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Join Date: 26.11.2007
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Kleiner M8-Test für digitale Laien
Kleiner M8-Test für digitale Laien
Gegenwärtig verleiht Leica M8-Kameras umsonst.
Nütze die Gelegenheit!
1. Die M8 ist hässlich, weil unproportioniert. Frappierend die Gegenüberstellung mit der Augenweide MP. Doch: Sie liegt gut, ja besser in der Hand. Anfangs sucht der Daumen vergeblich den Transporthebel.
2. Die 8000er Verschlussgeschwindigkeit ist großartig, der Verschluss selber fürchterlich und das Aufzugsgeräusch auch. Man presst die Kamera ja an das Gesicht, um Stirn, Nase und Backenknochen als Visagenstativ verwenden zu können und da spürt man den Verschluss direkt als Schlag und die Ohren dröhnen.
3. Man kann die Bilder richtig rausballern. Statt zwei, drei wohltemperierter analoger Aufnahmen, jagt man nun 50 raus und hofft, zwei, drei gelungene werden schon dabei sein. Irgendwie befriedigt das Auf-gut-Glück-Fotografieren nicht.
4. Man kann seine Objektive materialbefreit hemmungslos testen! Alle Zeiten, alle Blenden in allen Entfernungen! Ich kaufe mir keine Leica-Objektive mehr.
5. Das Bajonett geht streng und macht nicht klack. Im Großstadtlärm geht das völlig unter und man weiß nicht: ist das Objektiv jetzt eingerastet oder nicht. Nochmal runter, das Ganze ans Ohr halten, wieder eindrehen und dem delikaten Pling lauschen.
6. OhGottohGott! Die Sucherrahmen! Ja, was ist jetzt das? Welcher Rahmen gehört jetzt zu welchem Objektiv? Zu nah, zu eng, zu verwirrend, ein echter Rückschritt.
7. Schnell arbeiten. Ja, das geht. Man folgt dem bewegten Motiv mit pausenlosem Fotografieren bis ein roter Punkt aufleuchtet und die Kamera nicht mehr auslöst. Warten, Pause, gleich geht’s weiter.
8. Selbstauslöser. Sehr gut. Endlich vollständige Familienfotos aus eigener Hand.
9. Ich hätte vorher die Bedienungsanleitung lesen sollen. Irgendwann stelle ich fest, dass es neben der Standardeinstellung auch noch mittel und hoch gibt und Bilder an Sättigung und Farbe gewinnen können. Macht nichts, denke ich mir, bearbeite ich später am PC. Ein Irrtum.
10. In der Testzeit keine Systemausfälle außer Speicherauflaufzwangspause. Gut.
11. Farbtreue. Mein Eindruck ist, dass die M8 unter bestimmten Lichtsituationen, im Dämmerlicht, in der Abenddämmerung, unter farbigen Markisen, hinter bunten Vorhängen Fehlfarben liefert, weit mehr als Dia-Material, also z.B. massive Gelb- oder Rotstichigkeit.
12. Endlich sehen meine Aufnahmen schärfemäßig so aus, wie ich sie bei anderen immer bewundert und wie ich sie analog nie hingekriegt habe mit Scannen. Wer für PC und Web fotografiert: Da ist digital unverzichtbar. Es ist der direkte Weg.
13. Irgendwie ist immer mehr oder weniger drauf als das, was ich fotografiere und ich frage mich, wie ich Displayanzeige mit Sucherrahmen übereinstimmen lassen kann. Nichts für korrekte Menschen mit Anspruch an Genauigkeit.
14. Eine Porträtserie ist komplett rotstichig. Na, schnell in ein Bildbearbeitungsprogramm geschoben und richtigstellen. Nur wie? Da haben wir also Helligkeit und Kontrast für RGB, Farbton und Sättigung, Farbtonanpassung in hoch, mittel und Schatten und jeweils für Rot, Grün und Blau, Farbreduzierung in Ebenen, Farbbalance für Mittel- und Helltöne und für Schatten für Cyan, Magenta und Gelb und für RotGrünBlau, Farbton und noch sieben andere Parameter und das alles auf und mit 100%-Skalierung und somit habe ich buchstäblich milliardenhafte Möglichkeiten, ein Bild farbtechnisch zu verändern, vom Rest gar nicht zu reden, also Effekte und so und Filter.
15. Ich sitze also stundenlang am PC und beschränke mich nur auf die Farbbalance und notiere: hell cyan –13, magenta 39, gelb –15, mittel –7, 61, -54, Schatten –1, 55, -30 und am Ende liegen stapelweise Zettel vor mir und stapelweise Registerkarten auf dem Bildschirm und ich merke, für die gelbstichigen Porträts nützt mir das gar nichts, da kann ich von vorne anfangen. Aber für die roten haben ich jetzt einigermaßen passende Hauttöne gefunden und fünf Aufnahmen ausgewählt und auf USB-Stick gespeichert.
16. Also rüber zur Nachbarin, weil, die hat einen Farbdrucker. Und einen Flachbildschirm. Au weh. Der zeigt ganz andere Farben. Aber Datei ist Datei, sage ich mir. Die Augen hinter der Brille sind auch immer die gleichen. Leider falsch.
Was der Drucker dann auswirft, stimmt weder mit dem Kameradisplay überein, noch mit der Originaldatei, noch mit der bearbeiteten, noch mit der Flachbildschirmanzeige, sondern ist ganz anarchistisch autonom, nämlich komplett wie überbelichtet und entsättigt flau.
17. Ich wieder nach Haus und flugs neu bearbeiten. Aber wie? In welche Richtung? Es ist ein blindes Spiel mit Ahnungslosigkeiten. Ich sättige drastisch. Die Nachbarin ist gespannt. Jetzt sind die Gesichter gelb mit roten Hautflecken. Ich atme tief durch und wandle alles um in SchwarzWeiß. Der Drucker hält das für Blaugrau. Ich gebe auf und kaufe der Nachbarin anderntags für 35,90 eine neue Farbpatrone.
18. Wie herrlich primitiv ist doch das analoge Fotografieren!
19. So eine FT-Olympus kostet um die 500 Euro. Mini-FT, weil kleiner, weniger, also 400. M-Adapter 100, also wieder bei 500. Da schlag ich zu. Mehr geb’ ich für digital nicht aus.
20. Resümee: Leica M8. Schöne Kamera. Leider digital.
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