Ordner auswählen. Man kann zwar 16bit TIFF als Dateiformat wählen, da die Datei sowieso überschrieben wird, kann man auch bei 8bit bleiben, was schneller ist.

Leica T Dateien in Aperture importieren

2014-06-jono_iridient_3

Die Leica T sollte so eingestellt werden, dass sie DNG + JPG aufnimmt. Ich nutze immer die beste JPEG Qualität, da sie qualitativ oft ausreichen sind. Beim Import in Aperture sollte man den Import der JPEG wählen: Aperture zeigt keine Thumbnails für DNGs an, Man sollte RAW+JPEG Paare wählen und „beide importieren“ und JPG als Original.

Das funktioniert gut: Wenn Apple dies endlich hinbekommt, kann man einfach auf das Bild (oder mehrere) rechts klicken und „RAW als Master“ auswählen.

Bildbearbeitung mit Iridient

2014-06-jono_iridient_4Um das Bild zu bearbeiten einfach auf die JPG Datei in Aperture klicken und „mit Iridient Developer bearbeiten“ auswählen, dann lassen sich die gewünschten Änderungen in Iridient vornehmen. Wenn die Datei fertig bearbeitet wurde, auf „File“ klicken und die Option „Process Image and Overwrite (Std Image)“ wählen, Iridient wird dann die TIFF Datei überschreiben, die Aperture aus dem JPEG generiert hatte – DNG und Original JPEG bleiben unverändert (siehe unten).

Zurück in Aperture

2014-06-jono_iridient_5

Auf diese Weise hat man jetzt sowohl das Original-JPEG (mit Änderungen die man ggf. vorher gemacht hatte) als auch eine bearbeitete TIFF-Version, die Iridient aus dem DNG erzeugt hat.

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