Zwischen Nutzung und Ausgeliefert-Sein
Wer ist Herr der Lage in diesem sich immer schneller drehenden Irrsinn von Mediengewalt und Medieneinfluss ?
Derjenige, der sich klar auf die Nutzung , heißt, den eigenen Nutzen beschränken kann im Umgang mit den Medien? Sich nicht scheut, gegen den Strom zu schwimmen?
Mi scheint, es ist die Furcht vor dem Alleinsein und der Einsamkeit, wenn der Mensch in dem Zweiklang sich mehr dem Ausgeliefert-Sein entgegen neigt. Sozusagen sein Kotau vor dem Mainstream praktiziert. Hauptsache er steht nicht allein; bleibt vor allem auch betäubend denn beruhigend, wenn die Übersicht verloren geht.
Da Firmen von Menschen gesteuert werden, findet sich die gesamte Breite der Verhaltensmuster auch bei Firmenentscheidungen wieder.
Wir sind mit unseren Wahrnehmungsfähigkeiten nicht gemacht für diese Schnell-Lebigkeit, deshalb kann oft nicht mehr mit der notwendigen Gelassenheit gearbeitet werden. Die Firmen - aber auch die Politik - beginnen ihren Eiertanz.
In diesem Zusammenhang fällt mir ein Artikel aus der Zeit ein:
An die Wand geworfen - Warum Powerpoint - Präsentationen und Marketing-Jargon Sprache und Geist beschädigen ( ZEit 31/2007 )
Zitat: Es fehlt alles, was gute Kommunikation (»Verständigung«) ausmacht. Gedanken werden zerhackt, die Beziehungen zwischen ihnen eliminiert (»beseitigt«).
Was ist wichtig, was kommt vorher, was nachher? Vorgegaukelt durch die rigorose Struktur wird geordnetes Denken; tatsächlich werden Kausalitäten und
Prämissen plattgemacht, wird der Zuhörer manipuliert. Die Aufzählung ersetzt das Narrativ (früher: »Erzählung«). Oder ganz kurz: »Bullet outlines can make
us stupid«, schreibt Edward R. Tufte in The Cognitive Style of PowerPoint. Denn, so Karl Kraus: »Sprechen und Denken sind eins.«
Wie blöd? Zweieinhalbtausend Jahre (1) später doziert der Chef der Telekom über den neuen »Markenauftritt« (kann eine Marke auftreten?): »One Company. One
Service. Wir haben Marketing und Vertrieb gestrafft, die Zahl der Marken reduziert und die neue Markenarchitektur etabliert… Wir haben die bisherige
Kommunikation auf den Prüfstand gestellt und uns für eine Vereinfachung unserer Marktansprache entschieden.« Er hätte es prägnanter sagen können: »Wir
verringern Personal und Produkte. Wir wollen verständlich mit den Kunden reden.« Merkmal des Marketing-Sprech ist also die Redundanz
(»Weitschweifigkeit«) sowie das Generische (»Allgemeinplatz«). Diese kleine Ansprache hätte jeder deutsche Boss halten können.
Aber es sind nicht nur die Bosse, die so reden, weshalb auch der USP (unique selling proposition) des gesamten Abendlandes zur Disposition auf der Agenda
steht. Fast alle, die im Weinberg des Zeitgeistes arbeiten, kommunizieren (»reden«) so: Sozialarbeiter, Gender-Beauftragte, Think-Tanker, Bürokraten,
Wohlfahrtsverwalter, die »sinnstiftende Klasse« ganz allgemein (ausgenommen natürlich diese Zeitung).
Greifen wir wahllos ein paar Beispiele heraus. »Lernprozesse« (früher »Lernen«) sind immer »kreativ«, Profile werden stets »geschärft«, um »kreativ genutzt«
zu werden. Das sind Wörter, die munter von der Festplatte purzeln. Besonders beliebt ist die Redundanz durch Wiederholung und Pleonasmen (»doppelt
gemoppelt«). »Programm« reicht nicht, ein »Programmdesign« muss her. Dieses wird »initiiert und etabliert« – »gefördert« sowieso. Die »Erfolgskontrolle« ist
zu armselig, stattdessen heißt es: »Entwicklungen werden durch Methoden der Selbstevaluation und durch die Maßnahmen zu Qualitätsüberprüfung erfasst.«
Selbstverständlich muss stets »sensibilisiert und qualifiziert« werden.
Zitatende
Ich hätt´s nicht besser schreiben können.
Wer den Überblick verliert - und wäre dies bei Leica so - es wäre durchaus verständlich, der greift in der Tat nach den bekannten und allseits genutzten Strohhalmen.
Es ist eben ein anderes Format notwendig, gegen den Strom zu schwimmen.
(1) Perikles war auch Gegenstand in diesem Artikel, deshalb der Bezug, der hier bei diesem Zitat etwas irritierend erscheint-