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Old 02/29/08, 03:47 PM   #27 (permalink)
sonnar
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Default AW: Glückstag / Mein Einstieg in die Leica-Welt

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Originally Posted by str View Post
Soll ich dazu die Handlung erwähnen: Ein durch den Verlust
seiner Frau im Palügebiet gekränkter Dr. Krafft geht als Irrläufer
durch die Bergwelt, will trotz Föhnwetter, um einer Engländergruppe
zuvorzukommen, im Alleingang durch die Nordwand des Palü,
die es so nicht gibt (es sind Hängegletscher und Grate), stört auf
der Diavolezzahütte das Beisammensein eines Paares, das
sich ihm zu seinem Gang in Fels und Eis anschließt. Der
Irrsinn endet in der vorhersehbaren Katastrophe eines Wetterturzes,
der mit Eis- und Felsabgängen übermäßig dargeste llt wird. Ein
bekannter Weltkriegsflieger macht ein paar Flugkunstückchen, kann
die Leute aber nicht retten. Schließlich gibt sich Dr. Krafft auf, die
jungen Verliebten werden, nachdem Dr. Krafft die junge Frau so
sehnüchtig angeschaut hat, gerettet, obwohl der Jüngling dem
reifen und überlegenen Dr. Krafft an Heroismus weit hintennachsteht
und sein Glück nicht verdient.

Unsäglicher noch als diese Handlung ist die Verherrlichung
bloßer Naturgewalt als Gewalt und in Steigerung davon die
Bewunderung des Trotzes gegen diese Art von Natur, wie sie
eine bloße Ausgeburt der Phantasie derer ist, die sich darin
nicht zu bewegen wissen. Hier wird eine stupende filmische
Technik zum Leerlauf in bloßer Wiedergabe vermeintlicher
Naturexzesse mißbraucht.

Es keine Frage des Geschmacks oder eines übersensiblen
Auges, so etwas abstoßend zu finden, sondern eine Frage
zunächst der ästhetischen und dann auch der politischen Kultur.
Man macht es sich viel zu einfach, die Welt in Nazis und Nicht-
Nazis einzuteilen. Das muß ich mir ausbitten.

str.
Man kann ihn auch einfach als spannenden (wenn auch etwas länglichen) Spielfilm sehen, mit damaligen (aus heutiger Sicht bescheidenen) Mitteln in Szene gesetzt, mit einer (für damalige Betrachter) exotischen und hochdramatischen Kulisse, und zwischenmenschlichen Spannungen, oder einer lovestory, in einer zufällig sich ergebenden Konstellation aus zwei Männern und einer Frau. Oder eines verzweifelten, trauernden Menschen der nach dem Tod sucht, aber sich für das Leben entscheidet - und dabei umkommt. Und und und... Sie brauchen mir die Handlung nicht zu erzählen denn er ist zusmmen mit mit Fritz Lang's Metropolis und M - Eine Stadt sucht einen Mörder, einer meiner absoluten Lieblingsfilme aus dieser Zeit...

Ihre Charakterisierung lässt allerdings nur den Schluß zu dass Sie den Unterschied zwischen einem Spielfilm und einer Dokumentation nicht kennen. Fanck und Pabst haben einen Spiefilm gedreht, an einer ihnen (und mir als lokal-unkundigen Zuschauer) glaubwürdig scheinenden Kulisse - keine DOKU über den Morteratschgletscher oder den Palü...

Ihre Wertung ("ästhetisch und politisch abstoßend") mag in diesem Mißverständnis begründet liegen, denn es ist absurd einen Spiefilm der in der Natur spielt (und nicht offensichtliche Verbrechen verherrlicht) mit dieser Wertung zu versehen. Ob ein Arnold Fanck sich in den Bergen auskannte oder nicht, werden Sie nicht wissen. Ich weiß es ebenso wenig, allerdings lassen seine Vita, und die Tatsache dass er als einer der ersten Regisseure abendfüllende Spielfilme in den Bergen drehte und nach Aussagen von Zeitzeugen auf Authentizität bei den Drehs hohen Wert legte, wobei er seinen Schauspielern recht viel zumutete, doch stark darauf schliessen dass er die Berge kannte. -- Im übrigen würde ich aber auch einem Flachlandtiroler zubilligen einen Bergfilm zu drehen. Hauptsache er ist spannend, gut gemacht und die Geschichte schlüssig... Von denen die in der Lage waren den Film ohne politische Brille zu sehen (wie man glaube ich jedes Kunstwerk ohne politische Brille betrachten muss), habe ich noch niemand getroffen der "Piz Palü" schlecht gemacht fand. Dramatisch, wunderschön, ja. Auch pathetisch und kitschig. Die Grenzen sind da ja fließend und Ausdruck persönlichen Geschmacks.

"Verherrlichung bloßer Naturgewalt" kann ich, als Betrachter des Films ohne politisches Vor-Urteil, ebenfalls nicht erkennen - wohl aber eine Achtung vor der Natur als einer stärkeren, letztlich auch "höheren" Macht, die uns Menschen in der Zeit vor der Klimakatastrophe (und dem Abschmelzen ebendieser Gletscher in denen der Film spielt) wohl ebenfalls ganz gut anstünde. Der Mensch vermag die Natur in diesem Film letztlich nicht zu überwinden - bestenfalls kann er sich, unter Aufbietung äusserster körperlicher Kräfte und seines Willens, mühsam behaupten. Vom "Triumph des Willens" (Leni Riefenstahl 1938) sind wir hier also noch weit entfernt, und weiter möchte ich über diesen Film (und den Einstellungen, die sich in der Wertung dieses Films ausdrücken) an dieser Stelle auch nicht streiten.

Freundlichste Grüße, FM

Last edited by sonnar : 02/29/08 at 04:24 PM.
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