AW: Neuigkeiten von Leica bei der Photokina 2008 ?
Mir fehlt die Vorstellungskraft dafür, dass sich am Markt so einfach eine weitere Marke mit einer DSLR neben Canon, Nikon oder Sony installieren läßt. Was bräuchte man denn dazu? Eine DSLR im Prosumer- oder Profibereich mindestens auf dem aktuellen technischen Standard, keinesfalls wesentlich teurer als seine Pendants. Das bedeutet, auf qualitativen Overhead zu verzichten. Es bleibt unter dem Strich nichts weiter als ein neuer Bewerber am Markt mit klassenähnlicher Leistung, Leicallabel aber schwierigem wirtschaftlichem Background und damit ein Wackelkandidat; sowohl für den Amateur, dernicht selten lange spart und ungern einer möglichen schwachen Zukunft entgegensehen will, als auch für einen Profi. Und da frag ich mich, wo die besonderen Chancen liegen.
So würde eine deutlich teurere R10 allenfalls den gleichen eingeschränkten Freundeskreis finden wie die aktuelle M8. Und was müßte sie noch dazu leisten, um sich mit einem höheren Preis von ihren Mitbewerbern abzuheben? Wie wahrscheinlich ist es, dass eine R10 gegen den Bewerber Canon mit optischer Leistung deutlich (nicht nur bei bestimmten Objektiven und nicht nur unter Blende X) abhebt? Oder mit einem besseren, sattelfesten AF, einem innovativen IS?
Alles darüber hinaus macht eine Leica zu einem noch schwierigeren Kandidaten wenn es darum geht eine sichere Position am Markt zu erlangen. Denn, bei allem Respekt gegenüber den Freunden Leicas, mit denen allein hats für Leica Marktstabilität nicht mehr länger gereicht und die zu erreichende Klientel hat möglicherweise kein Herz für "echte" Werte. Insofern mag der Informationsdurst der Leicaliebhaber berechtigt, für Leica schmeichelhaft jedoch uninteressant sein. Leica fehlen die Consumer, aber die hören nun einmal auf andere Gesetzmäßigkeiten.
Für mich liegt eine mögliche Zukunft Leicas im M-System. Vielleicht zwei Modelle; eine verbesserte M8 sozusagen als "MP", digitales Herz, mechanisches Roundabout, gerne Vollformat, mit einem Patent, das Meßsucherjustage einfach macht. Dazu eine M9, kleiner, leichter, Durchsichtsucher mit brauchbarer (digitaler) Einspiegelung der "Fokusebene" (Herr Gott, bitte kein elektronischer Sucher), steuerbares Feld von Meßzonen der Belichtung, gerne Vollformat. Das alles in vernünftigen preislichen Regionen, die Jungfotografen überhaupt in die Richtung einer Erwägung bringen.
Mit dem Konzept, alles in allem etwas anders zu sein, auch wenn der Vorsprung eher individualistischer Natur ist, fährt auch das 4/3-System nicht schlecht, wenn auch am Rand des Marktes. Falls in diesem (M)-Rahmen das Nikon-Gerücht wider aller Erwartungen stimmen sollte, könnte da eine hübsche, kleine, stabile Nachfrage entstehen.
Eine Art Leica GR Digital mit Leicabajonett halte ich indes für sinnfrei und chancenlos (zumindest als Rettungsanker).
Last edited by sooderso : January 17th, 2008 at 02:44 PM.
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