Guten Abend!
Zunächst:
Es ist mir ein ausserordentlicher Genuß, lesend an Euren Ansichten teihaben zu können!
Darf ich auch kurz meine Meinung zufügen, auch Euren scheinbaren Dissenz einbeziehend?
Nun denn..
ich kann es nicht schöner und besser zusammenfassen als Sterntaler. Ich schließe mich ihm an.
Jedoch sehe ich keinerlei Widerspruch zwischen dem "moment decisif" der reportagefotografie und der vor, während und nach dem Foto elaborierten "Manipulation" des Bildes hinsichtlich der Frage der Abstraktion.
Denn letztendlich bekommen wir eine Chance zugeworfen - das Motiv.
Bereits beim Sehen, beim "angesogen werden" in das Motiv oder dem Verwerfen des Motives abstrahieren wir und legen ganz massiv bewertende Maßstäbe an - auf der Grundlage dessen, was wir bisher in unserem Leben erlebten.
Es kommt meiner bescheidenen Meinung nach nicht darauf an, ob wir "puristisch" oder "extensiv bearbeitend" mit einem Foto vor, während oder nach dem Ablichten umgehen.
denn es sind nur verschiedene Mengen an Werkzeugen und verschiedene zeiträume beim gestalten., mehr nicht.
Ein brillianter Fotograf kann ohne lange nachzudenken bereits im Moment des Auslösends das machen, wofür Andere eine Nachbearbeitung benötigen.
Ein stärker Nachbearbeitender ist aber nicht unbedingt schlechter, er gestattet sich halt nur einen längeren zeitraum zum gestalten. Vielleicht ist er nicht so mit der Kamera verwachsen, nicht so unmittelbar brilliant, hat andere Stärken als der typische Strassenfotograf.
Beide jedoch gestalten ganz massiv ihr Bild und das bewußt - nur das Arsenal ist ein Anderes. BEIDE Abstrahieren enorm!
der m.E. nur scheinbare Widerspruch/Diskurs ist wie der zwischen einem Großbildfotografen und einem M-Fotografen, oder wie der zwischen einem S/W - und einem Farbfotografen.
Oder einem Musiker, der es ablehnt, Tonträger aufzunehmen und einem, der fast nur harte Studioarbeit für Tonträger macht.
ich sehe es wie auch bei Komponisten oder Schriftstellern:
Der eine knallt eine Symphonie oder ein anders Stück Musik brilliant innerhalb kürzester zeit hin und es ist gut und es genügt ihm.
der andere (vielleicht aber auch der Gleiche, aber einige Jahre zuvor oder später

) "Quält" sich und feilt ewig herum, vielleicht sogar bis zum Tod und es wird eine Unvollendete Symphonie, die aber genauso etwas Grandioses haben kann wie ein kurzer Moment eines perfekten Konzertauftrittes.
Letzendlich würde es für den extrem puristischen Betrachter ja alles andere als nötig sein, das, was er/sie sieht auch noch abzulichten.
denn er/sie hat ja in vollen Zügen die Szene unbearbeitet in 3D erlebt.
bereits das Foto ist eine unfassbar umfangreiche Manipulation, die kaum noch wesentlich stärker wird durch weitere Gestaltung.
Wer andere Menschen teilhaben läßt an dem, was er gesehen und in diesem Moment empfunden hat, filtert enorm.
Und zwar, weil es ihm nicht mehr um das Objekt als solches geht, sondern, weil es um die Mitteilung der Empfindungen beim Erleben, teilhaben am Geschehenen geht, die er an Dritte richtet.
Wer ausserhalb der strikten Foto-Dokumentation arbeitet, der drückt sich in der Fotografie genauso aus wie in der Malerei oder Musik oder Schriftstellerei oder im Tanz oder.... und zwar egal, ob er will oder nicht.
Dabei kann man es halt zur Meisterschaft bringen oder eben nicht. Das hat aber Nichts mit der (im Grunde, um es provokant zu formulieren banalen )Frage des Ausmaßes von Bildbearbeitung zu tun.
Es ist ganz einfach Empathie.
und zwar (hoffentlich) für evtl. Abgebildete, aber auch und eher vornehmlich Empathie-Werbung für den Abbildenden/Gestaltenden und seine Sicht der Welt, abstrahiert in Hochreiner Art und Weise in Form z.B. eines Bildes... Das nennt man dann eben ganz einfach künstlerische Triebkraft.
es ist ein Werben um Ansichten, Weltanschaungen, das ganz eigene "Universum" .
Fotografieren hat etwas holografisches, bezogen auf den Fotografen: Jeder noch so kleine teil der Fotografie (Banales natürlich ausgenommen) trägt die Information über das Ganze in sich.
Sorry, war etwas lang.
Gruß
Dirk
(nicht mehr bearbeitet, sondern jetzt bewußt gleich abgesendet)
edit: naja, fast unbearbeitet, es waren einige Störende Tippfehler drin
edit 2:
ich finde dieses Bild wunder-, wunderschön! Es ist Kunst!