Wie schon in den letzten photokina Jahren haben sich am Messe-Samstag der Vorstandsvorsitzende der Leica Camera AG und vier Produktmanager den Fragen des Leica Forums gestellt:

  • Maike Harberts
  • Jesko v. Oeynhausen
  • Stephan Schulz
  • Stefan Daniel
  • Alfred Schopf
  • Jean-Jacques Viau

Frage: Bei welchen konkreten Entwicklungen hat Leica Wünsche aus seiner Kundschaft bewusst berücksichtigt und in welcher Form?

Stefan Daniel: Die LEICA M und die LEICA S sind Produkte umfangreicher Marktforschung und Befragung von Kunden, alles ist in die Entwicklung eingeflossen. Wenn dies manchmal anders aussieht, liegt das an technischen Restriktionen, die sich erklären lassen. Wir richten uns nach dem, was die Kunden wünschen, gemixt mit dem, was wir uns ausdenken.

Alfred Schopf: Beim letzten photokina Treffen wurde nach einer R-Lösung gefragt, ich durfte damals nichts sagen, weil Leica ein börsennotiertes Unternehmen ist. Als ich nur sagte „Wir könnten uns vorstellen, dass es was gibt“, kam als Gegenfrage „Erlebe ich das noch?“ Jetzt stellen wir die LEICA M mit dem R-Adapter vor. Das zeigt, das wir auf die Fragen aus dem Forum reagieren

Frage: Wird Leica wieder primär hochwertiges Fotogerät für den ‚Normal-Fotografen‘ zu erschwinglichen Preisen anbieten sich noch mehr an der Zielgruppe „Oligarchen, Gasbarone, Nabobs und neureiche Chinesen“ ausrichten?

Alfred Schopf: Lassen Sie mich einen Artikel über unseren Auftritt zitieren:

„Leica scheint der einzige Hersteller zu sein, die begriffen hat, dass es eigentlich um schöne Bilder geht und weniger um Technik und Technologie.“

Das ist das, was wir hier auf der Messe zeigen wollen. Schauen Sie sich die Galerie und nehmen Sie sich viel Zeit für die inhaltlich ausdrucksstarken und tollen Bilder. Was wir machen, sind Geräte, die das ermöglichen sollen. Auf den Rest der Messe wird mit Megapixeln o.ä. argumentiert und kaum Bilder gezeigt – bei uns sind ⅔ des Stands Bilder und nur ⅓ Produkte.

Wenn Sie sich auf dem Stand umschauen, vielleicht waren Oligarchen dabei – sie haben sich abernich zu erkennen gegeben. Hier sind vor allem ganz normale Leute, die sich Leica Produkte leisten können oder leisten wollen. Mit der LEICA M-E haben wir unter dem Motto „Pure Rangefinder Photography“ eine Kamera vorgestellt, die im wesentlichen eine M9 ist, aber puristisch auf die Bedürfnisse der Fotografen zugeschnitten ist.

Frage: Kommt noch die vor einiger Zeit annoncierte EVIL-System-Kamera?

Stefan Daniel: Prinzipiell spekulieren wir nicht. Das Interview, aus dem dieses Gerücht stammt, war sehr unglücklich, das Wort wurde im Munde umgedreht, unseres Erachtens war das journalistisch nicht ganz sauber. Wir wissen, dass es noch Luft gibt zwischen X2 und M, preislich wie in der Anwendung. Zu Produkten in der Zukunft sagen wir aber prinzipiell nichts.

Alfred Schopf: Die Frage war damals: Bekommen wir von Leica „Live View“? 
Die Antwort haben wir jetzt mit der LEICA X2 und der LEICA M gegeben.

Frage: Ist etwas ähnliches wie die Leica Digilux 2 geplant?

Stefan Daniel: Kein Kommentar zu zukünftigen Produkten.

Frage: Wann kommt ein Firmware-Update für die X2, das Auto ISO mit kürzeren Belichtungszeiten ermöglicht?

Maike Harberts: Wir hatten ein Firmware Update nach der Einführung, wir planen derzeit ein weiteres Update, in dem u.a. dies geändert werden soll.

Frage: Werden die M7 und die MP weiter gebaut?

Stefan Daniel: Ja, die M7 und MP werden weiter produziert. Wir haben eine stabile Nachfrage. Solange das so bleibt, werden wir die Kameras weiter anbieten.

Alfred Schopf: Nächstes Jahr haben wir 100 Jahre Leica, da werden wir die analoge M nicht gerade einstellen.

Frage: Wird die M-Monochrom in Zukunft ein ständiger Bestandteil des M-Systems sein?

Stefan Daniel: Diese Baureihe mit dem Grundprinzip wollen wir beibehalten. Die Monochrom ist sehr erfolgreich, wir können uns vorstellen, dass es von einem neuen Modell auch eine Monochrom Variante geben wird. Die Kamera hat einen starken Suchtfaktor.

Alfred Schopf: Wir liefern erst seit August in die Märkte, daher gibt es noch nicht viele praktische Erfahrungen mit der Kamera. Die, die sie in der Hand hatten, ist die Reaktion euphorisch bis enthusiastisch.

Frage: Wie steht Leica heute dazu eine M9 aufzurüsten auf eine M9.2 / 10 oder mögliche Varianten? Wann werden die Upgrade-Pakete M9 bzw. M9-P auf M-Monochrome offiziell angeboten und mit welchen Preisen muss der Leica-Kunde rechnen?

Stefan Daniel: Es gab bei Leica eine Tradition, Leica I auf Leica III und IIIc auf IIIf. Bei Leica M8 auf M8.2 haben wir dies auch angeboten, allerdings ist ein Upgrade bei digitalen Kameras nicht so einfach, da die Schnittstellen der einzelnen Komponenten eng verknüpft sind. Daher kann man nicht einfach einen Sensor gegen einen anderen austauschen. Elektronik, Display, Batterie. Man müsste eigentlich die komplette Kamera austauschen.

Dies gilt ebenso für die Monochrom: Die Hardware und Elektronik unterscheiden sich komplett von der Leica M9, der Preis für ein Update wäre ca. ⅔ des Monochrom Neupreises. Kostenmäßig ist das in unseren Augen Unsinn.

Frage: Was genau ist das Probleme mit den M8 Displays?

Stefan Daniel: Es gab bei einer einzelnen Charge des LEICA M8 Displays einen Defekt, der zu dem als „Kaffeefleck“ bzw. „Coffee Stain“ genannten Fehler führen kann. Die Kamera ist dann noch funktionsfähig, alle Menus lassen sich einstellen, sieht aber nicht schön aus.

Als das Problem das erste mal auftauchte, war die Produktion des Displays durch den Lieferanten bereits eingestellt. Leica konnte daher nicht nach ordern. Es wurden dann die vorhandenen Bestände sortiert, aus den nicht betroffenen Displays wurden M8 repariert, bis diese aufgebraucht waren. Parallel hat Leica sich bemüht, eine eigene Lösung zu entwickeln, indem ein anderes Display mit gleichen Maßen an die LEICA M8 Elektronik angepasst wurde. Dies war „nicht vielversprechend“, da es stark flimmerte. Es war somit keine Leica adäquate Lösung.

Daher bieten wir den kostenlosen Umtausch in eine Leica M9 an, wenn sich die M8 noch in Garantiezeit befindet. Außerhalb der Garantiezeit wird der Umtausch gegen eine Zuzahlung angeboten. Die Höhe der Zuzahlung richtet sich nach dem Alter der Kamera. Je näher an der Garantie, desto günstiger. Das ist keine schöne Lösung, so etwas soll in der Zukunft vermieden werden.

Das Leica M9 Display sieht aus wie das der LEICA M8, ist aber ein anderes Modell und von einem anderen Hersteller.

Frage: Warum können keine anderen Displays verbaut werden?

Stefan Daniel: Die im Forum recherchierten Displays mit gleichen Spezifikationen lassen sich nicht verbauen, da sie nicht mit der Elektronik der LEICA M8 zusammenarbeiten.

Jesko v. Oeynhausen: Es gab wie gesagt ein Ersatzdisplay, die Qualität war aber nicht ausreichend.

Frage: Wie viele Fälle sind bislang aufgetreten?

Stefan Daniel: Das fehlerhafte Display wurde nur in wenige 100 Kameras eingebaut bei mehreren 10.000 Kameras, die produziert wurden. Der Fehler tritt somit maximal im Prozent-Bereich auf. Wer dieses Problem hat, soll sich an den Customer Care wenden, er wird dann das Angebot erhalten.

Frage: Wie hoch ist der Preis für das Update?

Jesko v. Oeynhausen: Es ist auf jeden Fall ein attraktives Angebot – günstiger als sonst.

Jean-Jacques Viau: Preise, die anfangs im Leica Forum genannt wurden, waren überhöht und entsprachen nicht den offiziellen Leica Preisen. Dies ist mittlerweile weltweit angeglichen.

Frage: Sind genaue Seriennummer Bereich bekannt, in denen der Kaffeefleck auf taucht?

Stefan Daniel: Nein, es gibt keine Verbindung zwischen Seriennummer und der fehlerhaften Display Charge.

Frage: Wodurch entsteht der Kaffeefleck?

Stefan Daniel: Anscheinend ist es so, dass durch Hitze das Problem verstärkt wird.

Frage: Ist die M8.2 auch betroffen?

Stefan Daniel: Ja, M8.2 sind auch betroffen, das Problem trat während des Übergangs zwischen M8 und M8.2 auf.

Frage: Gilt die Garantie auch, wenn das Display einen anderen Schaden hat?

Stefan Daniel: Ja, auch dann tritt die Austauschregelung in Kraft.

Frage: Ich habe eine M8 mit kaputtem LCD und kein Geld für den angebotenen Aufpreis zur M9. Was tun?

Andreas Jürgensen: Dies ist keine offizielle Leica Antwort: Ich würde die Leica M8 mit Hinweis auf Upgrade Programm im Leica Forum Gebrauchtmarkt verkaufen, quasi als Gutschein für eine verbilligte LEICA M9.

Frage: Ist die Versorgung mit Akkus für die M Kameras gesichert?

Stefan Daniel: Der Akku für die LEICA M basiert auf Standardzellen, die auf dem OEM Markt absolut gängig sind. Dadurch ist die Versorgung auch langfristig sicher. Der Akku der LEICA M-E ist identisch zu Leica M8 und LEICA M9, da sie auf der M9 basiert.

Frage: Bitte ein Statement zur „lebenslange Reparatur-Garantie“, die vor einigen Jahren im Marketing kommuniziert wurde.

Stefan Daniel: Diese Aussage können wir nicht aufrecht erhalten, es ist hoffnungslos, lebenslang oder über Jahrzehnte eine Garantie aufrechtzuerhalten. Unser Ziel ist es: Mindestens 10 Jahre nach Produktauslauf reparieren, darauf ist z.B. die Ersatzteil-Bevorratung ausgelegt.

Frage: Wird die M9/M9-P noch gebaut?

Stefan Daniel: Nein, sie wird ab sofort nicht mehr gebaut, die letzten wurden Juli/August produziert.

Jesko v. Oeynhausen: Im Handel sind noch welche verfügbar, bei Leica gibt es keine Bestände mehr.

Frage: Wie viele Leica M9 wurden gebaut?

Stefan Daniel: Dazu machen wir keine konkreten Angaben, um die Konkurrenz nicht zu informieren. Die Stückzahlen waren aber ähnlich wie in „zu besten Analogzeiten“.

Frage: Wird die Kamera denn als Erfolg angesehen?

Stefan Daniel: Die Kamera war extrem erfolgreich, durch sie haben wir vor allem neue Kunden hinzugewonnen.

Frage: Wird es die LEICA M-E auch in anderen Farben geben?

Jesko v. Oeynhausen: Die Leica M-E wird es nur in anthrazit geben.

Nachfrage: Wird es sie in schwarz-chrom geben?

Jesko v. Oeynhausen: Nein.

Frage: Kann man das Logo an der M-E weglassen?

Stefan Daniel: Nein, das ist nicht geplant. Dies ist auch nicht sinnvoll, da hinter dem Logo eine Schraube sitzt.

Frage: Warum ist die LEICA M-E schon verfügbar, obwohl die Monochrom schon im Mai angekündigt wurde und erst in sehr geringen Stückzahlen am Markt ist?

Alfred Schopf: Die Leica Monochrom ist ein ganz neues Produkt, daher haben wir einen längeren Vorlauf gebraucht, um sie produktionsfähig zu bekommen.

Frage: Wird es noch ein Leica M9 Firmware Update geben, um die Speichergeschwindigkeit zu erhöhen?

Jesko v. Oeynhausen: Die Speichergeschwindigkeit der LEICA M9 lässt sich per FW Update nicht mehr erhöhen, zukünftige Updates wird es nur für neue Objektive geben.

Stefan Daniel: Neue SD Karten reagieren sehr empfindlich auf Spannungsschwankungen während des Schreibvorgangs. Wenn in der M9 der Prozess anläuft, den Sensor auslesen, Verschluss öffnen und schließen, aufziehen und schreiben auf die Karte, kam es zu Spannungseinbrüchen, die wiederum zu den Abstürzen geführt haben. Leica hat diesen Ablauf entzerrt, damit es keine Abstürze gibt, daher ist der Prozess etwas langsamer, um die Schreibsicherheit zu erhöhen.

Nachfrage: Was kann der Leica M9 Fotograf tun, wenn er keine neuen Karten nutzen will?

Stefan Daniel: Ein Downgrade auf alte FW-Versionen ist möglich.

Andreas Jürgensen: Im Forum können wir alte Firmware Versionen zum Download anbieten.

Frage: Welche Eigenschaften hat der CMOSIS Sensor der LEICA M?

Jesko v. Oeynhausen: Der Sensor wurde speziell für M und R Objektive entwickelt, das ist auch der Grund, warum Leica sich für CMOSIS entschieden hat. Die optische Rechnung der M-Objektive ergibt die Eigenschaft, dass Strahlen teilweise sehr flach auf den Sensor einfallen, daher war ein sehr flaches Pixel-Design notwendig.

Einige Leistungsvorteile des Sensor:

  • Er ist sehr stromsparend, dadurch können mit einer Akku-Ladung wesentlich mehr Bilder gemacht werden.
  • Er hat eine geringe Erwärmung, dadurch wird ein geringeres Rauschen erzeugt.
  • Die Rauscheigenschaften sind herausragend gut, Bildbeispiele stellt Leica zur Verfügung, sobald die Entwicklung abgeschlossen ist. Selbst bei ISO 6400 liefert er sehr gute Ergebnisse.

Alfred Schopf: Das Chip Design gehört der Leica Camera AG, dadurch kann der Chip überall auf der Welt produziert werden. Leica war es wichtig, gemeinsam mit dem MAESTRO Prozessor, einen Sensor zu bekommen, der optimal auf die Objektive abgestimmt ist und an denen Leica alle Rechte hält („Intellectual Property“). CMOSIS ist ein sehr erfahrenes Systemhaus, das schon lange Sensoren entwickelt. Das eigene Chip Design stellt einen großen Schritt in Richtung Systemsicherheit auch für die Leica Kunden dar.

Frage: Wird die Zusammenarbeit mit Jenoptik fortgesetzt?

Stefan Daniel: Wir haben jetzt den kompletten Ablauf in der Hand: Objektiv, Sensor, Prozessor bis zum Schreiben auf die Karte: Dies ist uns wichtig, weil wir diese Kernkompetenz im Haus haben wollen. Die SD-Karten Problematik war ein Jenoptik Thema. Es ist nicht so einfach, derartige Probleme zu lösen, wenn man das nicht im eigenen Haus machen kann.

Jenoptik baut weiterhin die Elektronik für die LEICA M-E und Monochrom und ist Montagelieferant: Sie verbinden die Sensoren mit der Elektronik, nehmen sie in Betrieb und schicken sie zur Montage nach Solms. Jenoptik ist jetzt demnach Unterlieferant, nicht mehr Entwicklungspartner. Sie sind ein zuverlässiger, toller Partner, die gute Qualität geliefert haben, die Zusammenarbeit hat allen Beteiligten Spaß gemacht.

Jesko v. Oeynhausen: Die Sensorelektronik der neuen LEICA M kommt nicht nicht von Jenoptik.

Frage: Hat die LEICA M einen neuen Verschluss?

Jesko v. Oeynhausen: Ja, sie hat einen neu entwickelten Verschluss, da wir einen Verschluss brauchen, der im Live View Betrieb offen steht und im Sucherbetrieb geschlossen. Der Verschluss klingt daher anders: Schneller und sanfter. Er hat eine andere Charakteristik, die jeder selber beurteilen muss.

Frage: Woher stammt der EVF2?

Stefan Daniel: Der EVF2 wird von Oly bezogen, da er die beste Qualität am Markt bietet. Leica hat keine Notwendigkeit gesehen, selber einen zu entwickeln.

Frage: Ist der Zubehörschuh identisch zu PEN?

Jesko v. Oeynhausen: Ja.

Maike Harberts: Wer einen Olympus Viewfinder hat, kann sich eine Leica M oder eine X2 darunter kaufen. Es ist der gleiche elektronische Sucher wie bei der X2.

Frage: Ist die Schnittstelle zum EVF upgradebar?

Stefan Daniel: Es ist unser Ziel, dass Sucher und Kamera untereinander auch in Zukunft austauschbar sind.

Frage: Denkt Leica über ein mögliches AF-System für die M nach?

Alfred Schopf: Denken tun wir den ganzen Tag [Lachen im Publikum] No comment on future products.

Frage: Was spricht gegen eine zusätzliche einfache „Einsteiger-Leica“ mit den folgenden Eigenschaften?Preis unterhalb 3000 Euro, M-Bajonett, Sensor im KB-Format, Fertigung in Kooperation mit einem Partner unter Leica-Qualitätsmaßstäben

Stefan Daniel: Eine derartige Kamera würde uns sicher einen anderen Markt erschließen. Wenn wir allerdings die Leica Qualitätsmaßstäbe anlegen, ist so eine Kamera zu diesem Preis nicht realisierbar.

Die Einsteiger Leica ist eine gebrauchte Leica. Oder jetzt eine LEICA M-E – basierend auf der M9. Die Werkzeuge sind bezahlt, so können wir den Preisvorteil an den Kunden weitergeben.

Frage: Warum wurde an der neuen „M“ und der „M-E“ der Bildfeldwähler wegoptimiert?

Stefan Daniel: Auf diese Weise lassen sich für die Mechanik gewisse Kosten einsparen. Die Kamera spiegelt trotzdem natürlich den richtigen Rahmen ein.

Jesko v. Oeynhausen: Mein Tipp: Um sich einen anderen Sucherrahmen anzuschauen. kann man den Kameradeckel in unterschiedlichen Positionen ansetzen.

Frage: Wie ist die Funktionsweise des Adapters für R-Objektive? Überträgt er bestimmte Funktionen, z.B. zur Belichtungsautomatik oder zur Objektiverkennung?

Jesko v. Oeynhausen: Im Adapter ist keine Elektronik eingebaut, es ist ein rein mechanischer Adapter. Er hat eine Objektivkodierung, dadurch erkennt die Kamera, dass der R-Adapter aufgeriegelt ist. Im Menu erscheint dann eine Auswahl mit ca. 20 R-Objektiven. Diese sind mit der LEICA M getestet und kalibriert worden, um einwandfreie Qualität sicherzustellen. Das heißt nicht, das andere R-Objektive schlechte Ergebnisse erzielen. Es sind alle Brennweitenbereiche abgedeckt, so dass mit der Einstellung eines ähnlichen Objektivs gute Ergebnisse erzielen lassen. Ob mehr Objektive aufgenommen werden, hängt von der Marktresonanz ab.

Frage: Gibt es Tests oder Empfehlungen von Leica, ob das M-Bajonett mit R-Adapter auch für schwere R-Objektive sicher zu benutzen ist?

Jesko v. Oeynhausen: Ja, die neue M wurde von Grund auf neu konstruiert und hat jetzt eine extrem robuste Konstruktion. Das Stativgewinde befindet sich z.B. jetzt im Gehäuse, nicht mehr im Bodendeckel. Der R-Adapter hat einen eigenes integriertes Stativgewinde, das sich auch abschrauben lässt.

Frage: Das ROM in R-Objektiven ist nicht notwendig?

Jesko v. Oeynhausen: Nein, es hat keine Funktion mit dem R-Adapter.

Frage: Funktionieren Visoflex-Objektive?

Stefan Daniel: Dies müsste man ausprobieren.

Frage: Lässt sich der alte Visoflex ansetzen?

Stefan Daniel: Die LEICA M hat die gleichen Abmessungen wie die LEICA M9, daher müsste auch der Visoflex passen.

Frage: Wie sieht es mit den Leica Produktionskapazitäten aus?

Alfred Schopf: Vor zwei Jahren hat Leica 800 Objektive pro Monat produziert, jetzt sind es 3200. Die Leica Kunden haben der Kalkulation aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Nachfrage stieg so stark an, dass sie immer noch höher ist als die Produktionskapazität. Ende des Jahres 2012 sollen 4000 Objektive gefertigt werden, Ziel sind 5000 Objektive für 2014. Mit dem Umzug Ende 2013 / Anfang 2014 soll die Produktion noch weiter steigen.

Wenn ich mir die Resonanz hier auf der Messe anschaue, fürchte ich, dass die Produkte weiter knapp bleiben werden. Wir tun aber unser Möglichstes, um die Kapazität auszubauen. Aber wir wollen auf keinen Fall Kompromisse in der Qualität machen: Wir bekommen lieber Beschwerden über Lieferzeiten als über mangelnde Qualität.

Frage: Wird es eine 6 Bit Kodierung für das 1: 3,4 / 135 mm geben?

Jesko v. Oeynhausen: Werden wir das nachholen.

Frage: Ist die LEICA M dicker geworden. Woran liegt das?

Jesko v. Oeynhausen: Die Kamera ist NICHT dicker geworden, die Gesamtdicke ist die gleiche wie bei LEICA M9 und LEICA M-E. Das Missverständnis rührt daher, dass bei der LEICA M von Bajonett bis zur dicksten Stelle am Display gemessen werden: 42mm. Bei der M9 wurde nur die Dicke der Deckkappe mit 39mm angegeben, die bei der LEICA M nur weniger als 1mm dicker geworden ist.

Alfred Schopf: Die Gehäuse sind gleich geblieben, die Batterien sind wesentlich größer geworden, um auch die Kapazität zu erhöhen.

Frage: Werden auch Linkshänder berücksichtigt?

Stefan Daniel: Die Kamera ist auf Rechtshänder optimiert. Es wäre zu überlegen, einen speziellen Griff für Linkshänder anzubieten – wir nehmen das als Anregung auf.

Frage: Soll die Summarit Reihe ausgebaut werden?

Stefan Daniel: Ich muss etwas ausholen: Nach Vorstellung des Apo Summicron gab es Befürchtungen, dass nur noch Objektive für mehr als 5000 € für die genannten „Gasbarone“ hergestellt werden. Das ist mitnichten so: Das ist Apo-Summicron ist nicht der Nachfolger des bisherigen Summicron, sondern es werden beide parallel angeboten.

Das neue Apo-Summicron stellt die technische Machbarkeit im Objektivbau dar, als außergewöhnliches Objektiv. Es ist keine Überarbeitung der Objektivpalette geplant, so dass Objektive teurer neu rausgebracht würden.

Frage: Wird es M-Objektive jenseits der 135mm geben?

Stefan Daniel: Kein Kommentar, wir reden drüber, wenn es etwas gibt. Es gibt aber wunderbare R-Objektive mit längeren Brennweiten. Demnächst gibt es aber sicher Adapter z.B. von NOVOFLEX, um andere Objektive anschließen zu können.

About The Author

Andreas ist Fotoingenieur, lebt in Bonn und betreibt neben dem Leica Forum auch das Systemkamera Forum und das Fuji X Forum

1 Comment

  1. Hi Andreas,

    wie immer Dank an Dich für die lesenswerte Zusammenfassung für die, die – wie ich dieses Jahr – nicht dabei sein konnten.

    Best
    Holger

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