Hallo Bernd,
deinen Beitrag finde ich sehr gut und objektiv geschrieben.
Sehr richtig hast du erkannt - entgegen manchen anderen -, daß es uns nicht um "Niedermachen einer Legende" geht. Wir werfen hingegen einfach die Frage auf, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die Legende M - samt ihrem hohen technisch-photographischen Anspruch - so zu belassen und eine neue digitale Schiene aufzubauen, mit eigenem Gehäuse (und M-Bajonett), das einen Vollformat-Sensor zuläßt. Gerade weil das M-Gehäuse offensichtlich nicht ohne große Schwierigkeiten digital zu portieren ist, hätte das doch Sinn gemacht. Dieses zwanghafte Auf-einen-Legenden-Zug-Aufspringen kann, wenn diese M8 nicht in allen Bereichen (!) wirklich mit der analogen M mithalten kann, scheitern. Dann steht Leica ohne M8-Erfolge da, die sie vielleicht mit einer anders benannten neuen Digitalen durchaus eingefahren hätte.
Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob die Marketing-Strategen, die den Markt vorher erkundet haben, richtig gesehen haben (analog zu den Wahlvoraussagen: die sind auch immer ganz anders als der Wahlausgang, zum Erstaunen aller

)
Was wäre gewesen, wenn Leica ein geschlossenes System an Digitalkameras angeboten hätte? also nicht eine Pana-Linie und dazu die M8, sondern alles aus einem Guß? es wäre letztendlich "erwachsener" gewesen. So schaut es m.E. aus, als wenn die Firma aus Notwendigkeit gehandelt hätte und nicht aus innerer Überzeugung. Mir gefällt schon nicht die parallele Veröffentlichung von Leica- und Pana-Kameras. Leica muß Leica sein, nicht Panaleica. Finde ich. Die M8 wirkt dagegen wie ein "Fremdkörper" (oder umgekehrt), schon wegen der unterschiedlichen Wertigkeit - man muß nur mal eine Pana in die Hand nehmen und die M8 ...
Meiner Ansicht nach kann man auch die M7 noch verbessern (davon kann Heiko mehr erzählen, der sie verwendet); den Sucher finde ich hingegen toll und habe ihn mir in meine M6 einbauen lassen. (Scharfstellen in der Dämmerung war noch nie so gut wie jetzt.) Doch mit der Einführung der M8 würde es schwierig werden, die analoge M noch weiter zu führen - Leica hat eigentlich klar gesagt: "liebe Kunden, mit Analog ist es zu Ende, jetzt geht's nur noch Digital weiter". Schade eigentlich. Stattdessen hätte die Firma vielleicht tatsächlich noch mehr das M-Konzept - und daneben ein neues Digital-Konzept - auf dem Markt positionieren können.
Ich finde, eine Chance ist verpaßt. Stattdessen hat Leica eine derzeit noch unfertige Kamera, wohl auf Druck der Geldgeber hin und bestimmt gegen den Rat der Techniker, zu früh auf den Markt gebracht. Ja, "Kinderkrankheiten" - die "darf" jedes neue Produkt haben. Aber in dem Ausmaß? bei 4.000 euro? mit möglichen Folgekosten für die Nutzer (Filter)? Muß sich der Kunde nicht als Betatester vorkommen, zumal Leica nur recht nichtssagende Äußerungen ("wir arbeiten dran") zu den Problemen macht?
Die Digitaltechnik ist insgesamt noch ein entwicklungsfähiges System; die M8 wird sicher eine gute Kamera, und wenn ihre Probleme im Griff sind, wird schon lange an der M9 entwickelt. Wenn diese dann überhaupt noch rauskommen wird.
Grüße, Astrid