Summarit: Desaster oder Option?
Summarit: Desaster oder Option?
Folgt man dem Leica-Homepage-Intro gelangt man zum Eindruck, Leica fertige ein Lifestyleproduct zum Umhängen mit bei Bedarf Fotografiergelegenheit für diejenigen, die sich auch sonst gerne schmücken mit Klunkern und gutem Tuch und denen es hauptsächlich ums Zeigen und Vorzeigen geht und damit um Demonstration des eigenen uptodateseins.(Schickmickwixmit)
Nur haben wir aber in der Fotobranche inzwischen Winter- und Sommersaison mit den üblichen Ausverkäufen wie im Textilbereich. Was heute trägt, landet morgen im Container.
Das Marketing insgesamt folgt dem Mobile-Modell: Egal was, Hauptsache das Neueste.
Dass die Dinger telefonieren können: Nebensache.
Ergo: Mehr Pixel, egal wozu.
Zweifellos ist Leicas aufgesetztes Entree Ausdruck tiefgehender Orientierungslosigkeit bezüglich einem Produktportfolio, dem seine Begründung zunehmend futschicato geht.
Womit will man brillieren? Mit technischer Expertise? Mit Innovation? Mit einem wie auch immer gearteten überzeugendem Konzept? Mit Einzigartigkeit? Mit glorioser Historie?
Die Kernfrage ist: Wem wollen Sie heutzutage mit welcher Begründung eine Leica (M) verkaufen?
Ich behaupte: Leica selber weiß das nicht. Die haben keinen Plan. Die schwimmen.
Leica ist sich selber abhanden gekommen.
Nehmen Sie die Summarit-Linie, die laut Presse in für Leica „überraschend hohen Stückzahlen“ (LFI 8/07, S. 28) gefertigt werden/worden sind.
Nur: Wer soll die Dinger kaufen?
Der Altkunde? Leute wie ich? Ich habe sieben M-Objektive. Mein Bedarf ist gedeckt. Und wenn, dann will ich upgraden und nicht downgraden.
Der Neukunde? Wenn einer 5000 Euro für eine M8 zahlt, wird der dann beim Objektiv das sparen anfangen? Vorzugsweise bei der Sonnenblende?
Der Fremdkunde? Der Bessa-Besitzer? Von Color-Skopar auf Summarit aufsteigen?
Der ZeissIkon ihr Biogon getauscht ganz fix in Summarix?
Überlegen Sie mal: Rund 1300 Euro für ein Summarit. Gleiche, wenn nicht bessere Qualität bekommen sie mit Biogon für 600 bis 800. Und wiederum gute bis sehr gute Qualität erhalten sie für 300 bis 400 Euro bei VC. Vergleichen Sie mal die Bildergebnisse auch hier in diesem Forum. Wie heißt es so schön: Ich bin doch nicht blöd!
Wenn haben wir noch: Den Gebrauchtkunden. Der sich für 500 bis 1000 Euro in M2/M6 einkauft. Hat man den angepeilt? Neues Glas an altem Haus?
Daher behaupte ich: Es gibt überhaupt keinen Markt für die Summaritis.
Die ganze Linie ist eine eklatante Fehlplanung.
Kaum verdientes Geld bereits wieder in den Sand gesetzt.
Vielleicht irre ich mich, wahrscheinlich eher nicht.
In meinen Augen machen die Summarite einzig Sinn mit einem simpleminded 1000 Euro M digitalGehäuse, obwohl ich dann mit Zubehör auch schon wieder bei 2500 bin.
Dies scheint mir die einzige Option zu sein.
Leica steht und fällt mit dem M-Gehäuse; und der idiotischen Informations-Politik des Hauses Leica zufolge, starren die prospektiven Käufer wie die Kaninchen auf die Wundertüte in Form einer herbstlichen Fotomesse und erwarten sich die große Bescherung.
Inzwischen ruhen die Umsätze, weil der Käufer wartet ab. Na bravo. Das nenn ich Marketing.
Jungs, kauft’s euch doch mal ne Zeitschrift: brand eins oder so. Oder bucht mal einen Volkshochschulkurs: PR für Anfänger.
Ich mag Leica. Hauptsächlich aus ästhetischen Gründen. Ich bin nicht gegen die Marke. Die könnten mir ruhig mal ein Putztüchlein zuschicken, weil ich ein so treuer Kunde bin.
Aber der Wettbewerb, nehmen Sie Sony, buttert Kamera um Kamera in den Markt und keine schlechten!
Man kann gegen Preis und Technik nur gewinnen wenn man etwas dagegensetzt, was man mit Preis und Technik nicht kriegen kann: Die Kraft der Idee! Der starke Gedanke! Das reine Gefühl!
Leica hat das. Aber sie nützen es nicht. Dies ist das eigentliche Kapital der Firma.
Aber das ist ein anderes Thema.
Last edited by ThomasvonAue : 02/29/08 at 08:50 PM.
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