AW: Die Legende vom richtigen Augenblick (Langfassung)
Lieber Prosper Duprees!
Es ist tatsächlich nur eine Legende. Nicht der Fotograf bestimmt den festgehaltenen Augenblick sondern der Zufall, das Leben, das Objekt was auch immer. Sieht man von statischen Aufnahmen ab - Landschaft und Architektur - so habe ich in meiner langjährigen Fotokarriere festgestellt, und es geht auch wirklichen Profis aus der Printmedienbranche so, von 36 Aufnahmen werden mit viel Glück etwa 3 übrigbleiben, die von einer nennenswerten Aussagekraft sind. Jede gute Aufnahme mehr ist nur wahnsinniges Glück. Das heute jeder Mist veröffentlicht wird, liegt nicht an den Fotografen.
Darüber hinaus stellt sich noch eine weitere Frage. Ist die Aufnahme, die ich gerade gemacht habe, wirklich für alle Betrachter von Relevanz oder nur für mich, weil ich dabei war. Die Bildesthetik sei einmal dahingestellt, da auch eine Landschaftsaufnahme zwar sehr esthetisch sein kann, sonst aber unbedeutend ist.
Die Fotos von Herrn Bresson sind ohne Zweifel sehr gut aber treffen sie auch noch heute den Punkt? Vielleicht ja, vielleicht nein. Die Sehweise, ein schlechtes Wort für das was ich meine, hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert. Kunst und der Kunstbegriff im allgemeinen ist ein Produkt der jeweiligen Zeit.
Ich hatte gestern Abend das Vergnügen, eine Veranstaltung fotografisch zu begleiten. 97 Aufnahmen, 3 bis 5 Fotos sind von Belang, der Rest ist reine Dokumentation. Und ich habe nicht die Qualitäten eines Herrn Bresson. Ich hatte bei den guten Aufnahmen das irre Glück zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein und gut aufgelegte Leute vor mir zu haben.
Um Kritiken vorzubeugen, ich habe keinen Rotwein oder sonstige Alkoholika zu mir genommen. Zu einem fundierten langen Beitrag muß entsprechend ausführlich Stellung genommen werden.
guribacsi, der Laie
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