So ganz astrein ist der zitierte Leica World Artikel auch nicht. Nach der Lektür könnte man glauben, die Forderung nach möglichst knapper Schärfentiefe sei das Mass aller Dinge.
Unterschlagen wird zudem die Entferungsabhängigkeit der Schärfentiefe.
Ferner ist die Aussage, v.a. der Tabelle, dass bei Vergleich zweier Aufnahmeformate die Kompensationsblende (bez. der Schärfentiefe) für unterschiedliche Brennweiten gleich und entfernungsunabhängig ist. Die Herleitung dieser Aussage fehlt völlig.
Beispiel einer solchen Aussage:
Vergleich Kleinbild-DMR:
Brennweiten 28-90
Blendendifferenz: 1:2,8 zu 1:3,8
Es gilt jdoch:
Je grösser die Entfernung,
Je kürzer die Brennweite,
Je stärker abgeblendet wird,
desto grösser ist die Schärfentiefe.
Zur Berechnung der tatsächlich notwendigen Kompensationsblende, so wie sie in der Praxis benötigt wird, gibt es doch folgende Ansätze.
Der Festbrennweitenfotograf, also der, der evtl. mit hochöffnenden Objektiven für knappste Schärfentiefe arbeitet, muss bei gecropptem Sensorformat den Abstand zum Motiv vergrössern, um den gleichen Bildausschnitt zu erhalten, den er bei gleichem Objektiv auch bei Einsatz einer Kleinbild-Format Kamera gewählt hätte. Durch die Enfernungsvergrösserung erhöht sich die Schärfentiefe. Kennt dieser Fotograf nun seine Fotografiergewohnheiten (typische Brenweite, Aufnahmeentfernung zum Motiv, gewünschte Schärfentiefe), kann er mit einem Schärfentiefenrechner die notwendige Kompensationsblende ausrechnen und feststellen, dass er nicht viele hochöffnendere Objektive als sein schon vorhandenes 1,4 85er findet. Die Leute, die das regelmässig wirklich benötigen, bleiben eher beim Vollformat oder grösser.
Der Zoomfotograf hats bei der Berechnung schon schwieriger. Er wird im Vergleich zur Kleinbildaufnahme evtl. ein Stück in Richung Weitwinkel zoomen und ein Stück zurück gehen. Auch hier kann er die Kompensationsblende mit einem Schärfentieferechner berechnen. Er wird, wenns ihm bei Portraits auf kanppste Schärfentiefe ankommt, auf eine höher öffnende Festbrennweite ausweichen können.
Bei Makroaufnahmen, Tieraufnahmen, Landschaftsaufnahmen, Reportage etc. ist ein etwas kleiners Format, also DMR oder APS-C tendenziell sogar im Vorteil.
Wieviele Hobbyfotografen machen schon unverzichtbar so viele Portraits mit knappster Schärfentiefe, dass sie in der Regel nicht auch auf ca. 1-2 Blenden verzichten könnten und das gleich für mehrere Brennweiten. Notfalls reicht es auch festzustellen, dass auch Portraits mit abgeblendeten Objektiven Sinn machen.
Bis zum APS Format wird das Thema v.a. im genannten Leica World Artikel viel zu heiss gegessen, die umwerfende Qualität der Leica-Objektive bei voller Öffnung bleibt natürlich nicht unerwähnt.
Grüsse